Sa., 20.07.2019

Sanierung des Fachwerkbaus von 1578 dauert nun schon acht Jahre Glockengießerhaus ist eine Wundertüte

Alexandra Stinglhammer (27) aus Willebadessen hat der Schmuckfassade des Glockengießerhauses wieder zu altem Glanz verholfen.

Alexandra Stinglhammer (27) aus Willebadessen hat der Schmuckfassade des Glockengießerhauses wieder zu altem Glanz verholfen. Foto: Jürgen Vahle

Von Jürgen Vahle

Warburg (WB). Das Glockengießerhaus in der Altstadt gehört zu den bekanntesten Gebäuden Warburgs. Das dreigeschossige Fachwerkhaus aus dem Jahr 1578 wird derzeit vom Dösseler Björn Ernst saniert. Jetzt sind die Außenmalereien an der Schmuckseite fertig gestellt worden – und die Fassade somit fertig.

90 Arbeitsstunden hat die Restauratorin Alexandra Stinglhammer (27) aus Willebadessen, Mediengestalterin und Malerin, benötigt, um die verblassten Ornamente wieder in ihren Ursprungszustand zu versetzen.

Ferienwohnungen mit Altstadt-Flair

Das Ergebnis: Die Verschnörkelungen leuchten zur Straße Schwerte hin und sorgen immer wieder dafür, dass Besucher Halt machen und einen Blick darauf werfen. Die Arbeiten wurden von vielen Touristen und Einheimischen während der fast dreiwöchigen Arbeitszeit fotografiert.

Seit acht Jahren wird das Haus restauriert. Foto: Jürgen Vahle

Das Ende der Sanierung im Haus wird sich aber noch eine Weile hinziehen, wie Björn Ernst (39) berichtet. Vor ihm und seinen Handwerkern liegt noch viel Arbeit. Vor acht Jahren hatte Ernst das bekannte Warburger Gebäude aus Privatbesitz gekauft.

Er will dort in der ersten und zweiten Etage fünf Ferienwohnungen mit einem besonderen Altstadt-Flair einrichten. Sie sollen zwischen 40 und 90 Quadratmeter groß und je Wohnung zwischen zwei bis sechs Betten haben.

200.000 Euro in das Haus investiert

Weihnachten 2013 sollten die Feriendomizile eigentlich schon fertig sein. »Aber mir sind immer wieder andere Projekte dazwischengekommen«, berichtet er. Auch sei es nicht ganz einfach, ein solches Haus im Einklang mit dem Denkmalschutz wieder nutzbar zu machen:

»Bauvorschriften ändern sich, und leider machen wir auch beim Sanieren gelegentlich Fehler.« So wurden beispielsweise in einem Teil des Hauses unzureichende Stromkabel verlegt, die jetzt ersetzt werden müssen.

Aber der Dösseler gibt nicht auf – auch wenn er sicher schon mehr als 200.000 Euro in das Glockengießerhaus investiert hat, wie er berichtet. 5000 Arbeitsstunden haben allein seine Arbeiter schon in dem Haus und in dem dazugehörigen Terrassengarten, der bis hoch zur Alm reicht, verbracht.

Jüdisches Ritualbad entdeckt

Seine eigenen Stunden rechnet der Unternehmer gar nicht erst mit. »Aber irgendwann will ich mit den Vermietungen auch einmal Geld verdienen – auch wenn es sicherlich bessere Investitionen gibt«, berichtet er.

Vom Gebäude werde er immer wieder überrascht. Bei der Sanierung hatte der Familienvater beispielsweise 2014 im Keller ein mittelalterliches, jüdisches Ritualbad (Mikwe) entdeckt. Das rief dann die Stadtforscher auf den Plan. Auch eine Kanonenkugel und eine Kupfermünze aus dem Jahr 158o kamen schon zum Vorschein.

Wann die Arbeiten endgültig beendet sind, kann Björn Ernst noch nicht sagen. »Ich setze mir immer das Ziel Kälkenfest. 2019 wird aber knapp. Vielleicht im kommenden Jahr«, berichtet er.

Gesamtkosten: etwa 750.000 Euro

Die gesamten Kosten für den Umbau sind auf etwa 750.000 Euro taxiert. »Wohl aber nur, weil ich sehr viel selber mache«, berichtet er. »Sonst würde es noch deutlich teurer.« Ein solches Objekt sei aufgrund der vielen Besonderheiten kaum kalkulierbar.

Björn Ernst ist aber zuversichtlich, dass er auch dieses Bauprojekt – wie viele seiner anderen auch – zu einem guten Ende bringt und die Ferienwohnungen bei Warburg-Besuchern Anklang finden.

Es sollen Wohnungen »mit zahlreichen Alleinstellungsmerkmalen werden«. Er hofft, dass sie dann mindestens mit vier Sternen klassifiziert werden und Touristen, die dieses mittelalterliche Flair lieben, anlocken.

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