Do., 16.05.2019

Familie Schlinker aus Warburg plant Neubau in Brilon Kino zwischen Mainstream und Kunst

Dr. Heribert Schlinker steht vor dem Cineplex in Warburg. Das Kino leitet er gemeinsam mit seinen Töchtern Ute und Judith Schlinker. Nun möchte die Familie ab Ende Mai im sauerländischen Brilon ein weiteres Kino bauen lassen.

Dr. Heribert Schlinker steht vor dem Cineplex in Warburg. Das Kino leitet er gemeinsam mit seinen Töchtern Ute und Judith Schlinker. Nun möchte die Familie ab Ende Mai im sauerländischen Brilon ein weiteres Kino bauen lassen. Foto: Silvia Schonheim

Von Silvia Schonheim

Warburg (WB). Trotz Netflix, Youtube und Co.: Familie Schlinker arbeitet an der Zukunft ihres Cineplex-Kinos in Warburg und plant ein weiteres Kino in Brilon. »Rausgehen und etwas erleben, das wollen die Menschen immer«, weiß Geschäftsführerin Ute Schlinker. Die Kunst sei es, den Kunden auf einen Film aufmerksam zu machen, der sie anspricht.

»Das Freizeitangebot ist heutzutage riesig. Der Kunde selektiert, was er überhaupt wahrnimmt. Wir müssen es schaffen, die Info, dass ein interessanter Film läuft, an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen«, erklärt Ute Schlinker. Über diverse Kinoreihen wie das Seniorenkino, »Kirchen & Kino« oder die Deutsche-Filmpreis-Reihe verfolgt Familie Schlinker dieses Ziel – und zwar mit Erfolg.

»Das Kino ist, wie das Buch auch, ein klassisches Medium. Es wird immer klassisch bleiben, muss aber mit der Zeit gehen. In den letzten Jahren hat sich ja genauso das Publikum verändert«, sagt Ute Schlinker, die das Cineplex-Kino gemeinsam mit ihrem Vater Dr. Heribert Schlinker und ihrer Schwester Judith Schlinker leitet. Es seien nicht mehr »nur« die Sechs- bis 30-Jährigen, die ins Kino gingen.

20 Filme in acht Sälen laufen pro Woche

»Klar, es gehen auch 30-Jährige ins Kino. Die zwei Hauptgruppen, die wir ansprechen, sind aber Familien mit Kindern bis 16 Jahren und die Zuschauergruppe 40+«, erklärt Judith Schlinker. 20 Filme in acht Sälen laufen jede Woche im Warburger Kino. Sechs Filme gibt es für Familien mit Kindern, acht Filme sprechen das breite Publikum (Mainstream) an und sechs Filme werden über Kinoreihen (Arthouse) angeboten.

»Mit den Reihen schaffen wir mehr Aufmerksamkeit, geben dem ausgewählten Film ein Qualitätssiegel und sprechen gezielt ein Publikum an«, erklärt Ute Schlinker. Als Beispiel nennt sie »Van Gogh«: »Das ist ein guter Film, den wir in der Reihe ›Kunst & Kino‹ in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule als Preview gezeigt haben. Im Vorfeld gab es einen Vortrag und nach dem Film folgte eine Diskussion. So vermitteln wir dem Zielpublikum ein Angebot, das einen Wert hat und sich lohnt.«

Zusatz-Angebote werden gut angenommen

Ein weiteres regelmäßiges Angebot ist die Reihe »Kino & Vino«. Die Besucher sitzen im Komfortkino, es gibt eine Weinverkostung, es läuft weniger Werbung, der Sitzkomfort ist erhöht, die Gäste sitzen nicht Arm an Arm mit dem Nachbarn. Jedes Jahr stellt Familie Schlinker in einer weiteren Reihe sechs für den Deutschen Filmpreis nominierte Streifen vor. »Bis zum 22. Mai zeigen wir insgesamt fünf Spiel- und einen Dokumentarfilm.« Drehbuchautor Heinrich Hadding ist Schirmherr des Specials rund um den Deutschen Filmpreis. Über den Kinderclub, das Mitmachkino oder das Kinderferienprogramm erreicht das Cineplex Familien mit Kindern.

»Immer wieder kommt mal eine Filmreihe dazu oder läuft aus. Das ist normal. Wir erfinden auch nicht jedes Mal das Rad neu. Mit anderen Kinobetreibern tauschen wir Ideen aus und passen sie auf unsere Stadt und unser Publikum an«, erklärt Ute Schlinker. So seien auch die Opern-Live-Konzert-Übertragungen ein Erfolg.

Neubau in Brilon für sechs Millionen Euro geplant

Bei der Gestaltung der Filmreihen würden wirtschaftliche und filmkulturelle Faktoren eine Rolle spielen. »Wir machen nicht nur Kino, um die Bude vollzubekommen«, betont Ute Schlinker. »Wir wollen auch Kultur bieten.« Und so gehören auch Filme für eine kleinere Zielgruppe zum Programm – etwa in Kooperation mit der Transition-Initiative-Warburg, die sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzt. »Mainstream und Kultur – das ist unser Erfolgskonzept«, sagt Ute Schlinker.

Das will Familie Schlinker fortsetzen – auch im sauerländischen Brilon. Dort ist ein Kino-Neubau mit zunächst fünf Sälen geplant. »Ende Mai startet das Bauprojekt«, sagt Judith Schlinker. Sechs Millionen Euro werden in Brilon investiert. Im April 2020 soll der Neubau stehen und die ersten Filme laufen. »Wir haben den Standort analysiert und sind überzeugt, dass wir in Brilon erfolgreich sein werden. Die Bevölkerungsstruktur und die vorhandene Wirtschaftskraft sind optimal.«

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