Di., 16.04.2019

Betrieb im St.-Elisabeth-Krankenhaus Volkmarsen endet zum 30. Juni Klinik schließt Geburtshilfe

Warburg/Volkmarsen (WB/sis). Im Krankenhaus Warburg sind Entbindungen seit November 2005 Geschichte. Jetzt schließt auch die geburtshilfliche Abteilung des St.-Elisabeth-Krankenhauses in Volkmarsen. Für Schwangere aus dem Warburger Land heißt das, dass sie dann für die Geburt ihres Kindes nach Höxter oder Paderborn fahren müssen.

Die geburtshilfliche Belegabteilung am Krankenhaus in Volkmarsen wird zum 30. Juni ihren Betrieb einstellen, das teilt das Krankenhaus in einer Pressemitteilung mit. Eine nachhaltige Sicherstellung der Geburtshilfe sei unter keinen Umständen möglich, erläutert Geschäftsführer Michael Schmidt.

Gynäkologische Versorgung am Standort bleibt erhalten

Vor diesem Hintergrund haben die freiberuflichen Beleghebammen ihren Vertrag mit dem St.-Elisabeth-Krankenhaus bereits fristgerecht zum 30. Juni gekündigt. Die gynäkologische Versorgung durch die Belegärzte Dr. Ralf Kubenke und Leonhard Kalhoff bleibt am Standort erhalten.

»Für die Entscheidung, die Geburtshilfe zu schließen, waren verschiedene Faktoren ausschlaggebend«, macht Schmidt deutlich.

»Der Betrieb einer Geburtshilfe stellt mittlerweile für viele gynäkologische Fachärzte und Anästhesisten einen Hinderungsgrund dar, sich als Belegärzte niederzulassen und eine solche Belegabteilung zu versorgen.«

Vor dem Hintergrund, dass in Volkmarsen in der Anästhesie ein Generationenwechsel anstehe und sich mit dem weiteren Betrieb der Geburtshilfe schlicht keine Anästhesisten finden lassen, habe man sich zur Schließung der Geburtshilfe entscheiden müssen.

Auch nach der Schließung der Belegabteilung bleiben die gynäkologischen Leistungen am Krankenhaus jedoch erhalten. »Unsere beiden Belegärzte Dr. Ralf Kubenke und Leonhard Kalhoff werden wie bisher in ihrer Praxis die Patientinnen ambulant versorgen sowie Patientinnen im Krankenhaus operativ ambulant und stationär behandeln«, so Michael Schmidt.

Beiträge zur Haftpflichtversicherung drastisch gestiegen

Als Hauptgrund, warum viele gynäkologische Fachärzte keine Geburtshilfe mehr anbieten wollen, nennt Schmidt die drastisch gestiegenen Beiträge zur Haftpflichtversicherung für geburtshilfliche Leistungen. »Diese übersteigen die Vergütungen deutlich, die durch die Geburtshilfe erwirtschaftet werden können«, erklärt der Geschäftsführer.

In Volkmarsen laufe der bisherige Vertrag der beiden Gynäkologen mit dem Versicherer zum 31. Dezember aus und könnte nur mit einer Steigerung auf 250.000 Euro pro Jahr fortgeführt werden, einem Vielfachen der bisherigen Versicherungsprämie. »Mit rund 350 Geburten im Jahr in Volkmarsen sind solche Versicherungsbeiträge für Belegärzte nicht abbildbar«, macht Schmidt deutlich.

Schlechte Bezahlung für freiberufliche Beleghebammen

Durch die Neugestaltung der Gebührenordnung für Hebammen habe sich seit Anfang 2018 die Vergütungssituation für stationäre Leistungen in geburtshilflichen Belegabteilungen deutlich verschlechtert. Dies habe dazu geführt, dass eine stationäre Geburtshilfe in vielen Fällen nicht mehr zu leisten sei.

»Die schlechte Vergütungssituation hat auch zur Folge, dass immer mehr freiberufliche Beleghebammen ihren Beruf aufgeben«, erläutert Schmidt. Der Deutsche Hebammenverband fordert seit Längerem eine Verdopplung der Vergütung der Leistung freiberuflicher Hebammen.

Auch vor dem Hintergrund der schlechten Bezahlung hätten sich auch die freiberuflichen Beleghebammen dafür entschieden, auf eine Vertragsverlängerung zu verzichten.

Belegärzte bedauern Entscheidung

»Die Geburtshilfe in Volkmarsen ist eine gut funktionierende Abteilung, die von vielen Schwangeren gerne in Anspruch genommen wird. Dass eine solche Abteilung letztlich aufgrund mangelhafter, durch die Untätigkeit der Bundespolitik bedingter auch finanzieller Rahmenbedingungen schließen muss, ist traurig«, sagt Belegarzt Leonhard Kalhoff. Für die Schwangeren bedeutet das, dass sie in Zukunft weitere Wege zu bereits jetzt teilweise überlasteten Geburtszentren auf sich nehmen müssen.

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