Fr., 17.05.2019

Warburger Grundschüler lernen bei Projekttag den Umgang mit digitalen Medien Guter Smiley, böser Smiley

Daumen hoch, lachendes Gesicht, Zunge raus: Was Smileys in der modernen Kommunikation bedeuten, haben die Schüler bei Schulsozialarbeiterin Andrea Dietzel (hinten, zweite von links) und Lehrerin Kirsten Leweke (rechts) gelernt. Die Studentinnen Jamie Gockel (links) und Sophie Wolf haben geholfen.

Daumen hoch, lachendes Gesicht, Zunge raus: Was Smileys in der modernen Kommunikation bedeuten, haben die Schüler bei Schulsozialarbeiterin Andrea Dietzel (hinten, zweite von links) und Lehrerin Kirsten Leweke (rechts) gelernt. Die Studentinnen Jamie Gockel (links) und Sophie Wolf haben geholfen. Foto: Timo Gemmeke

Von Timo Gemmeke

Warburg (WB). »Bei uns haben die meisten Kinder ab der dritten Klasse ein eigenes Handy«, sagt Birgitt Vonde, Leiterin der Graf-Dodiko-Grundschule. Viele ihrer Schüler könnten mit den Inhalten aber nicht richtig umgehen – das soll sich jetzt ändern.

Vor ein paar Wochen, genau kann sich Birgitt Vonde nicht erinnern, habe in einer der ersten Klassen im Unterricht ein Handy geklingelt. Weil es der Lehrerin nicht gehörte, musste es eines der Kinder sein. Ein Junge meldete sich, zog das Handy aus der Tasche und ging dran.

Am anderen Ende der Leitung war die Mutter, per Videoanruf ins Klassenzimmer zugestellt. Das Kind reagierte, als sei es ganz normal, von seiner Mutter per Videocall angerufen zu werden, jedoch mit einer Einschränkung: »Mama, du kannst mich anrufen, aber doch nicht hier im Unterricht!«

Schulleitung ist geschockt

Dieses Szenario habe Schulleitung und Lehrerkollegium gleichermaßen geschockt, sagt Vonde. Und es sei sinnbildlich für den heutigen Umgang mit Digitalen Medien – auf Seiten der Kinder und der Eltern.

»Wir haben uns entschieden, zu dem Thema einen Elternabend anzubieten. Es sind viel mehr Eltern als erwartet gekommen, und mindestens so viele ratlose Gesichter waren am Ende zu sehen.« Also habe sich die Schule, auf Anraten des Fördervereins, für einen Projekt-Tag rund um das Thema Internet und Digitale Medien entschieden.

Kunst aus Handyschrott

Dafür sind am Donnerstag Mitglieder des Vereins »Sicheres Netz hilft« nach Warburg gekommen. In 14 Kursen, aus denen die Kinder auswählen konnten, wurden Themen wie Sicherheit im Internet, Mobbing und Privatsphäre kreativ angegangen.

In Kursen wie »QR-Code-Rallye« oder »Upcycling: Kunst aus Handyschrott« stand mehr der technische Aspekt im Mittelpunkt. »Wir wollen den Fokus nicht nur aufs Internet und die Schattenseiten legen«, erklärt Vonde. »Natürlich kann die moderne Technik auch Spaß machen und enorm hilfreich sein.«

Kriminologe hilft Kindern

Beide Aspekte – Spaß und Unterstützung – vereinte beispielsweise der Kurs von Internet- und Mediencoach Mario Stiller. Zum Thema »Augmented Reality« konnten die Schüler dort die Animation eines Skeletts per Handykamera auf einen Körper projizieren. Zu sehen waren auch Informationen zu den einzelnen Knochen, direkt verfügbar auf einen Klick.

Was auf diesen einen Klick auch geschehen kann – in diesem Fall jedoch negativ – zeigte Markus Wortmann, Kriminologe und Fachberater für Internetprävention. In kleinen, interaktiven Rollenspielen wurde den Schülern der sichere Umgang mit der eigenen Komfortzone und Privatsphäre nähergebracht.

»Nein« sagen - auch im Internet

»Ein ›Nein‹ im realen Leben muss auch ein ›Nein‹ im Internet sein«, sagt Wortmann. Fingierte Accounts, mit denen Unbekannte in böser Absicht Kinder anschreiben, seien heute sehr gut getarnt. Kinder sollten auch im Netz niemandem trauen, den sie nicht persönlich kennen, rät Wortmann. »Genau so stehen dabei aber auch die Eltern in der Verantwortung zu schauen: Was macht mein Kind da am Handy? Mit wem hat es Kontakt?«

Gleiches rät auch Peter Rech, Vorsitzender des Vereins. »Kinder im Grundschulalter haben heute schon mit Inhalten im Internet zu tun, mit denen sie nicht umgehen können. Wir wollen helfen und vorbeugen – dabei sind wir aber auf die Hilfe der Eltern angewiesen.«

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