Fr., 17.05.2019

Einrichtungen in Eissen und Menne erarbeiten gemeinsames Schutzkonzept »Wir wollen Kinder stark machen«

Von Verena Schäfers-Michels

Warburg/Willebadessen (WB). Um Kinder besser vor Missbrauch und Gewalt zu schützen, haben der Kindergarten Hüssenbergnest Eissen und die Kinderlobby Menne ein gemeinsames Konzept erarbeitet. Einbezogen wurden dabei nicht nur Eltern und Erzieher – sondern auch die Kinder selbst.

Bei der Kinderlobby und dem Hüssenbergnest handelt es sich um eingruppige Kindergärten mit Kindern im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Die Elterninitiativen der Kindergärten stehen unter dem Dachverband der Caritas und arbeiten nach dem situationsorientierten Ansatz und mit den Schwerpunkten gesunde Ernährung und Bewegung.

»Die katholische Kirche, worunter auch die Caritas fällt, hatte alle Einrichtungen gebeten, bis Dezember 2018 ein Schutzkonzept einzureichen«, erklärt Elisabeth Wilmes, Leiterin der Kinderlobby. Diese Aufgabe habe die Erzieherteams zuerst verunsichert und Fragen aufgeworfen: Wie sollen wir das machen – und schaffen?

Eltern füllten Fragebögen aus

Nach einer Einführung in das Thema im Januar vergangenen Jahres, haben die Erzieherinnen, Eltern und Kindern festgelegt, was ihnen bei dem Thema wichtig und wertvoll ist. Inzwischen fühlten sich die beiden Erzieherteams gestärkt durch die Auseinandersetzung mit den Themen und fühlten sich auch sicher, wie sie in Konfliktsituationen vorgehen können, so Wilmes.

Elisabeth Wilmes (Kinderlobby Menne) und Birgit Henze (Hüssenbernest Eissen) mit ihren Teams, Eltern und Kindern an dem Schutzkonzept gearbeitet. Foto: Verena Schäfers-Michels

Zur Erarbeitung erhielten die Eltern Fragebögen, in denen sie beispielsweise folgendes gefragt wurden: Was ist an Bekleidung in Ordnung, wenn die Kinder im Sommer im Wasser spielen? Dabei lautete in der Regel die Antwort: Mein Kind sollte Badekleidung oder Unterwäsche tragen. Auch bei der Frage, wie nah Kind und Erzieher einander sein dürfen, deckten sich die Meinungen von Eltern und Pädagogen.

Schlagworte im Schutzkonzept sind Verhaltenskodex, Aus- und Fortbildung, Maßnahmen zu Stärkung von Kindern, Prävention und Intervention sowie Risiko- und Schutzfaktoren. »Wir geben den Kindern beispielsweise keine Kosenamen oder küssen sie«, sagt Elisabeth Wilmes. »Das bleibt der Familie vorbehalten.«

»Es ist wichtig, dass die Vorstellungen der Eltern und unsere zusammenpassen, sonst wäre es schwierig«, so Birgit Henze, Leiterin des Hüssenbergnests. Aber auch die Wünsche der Kinder sind in die Ausarbeitungen eingeflossen.

Interviews mit den Jungen und Mädchen

Während in Eissen Interviews mit den Jungen und Mädchen geführt wurden, kamen sie in Menne bei der Kinderkonferenz zu Wort. »Ein Junge erklärte, dass er es nicht leiden kann, wenn ihm über den Kopf gestreichelt wird«, erzählt Wilmes. Zudem wurde häufig gebeten, die Intimsphäre beim Toilettengang zu wahren. Infolgedessen wurden Schilder an den Türen angebracht mit dem Hinweis: »Bitte anklopfen!«

Für die Kinder, die ihre Anliegen noch nicht versprachlichen können, wurde ein Wickelleitfaden entworfen, der festlegt, dass jedes Kind sich aussuchen kann, welcher Erzieher es wickelt. Dabei werden die Türen nur angelehnt, um Transparenz zu erhalten, ohne Sichtkontakt zu bieten.

Kurzzeitpraktikanten dürfen nicht wickeln; Langzeitpraktikanten erst nach der Eingewöhnungszeit. Das Schutzkonzept legt ebenso fest, dass auch die Erzieher und Praktikanten deutlich machen können, wenn ihre Distanzschwelle überschritten wurde.

Referentin Ulrike Dürdoth begleitete beide Kindergärten

Über die gesamte Entwicklungsphase hinweg hat Referentin Ulrike Dürdoth die beiden Kindergärten begleitet. In beiden Einrichtungen ließ sich eine Erzieherin zur Präventionsfachkraft ausbilden. Dafür besuchten Birgit Henze und Serpil Uzunoglu mehrfach im Jahr Schulungen.

Mit dem Schutzkonzept gehören die Bewegungskindergärten »Hüssenbergnest« und »Kinderlobby Menne« zu den ersten Kindergärten, die die Elternschaft dabei mit einbezogen haben. Seit März 2019 wird das Schutzkonzept aktiv genutzt. Besucher des Kindergartens, wie Polizei, Zahngesundheit und Feuerwehr, die sich an Aktivitäten in der Einrichtung beteiligen, müssen der Konzeption schriftlich zustimmen und ihren Kollegen alle Informationen weitergeben.

Ermutigung und Hilfestellung

Allen Besuchern der Einrichtung steht das Schutzkonzept zur Verfügung und liegt im Eingangsbereich aus. Darin befinden sich auch Kontaktadressen wie die der anonymen Spurensicherung oder der »Nummer gegen Kummer«.

Das Schutzkonzept solle keine Angst machen, sondern als Ermutigung und Hilfestellung dienen, so Birgit Henze. »Wir wollen Kinder stark machen, sich selbst zu schützen«, so Birgit Henze.

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