Di., 27.08.2019

VSE sucht von Warburg aus Pflegefamilien für verwahrloste Kinder »Der Bedarf ist riesig«

Marcus Grzesko, Angelika Vennes, Heinz Kuhlemann und Elisabeth Kohout (von links) vom VSE in Warburg suchen Pflegefamilien für Kinder, die Traumatisches erlebt haben. 14 Familien werden bereits von Warburg aus betreut.

Marcus Grzesko, Angelika Vennes, Heinz Kuhlemann und Elisabeth Kohout (von links) vom VSE in Warburg suchen Pflegefamilien für Kinder, die Traumatisches erlebt haben. 14 Familien werden bereits von Warburg aus betreut. Foto: Jürgen Vahle

Von Jürgen Vahle

Warburg (WB). 14 Familien aus der Region haben sich am Samstagmorgen in der Warburger Hauptstraße 38 getroffen. Es wurde gefrühstückt. Allen Familien ist eines gemein: Sie haben ein Kinder bei sich aufgenommen, das zuvor Traumatisches erlebt hat.

An der Hauptstraße befindet sich seit 2016 das Büro des Netzwerkes Pflegefamilien des Vereins VSE (Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen). Die Sozialarbeiter, Pädagogen und Therapeuten, die für den Verein arbeiten, setzten alles daran, genau solche Pflegefamilien zu finden. »Der Bedarf ist riesig«, sagt Sozialarbeiter Heinz Kuhlemann.

Von Warburg aus werden 14 Pflegefamilie betreut

Von Warburg aus werden derzeit 14 Pflegefamilien von drei Mitarbeitern betreut. Sie kommen aus dem Altkreis Warburg, aber auch aus dem Ruhrgebiet, dem Münsterland, den Kreisen Gütersloh und Paderborn. Doch der VSE bräuchte – wie auch andere soziale Organisationen – noch viel mehr Familien, die sich trauen, ein solches Kind für eine Weile bei sich aufzunehmen. Zu einer Adoption kommt es in der Regel nicht.

»Nur für 20 Prozent der Kinder, für die das Jugendamt eine Pflegefamilie sucht, finden wir auch eine«, sagt Kuhlemann: »Die Behörden sind oft echt verzweifelt, weil sie nichts machen können.«

Diese Mädchen und Jungen haben Schlimmes erlebt. Der Sozialarbeiter und Familientherapeut berichtet von Kindern, die Gewalt und Vernachlässigung hautnah zu spüren bekommen haben. Es sind Kinder, die hungern mussten, geschlagen und sexuell missbraucht wurden oder unter unbeschreiblichen hygienischen Zuständen gelebt haben.

»Und diese Kinder werden immer jünger«, ergänzt Angelika Vennes, die ebenfalls zum Warburger Team gehört.

Familien auf Aufgabe vorbereiten

Familien, die solchen Kindern für eine gewisse Zeit ein neues und sicheres Zuhause geben, haben sich einiges vorgenommen. Aber sie werden vom VSE auch gut vorbereitet.

Neun Monate lang werden zukünftige Pflegefamilien geschult. Ein Ausstieg ist jederzeit möglich. Oft sind es Familien, bei denen der eigene Kinderwunsch unerfüllt geblieben ist oder deren eigene Kinder schon aus dem Haus sind. »Dann wird es manchen Eltern zu einsam in den eigenen vier Wänden«, weiß Angelika Vennes.

Pflegefamilien können ganz unterschiedlich sein. Auch Alleinerziehende oder gleichgeschlechtliche Paare können eine Elternschaft auf Zeit übernehmen.

Auch wenn das Kind in der neuen Familie lebt, ist die Betreuung durch die Experten des VSE eng. Sehr eng sogar, denn auch bei bester Vorbereitung kann ein Pflegekind die Pflegeeltern an den Rand der Belastbarkeit führen. Durch das neue Kind könne sich zudem die Familiendynamik und das Verhältnis zu eigenen Kindern ändern. Aber Pflegekinder geben auch viel, sind dankbar und eröffnen manchen Familien eine ganz neue Perspektive.

Wer sich vorstellen kann, ein solches Kind bei sich aufzunehmen, kann sich unverbindlich informieren. Bei VSE in Warburg ist Elisabeth Kohout Ansprechpartnerin. Sie ist per Telefon unter 05641/7472980 oder E-Mail e.kohout@vse-nrw.de erreichbar.

Büro des Netzwerkes Pflegefamilien zieht um

Derzeit befindet sich das Büro noch an der Warburger Hauptstraße 38. Ein Umzug ist für Oktober geplant. Dann sollen Räume an der Hauptstraße 10 genutzt werden.

Jugendamt gibt Auskunft

Neben dem VSE vermitteln auch noch weitere Organisationen Pflegekinder im Auftrag des Jugendamtes in Familien. In Warburg trifft das vor allem auf das Jugenddorf Petrus Damian und den Sozialdienst katholischer Frauen zu. Alle unterliegen den selben Qualitätsstandards, so dass gewährleistet sein soll, dass Pflegefamilien auch wirklich auf die neuen Kinder vorbereitet sind. Das Kreisjugendamt gibt weitere Auskünfte.

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