Fr., 22.02.2019

Geplante Werksschließung stellt Abwasser-Kooperation mit Südzucker in Frage – Gebühren könnten steigen Stadt erwägt Regressforderung gegen Konzern

In der neu errichteten Solar-Klärschlammtrocknung im Zentralklärwerk soll Warmluft, gewonnen aus dem heißen Abwasser der Zuckerfabrik, dabei helfen, Schlamm zu trocknen.

In der neu errichteten Solar-Klärschlammtrocknung im Zentralklärwerk soll Warmluft, gewonnen aus dem heißen Abwasser der Zuckerfabrik, dabei helfen, Schlamm zu trocknen. Foto: Ralf Benner

Von Ralf Benner

Warburg (WB). Sollte das Warburger Zuckerwerk geschlossen werden, wird die Stadt Warburg die Südzucker AG nach rechtlichen Möglichkeiten in Regress nehmen müssen, um einen Schaden von den Bürgern durch erhöhte Abwassergebühren abzuwenden. Das hat Bürgermeister Michael Stickeln dem Aufsichtsrat des Mannheimer Konzerns in einem Brief deutlich gemacht.

Rückzahlungen von Fördermitteln erwartet

Hintergrund ist der bereits seit dem Jahr 1984 bestehende und erst im September 2016 erweitert geschlossene Kooperationsvertrag zur innovativen Abwasserbehandlung zwischen der Südzucker AG und dem Kommunalunternehmen der Hansestadt (KUW). Dieser umfasst ein Investitionsvolumen von insgesamt 16,2 Millionen Euro, mit dem die Warburger Zentralkläranlage derzeit umfassend modernisiert wird. Das Land fördert das Vorhaben mit einem Anteil von 9,8 Millionen Euro. Eingesetzt wurden von den Mitteln bereits 7,7 Millionen Euro, davon 4,3 Millionen Euro an Fördermitteln.

Bei durchaus möglichen Rückzahlungen von Fördermitteln aufgrund geänderter Rahmenbedingungen durch die Schließung des Zuckerwerkes, werde die Hansestadt den Konzern entsprechend in die Pflicht nehmen, kündigt Stickeln in dem Schreiben an. Sollten in diesem Zusammenhang darüber hinaus Gebührenerhöhungen unvermeidbar sein, würde dies einen weiteren erheblichen Imageschaden für die Südzucker AG bedeuten, führt Stickeln aus.

Umbaumaßnahmen im Zentralklärwerk vorerst auf Eis gelegt

Mit dem möglichen Aus für das Warburger Zuckerwerk werde das Verbund-Abwasserbeseitigungskonzept für das kommunale Abwasser und das Industrieabwasser des Zuckerwerks grundsätzlich in Frage gestellt, befürchtet Klaus Braun, Erster Beigeordneter und KUW-Vorstand. Nach Bekanntwerden der Schließungspläne seien deshalb alle zurzeit laufenden Umbaumaßnahmen im Zentralklärwerk erst einmal gestoppt worden. »Wir sind derzeit noch dabei, genau auszurechnen, wie hoch die Summe sein wird, die wir von der Südzucker AG zurückfordern können, sollte es zu Rückzahlungen von Fördermitteln kommen«, erklärt Braun das weitere Vorgehen. Mit Land und Bezirksregierung Detmold sei man darüber bereits im Gespräch.

Investitionen stehen wieder auf dem Prüfstand

Überlegt werde derzeit auch, inwieweit die noch anstehenden Investitionen in die Zentralkläranlage zurückgefahren werden müssen, sollte dort zukünftig nur noch das kommunale Abwasser behandelt werden. »Die Dimensionierung der Anlagen, etwa der Faultürme, ändert sich natürlich«, erläutert Klaus Braun.

Das innovative Abwasserbehandlungskonzept sieht eigentlich vor, dass das Industrieabwasser der Zuckerfabrik in der Kläranlage auf vielfältige Weise hilfreich zum Einsatz kommt. Demnach soll das organisch reichhaltige Abwasser, das zur Reinigung und zum Transport der Rüben benutzt wird, den Faultürmen zugeführt werden, wo es Gase bildet, mit denen später Strom in Blockheizkraftwerken erzeugt wird.

Neue Solar-Klärschlammtrocknung errichtet

Das übrige Abwasser der Fabrik, das zum Auskochen der Rüben verwendet wird, kommt etwa 60 Grad heiß in der Kläranlage an. Es fördert zum einen den Gärprozess innerhalb des Klärschlamms, zum anderen wird es über Wärmetauscher in warme Luft umgewandelt. Diese Warmluft soll dann der gerade erst neu errichteten Solar-Klärschlammtrocknung zugeführt werden, in der der Schlamm getrocknet wird, bevor er in einer Müllverbrennungsanlage landet.

Die Betriebsgenehmigung für die innovative Anlage steht noch aus. Sie soll voraussichtlich Mitte dieses Jahres in Betrieb gehen.

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