Sa., 06.07.2019

Demozug in Warburg gegen die AfD mit etwa 100 Teilnehmern – mit Video Buntes Fest ein Besuchermagnet

Das bunte Fest ist bunt eröffnet worden.

Das bunte Fest ist bunt eröffnet worden. Foto: Jürgen Vahle

Von Jürgen Vahle

Warburg (WB). Ein solches Wochenende hat es in Warburg noch nicht gegeben. Am Samstag und Sonntag gibt es 16 Stunden lang auf vier Bühnen in der Neustadt Kabarett, Musik und gute Laune. Das Fest mit dem Titel »Buntes Warburg « ist von der Bürgerinitiative Lebenswertes Bördeland und Diemeltal als Reaktion auf den AfD-Landesparteitag in der Warburger Stadthalle organisiert worden.

Besonders viele Besucher zog am Samstag das Abendprogramm auf der Hauptbühne auf dem Neustadtmarktplatz an. Dort traten unter anderem die Kabarettistin Gerburg Jahnke und Satitriker Max Uthoff auf – beide mit spitzen Pointen zum vorherrschenden Thema des Wochenendes. Klare Kante gegen Rechts zeigte auch die Warburger Kabarettistin Sarah Hakenberg mit einer Neufassung des Warburg Lieds, das neben Lokalkolorit auch knackige Seitenhiebe auf den Parteitag der NRW-AfD enthielt.

Bands aller Stilrichtungen stand den gesamten Tag über auf der Bühne. Kabarett vom Feinsten wurde ebenfalls geboten. Dazu viel Kleinkunst, Essen und Trinken an vielen Ständen.

Bürgermeister Michael Stickeln hat das »Bunte Fest« offiziell eröffnet. Er dankte allen Helfern, denen es gelungen sei, binnen drei Wochen ein solches Fest zu organisieren, das es so in Warburg wohl noch nicht gegeben hat . Er wies auf die laufende Ausstellung großformatiger Fotos von Menschen aus aller Welt hin, die parallel in der Innenstadt zu sehen ist. »Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde«, sagte Stickeln.

Der Warburger Bürgermeister ging in seiner Ansprache vor allem auf den rüden Umgangston in manchen sozialen Medien ein. Auch wenn man in Sachfragen anderer Meinung sei, dürfe man die ausufernden Beleidigungen im Netz nicht zulassen.

CDU-Bundestagsabgeordneter Christian Haase erinnerte an das Grundgesetz, das vor 70 Jahren beschlossen worden sei. Dies sei die Grundlage dafür, dass sich Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg so positiv entwickelt habe. Es sei eine Verpflichtung, den »Sumpf der Extremisten« trocken zu legen, sagte Haase mit Blick auf den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der am 2. Juni von einem Rechtsextremisten erschossen wurde.

Der Landtagsabgeordnete Matthias Goeken (CDU) lobte die Veranstalter des »Bunten Festes« und machte unmissverständlich deutlich: »Rechtes Gedankengut darf bei uns keinen Platz haben.« Er wies aber auch darauf hin, dass der Staat für Recht und Ordnung sorgen müsse, »auch in einem Freibad«, sagte Goeken – und spielte damit auf mehrere Vorfälle an, bei denen es zuletzt zu sexuellen oder gewalttätigen Übergriffen in Bädern und an Badeseen in Deutschland gekommen war.

Reinhard Schaake, Bürgermeister aus Wolfhagen, war ebenfalls als Gastredner geladen. Wolfhagen ist die Heimatstadt des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Er gratulierte den Warburgern zu ihrem »tollen Fest«. Er mahne, dass das, was in den 30er Jahren in Deutschland passiert ist, nie wieder geschehen dürfe. Der Geist, der auch Walter Lübcke zum Verhängnis geworden sei, dürfe nicht wieder einziehen.

Zeitgleich nehmen einige Hundert Meter weiter in der Stadthalle 450 Teilnehmer am Landesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) teil. Er läuft noch bis Sonntag. Der neue Landesvorstand soll gewählt werden. Eingeladen und begrüßt worden sind die Teilnehmer am Samstagmittag von Norbert Senges. Der Pädagoge und Musiker aus Warburg, der einer von zwei Höxteraner Kreisvorsitzenden ist, hatte den Parteitag nach Warburg geholt.

Vom Landesverband seien alle Kreisverbände angeschrieben worden, sich um geeignete Hallen zu bemühen, berichtet er. Also habe er bei der Warburger Stadtverwaltung nachgefragt. »Erst hieß es, sie ist frei, dann wieder nicht. Am Ende stand sie uns doch zur Verfügung«, berichtet Senges.

Klaus Meyer, wie Senges auch Kreisvorsitzender der Partei, machte deutlich, dass Warburg aufgrund der guten Erreichbarkeit, der Parkmöglichkeiten rund um die Stadthalle und letztlich auch durch die Höhe der Stadthallenmiete als geeigneter Ort angesehen worden sei. »Warum sollen wir immer bis an die holländische Grenze fahren. Es geht auch andersherum«, berichtete Meyer.

Heliane Ostwald aus Bielefeld, Vertreterin des AfD-Bezirks OWL, wies in ihrer Begrüßungsrede darauf hin, dass es auch in Warburg den Versuch gegeben habe, die Versammlung zu verhindern. »Natürlich, wir haben das Recht, in diese Stadthalle zu kommen. Warum denn auch nicht?«, fragte Heliane Ostwald.

Sie wie auch Norbert Senges begrüßten es ausdrücklich, dass es in der Innenstadt ein »Buntes Fest« gebe. »Toleranz ist genau das, was wir auch wollen«, sagt Ostwald. Doch diese Toleranz gebe es gegenüber der AfD derzeit nicht. Immer wieder würde verhindert, dass AfD-Mitglieder bestimmte wichtige Ämter übernehmen könnten.

Zuvor, am Samstag gegen 10.30 Uhr, hat sich der Demonstrationszug der Antifa auf den Weg durch die Stadt gemacht. Darin hatten Sicherheitsexperten im Vorfeld das größte Gefahrenpotenzial gesehen. Allerdings war die Sorge unbegründet. Es waren zunächst weit wenige als 100 Teilnehmer. Später wurde die Zahl mit 120 angegeben. Der Demozug, der von vielen Warburgern mindestens ebenso argwöhnisch betrachtet wurde wie der AfD-Parteitag, machte Halt am Zentralen Busbahnhof (ZOB). Die Themen dort waren so bunt wie die Teilnehmerschar: Seenotrettung und die Rolle Italiens in der Flüchtlingsfrage wurden zum Beispiel thematisiert. Gegen 11.30 Uhr löste sich der Demonstrationszug auf.

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Kommentare

In diesem Artikel wurden nur vier von den fünf Rednern am Samstag Nachmittag erwähnt. Der junge Grünen-Landesvorsitzende Felix Banaszak wurde leider vergessen.

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