Sa., 11.05.2019

Schweckhausen, Willegassen und Dalheim sind vom ÖPNV-Netz abgeschnitten Wenn der Bus nie kommt

Auf den Bus wartet Ortsbürgermeister Heinz-Jürgen Schmitt an der ­Haltestelle »Försterei« am Schloss in Schweckhausen vergebens: Dort halten nur Schulbusse, der Willebadessener Stadtteil ist komplett vom ÖPNV-Liniennetz abgeschnitten.

Auf den Bus wartet Ortsbürgermeister Heinz-Jürgen Schmitt an der ­Haltestelle »Försterei« am Schloss in Schweckhausen vergebens: Dort halten nur Schulbusse, der Willebadessener Stadtteil ist komplett vom ÖPNV-Liniennetz abgeschnitten. Foto: Daniel Lüns

Von Daniel Lüns

Willebadessen/Warburg (WB). Warburger Oktoberwoche, Annentag in Brakel, Landesgartenschau in Höxter: der Kreis Höxter hat viele Veranstaltungen zu bieten. Schade nur, wenn man sie nicht erreichen kann – weil der Bus nie kommt.

Drei Orte sind abgehängt

Drei Orte im Warburger Land teilen sich das gleiche Schicksal: Schweckhausen, Willegassen und Dalheim sind vom ÖPNV-Netz abgeschnitten. Kinder und Jugendliche werden zwar mit Bussen zur Schule gebracht. Alle anderen Einwohner warten an den Haltestellen im Ort aber vergebens.

Auf das Problem wurde jüngst Heinz-Jürgen Schmitt aufmerksam. Der Ortsbürgermeister von Schweckhausen ist aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend auf einen Rollator angewiesen. Er informierte sich, wie er von Schweckhausen mit dem Bus barrierefrei zum St.-Ansgar-Krankenhaus nach Höxter kommt. Das Ergebnis war ernüchternd: es werden gar keine Fahrten angeboten. Und das obwohl der Ort keine vier Kilometer vom Verwaltungssitz in Peckelsheim entfernt liegt.

Weitere Betroffene

Schmitt wandte sich an den Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (NPH). Dort werden die Liniennetzpläne für die Kreise Höxter und Paderborn gemacht: »Die waren selbst erstaunt, dass man von hier gar nicht wegkommt.« Im Ort gebe es weitere Betroffene. »Eine Bekannte muss regelmäßig nach Warburg zum Arzt«, erklärt Schmitt. Die Frau müsse sich von ihrem Mann fahren lassen.

»Unser Ort blüht auf. Natürlich finde ich das nicht gut«, sagt Schmitt zur fehlenden Busanbindung. Junge Familien würden sich für Schweckhausen interessieren. Zudem rechnet der Ortsbürgermeister mit mehr Besuchern, wenn die Sanierung des Schlosses fertig ist. »Dort soll ja auch ein kleines Museum entstehen.«

NPH bestätigt Ergebnisse

NPH-Pressesprecherin Bianca Frerich bestätigt auf Nachfrage des WESTFALEN-BLATTES das Schicksal von Schweckhausen, Willegassen und Dalheim.

»In kleineren Ortschaften wie zum Beispiel Warburg-Dalheim (80 Einwohner), Willebadessen-Schweckhausen (176 Einwohner) und Willebadessen-Willegassen (58 Einwohner) konnte vor allem aufgrund der geringen Einwohnerzahl kein regelmäßig verkehrendes ÖPNV-Taktangebot eingerichtet werden«, schreibt sie in einer Pressemitteilung. Die Ortschaften würden nur »zu den schulrelevanten Zeiten« bedient.

143 Linien sind unterwegs

»In den Kreisen Paderborn und Höxter werden zurzeit 143 Linien betrieben, welche sich in insgesamt 13 sogenannte Linienbündel aufteilen. Diese Linienbündel entsprechen bestimmten Verkehrskorridoren«, teilt die Pressesprecherin mit. Diese werden von drei Busunternehmen betrieben.

»Das verantwortliche politische Gremium ist die NPH-Verbandsversammlung, die das Busangebot auf der Grundlage des NPH-Nahverkehrsplans maßgeblich vorgibt«, schreibt Bianca Frerich. Der Vorsitzende der Verbandsversammlung ist MdL Matthias Goeken. Auf Nachfrage erklärt er, wie es zur Situation in den drei abgehängten Ortschaften kam.

Wirtschaftlichkeit ist Thema

Der Busverkehr dort sei eigenwirtschaftlich, erklärt er. »Dabei gibt der Busunternehmer ein Angebot für einen bestimmten Bereich ab.«

Verschiedene Standards seien dabei zu erfüllen, am Ende entscheide die Bezirksregierung über die Vergabe. Innerhalb der kommenden sechs Jahre soll für den NPH das System der Gemeinwirtschaftlichkeit gelten.

Linien neu ausschreiben

»Dann werden quasi Kilometer und Zeiten eingekauft. Dann bestimmen wir, wo und wann ein Bus fährt«, sagt Goeken. Auch dieses Prinzip müsse wirtschaftlich sein. Dennoch: wenn kein Bus fährt, soll sich das ändern. Für Schweckhausen und Willegassen kann Goeken sogar bereits gute Nachrichten verkünden.

Zum Sommer 2020 werde das zugehörige Linienbündel vier nämlich neu ausgeschrieben. »Schweckhausen und Willegassen werden dann auch gemeinwirtschaftlich angebunden – auch außerhalb der Ferien«, sagt Matthias Goeken. »Dalheim jedoch ist ein Problem.« Denn der Vertrag für das zugehörige Linienbündel acht laufe bis zum Sommer 2022. »Eher kommen wir da nicht ran.«

Weitere abgehängte Orte

Weitere Orte im Kreis Höxter haben keine gute Busanbindung, erklärt der NPH in seiner Pressemitteilung weiter.

»Auch die Ortschaften Brakel-Hampenhausen, Brakel-Hinnenburg, Brakel-Frohnhausen, Brakel-Schmechten, Brakel-Auenhausen, Borgentreich-Natingen, Borgentreich-Drankhausen, Marienmünster-Kleinenbreden, Marienmünster-Bremerberg, Marienmünster-Born und auch Bad Driburg-Kühlsen konnten nicht mit einem Zwei-Stunden-Takt als kleinster regelmäßiger Taktverkehr angedient werden«, heißt es.

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