Warburger Kläranlage muss für 700.000 Euro mit Kaminen nachgerüstet werden
Anlieger gewinnen vor Gericht

Warburg (WB). Die Solar-Klärschlammtrocknung, die bereits im vergangenen Jahr im Zentralklärwerk an der Kuhlemühle errichtet wurde, kann immer noch nicht in Betrieb gehen. Der Grund: Die Anlage muss für zusätzliche 700.000 Euro mit vier Abluftkaminen nachgerüstet werden.

Montag, 15.07.2019, 12:49 Uhr aktualisiert: 15.07.2019, 15:00 Uhr
In die Warburger Kläranlage muss investiert werden. Weil Anlieger vor Gericht gewonnen haben, wird bei der Solar-Trocknung für den Klärschlamm (Foto) nachgerüstet. Es sollen vier 15 Meter hohe Abluftkamine gebaut werden. Foto: Ralf Benner
In die Warburger Kläranlage muss investiert werden. Weil Anlieger vor Gericht gewonnen haben, wird bei der Solar-Trocknung für den Klärschlamm (Foto) nachgerüstet. Es sollen vier 15 Meter hohe Abluftkamine gebaut werden. Foto: Ralf Benner

»Die Maßnahme konnte aber noch nicht umgesetzt werden, weil uns der geänderte, neue Genehmigungsbescheid der Bezirksregierung Detmold noch nicht vorliegt«, sagt Klaus Braun, Erster Beigeordneter und Vorstand des Kommunalunternehmens der Stadt Warburg (KUW). Hintergrund ist eine juristische Auseinandersetzung zwischen Anliegern der Kläranlage und der Bezirksregierung Detmold.

Gegen Genehmigung geklagt

Die Anrainer haben erfolgreich gegen die durch die Bezirksregierung erteilte erste Betriebsgenehmigung geklagt. Sie befürchten, dass Emissionen durch den Transport des Klärschlamms auf der Kläranlage und in die Trocknungsanlage zu Beeinträchtigungen führen. Als Ergebnis dieser Nachbarschaftsklage ist es nun notwendig, vier Doppelkamine mit einer Gesamthöhe von 15 Metern zu errichten. Steuerung und Prozessleittechnik der Anlage müssen zudem angepasst und umgerüstet werden. Damit soll erreicht werden, dass die Abluft zukünftig geringere Belastungen aufweist. Vorgeschriebene Grenzwerte sollen so weit unterschritten werden. »Sobald uns die Betriebsgenehmigung vorliegt, legen wir umgehend los mit der Umsetzung der neuen Vorgaben, um die Trocknung zügig in Gang setzen zu können«, erklärt Klaus Braun.

Klärschlamm wird schon heute verbrannt

Als einzige Stadt im Kreis lässt Warburg bereits jetzt angesichts einer verhältnismäßig großen Menge an Klärschlamm diesen in Bielefeld und Hameln verbrennen – auf den Feldern wird er in der Hansestadt nämlich bereits jetzt nicht mehr als Dünger ausgebracht. Dafür war eigens die Solar-Klärschlammtrocknung errichtet worden. »Dies geschah in erster Linie aus einer Kooperation mit der Südzucker AG heraus. Doch auch nach der Entscheidung des Unternehmens, die Zuckerfabrik zu schließen, sehe ich den Bau als sinnvolle Investition an. Damit sind wir für die Zukunft bereits gut aufgestellt«, hatte Bürgermeister Michael Stickeln gegenüber dieser Zeitung betont.

Wasser der Zuckerfabrik fest eingeplant

Ursprünglich war vorgesehen, heißes Abwasser, das im Werk zum Auskochen der Zuckerrüben verwendet wird, innovativ in der Kläranlage einzusetzen. Denn das etwa 60 Grad heiße Wasser fördert zum einen den Gärprozess innerhalb des Klärschlamms, zum anderen wird es über Wärmetauscher in warme Luft umgewandelt. Diese Warmluft sollte dann der gerade erst neu errichteten Trocknungsanlage zugeführt werden, in der der Schlamm getrocknet wird, bevor er schließlich in einer Müllverbrennungsanlage landet. »Da die Trocknung überwiegend mittels Sonnenenergie erfolgt, ist ein Betrieb der Anlage weiterhin sinnvoll«, stellt Klaus Braun fest.

Wie berichtet, waren nach Bekanntwerden der Schließungspläne für die Zuckerfabrik alle laufenden Umbaumaßnahmen im Zentralklärwerk erst einmal auf Eis gelegt worden. Die Stadt Warburg erwägt weiterhin Regressforderungen gegen die Südzucker AG. Summen nennt sie nicht. »Wir sind derzeit dabei, genau auszurechnen, wie hoch die Summe sein wird, die wir zurückfordern können, sollte es zu Rückzahlungen von Fördermitteln kommen«, erklärt KUW-Vorstand Klaus Braun das weitere Vorgehen. Mit Land und Bezirksregierung sei man darüber im Gespräch.

Kooperationsvertrag wurde 2016 verlängert

Hintergrund ist der bereits seit dem Jahr 1984 bestehende und erst im September 2016 erweitert geschlossene Kooperationsvertrag zur Abwasserbehandlung zwischen Südzucker AG und KUW. Dieser umfasst ein Investitionsvolumen von 16,2 Millionen Euro, mit dem die Zentralkläranlage umfassend modernisiert wird. Das Land fördert das Vorhaben mit 9,8 Millionen Euro. Eingesetzt wurden von den Mitteln bereits 7,7 Millionen Euro, davon 4,3 Millionen Euro an Fördermitteln.

Mit dem Aus für die Zuckerfabrik ist auch das Verbund-Abwasserbeseitigungskonzept für das kommunale Abwasser und das Industrieabwasser des Unternehmen endgültig vom Tisch. In der Kläranlage werde zukünftig nur noch das kommunale Abwasser behandelt, so Braun. Die noch anstehenden Investitionen in die Zentralkläranlage müssten daher jetzt zurückgefahren werden: »Die Dimensionierung der Anlagen ändert sich natürlich«, erklärt der KUW-Vorstand.

Jetzt muss umgeplant werden

Das Abwasserbehandlungskonzept sah vor, dass das Industrieabwasser der Zuckerfabrik in der Kläranlage auf vielfältige Weise hilfreich zum Einsatz kommt. Demnach sollte das organisch reichhaltige Abwasser, das zur Reinigung und zum Transport der Rüben benutzt wird, Faultürmen zugeführt werden, wo es Gase bildet, mit denen Strom in Blockheizkraftwerken erzeugt wird. Geplant war daher im Rahmen des Konzepts auch der Neubau einer Faulungsanlage. »Durch den Wegfall der Abwasserströme der Fabrik ist diese nun nicht mehr erforderlich«, berichtet Klaus Braun.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6778612?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
Komiker Karl Dall im Alter von 79 Jahren gestorben
Karl Dall ist tot.
Nachrichten-Ticker