Do., 12.09.2019

Bis Silvester werden noch einmal 450.000 Tonnen Rüben in Warburg verarbeitet Die letzte Kampagne

Betriebsleiter Peter Tewes blickt zum Start der letzten Kampagne auf die ersten Rüben. Im Februar ist für die meisten Mitarbeiter Schluss. Tewes selbst wird in anderen Teilen des Unternehmens eingesetzt und wickelt auch in Teilen das Warburger Werk ab.

Betriebsleiter Peter Tewes blickt zum Start der letzten Kampagne auf die ersten Rüben. Im Februar ist für die meisten Mitarbeiter Schluss. Tewes selbst wird in anderen Teilen des Unternehmens eingesetzt und wickelt auch in Teilen das Warburger Werk ab. Foto: Jürgen Vahle

Von Jürgen Vahle

Warburg (WB). Eigentlich ist alles wie immer – und doch ganz anders. Donnerstag um 12.30 Uhr rollte ein erster Lastwagen mit Bio-Zuckerrüben auf das Gelände der Warburger Zuckerfabrik, kippte seine Ware auf das Förderband und machte Platz für den nächsten Sattelschlepper. Die Kampagne hat begonnen. Allerdings: Es wird die letzte in Warburg sein.

Bis zum Jahreswechsel liefern noch einmal 800 landwirtschaftliche Betriebe vornehmlich aus der Warburger und Soester Börde 450.000 Tonnen Zuckerrüben zum Südzucker-Betrieb an der Bahnhofstraße. 96 Angestellte, davon 30 Saisonkräfte sowie zehn Leiharbeiter, die zehn Tage lang Unkraut aus den Bio-Rüben sammeln, arbeiten nun unter Volldampf. Sie kümmern sich darum, dass die Ware zu Zucker und Zuckerprodukten weiterverarbeitet wird. Auch über die Weihnachtsfeiertage müssen die Mitarbeiter im Schichtdienst ran.

Was mit dem Leerstand passiert, ist nich bekannt

Zwei Monate lang wird im Anschluss aufgeräumt, sauber gemacht, möglicherweise Technik für andere Werke ausgebaut. Ende Februar schließt dann die Produktion endgültig. Bis Ende September wird der Zuckerverkauf noch über den Standort Warburg abgewickelt. »Dann geht der letzte von Bord. Was mit dem Leerstand passiert, weiß keiner«, berichtet Betriebsleiter Peter Tewes (59).

Auch Tewes spürt natürlich die angespannte Situation in der Mitarbeiterschaft zu Beginn der letzten Kampagne, sieht aber auch einen großen Zusammenhalt in der Truppe. Von der Stammbelegschaft hätten nach Bekanntwerden der Werkschließung im Frühjahr nur vier Kollegen gekündigt.

Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt beliebt

Zwölf gingen am Ende in den Ruhestand, einige wenige würden Jobs in anderen Werken der Südzucker AG annehmen, berichtet Tewes. Der Betriebsleiter ist sich sicher: »Viele Kollegen halten uns dank der langen Verbundenheit und zuvor mit den Belegschaftsvertretern ausgehandelter Prämien bis zum Ende die Treue.« Tewes ist sich aber auch sicher, dass viele Kollegen bereits einen neuen Job in der Tasche oder in Aussicht hätten, den sie aber erst im Frühjahr antreten werden.

»Unsere Mitarbeiter sind gut ausgebildet, sind Schlosser oder Elektriker und Schichtarbeit gewöhnt.« Am schwarzen Brett im Werk hingen Stellenangebote anderer Firmen. Es habe auch direkten Kontakt zu Unternehmen aus der Region gegeben, die dringend Fachpersonal suchten.

»Pappelfest« zum Auftakt

Um diejenigen, die noch nichts Neues gefunden oder in Aussicht haben, kümmert sich eine Transferagentur, die die Leute durch Lehrgänge fit für andere Jobs machen soll und in die die Südzucker AG einen »nennenswerten Geldbetrag« gesteckt habe, wie Tewes berichtet. Der Betriebsleiter geht davon aus, dass die letzte Kampagne in Warburg ohne Probleme laufen und die Kollegen bis zum Schluss zur Stange halten. »Der Zusammenhalt ist gut. Aber ich kann in die Köpfe auch nicht reingucken.« Wie gewohnt habe es jedenfalls vor Beginn der Kampagne ein lustiges »Pappelfest« unter den Mitarbeitern gegeben, auch eine Weihnachts- oder Abschiedsfeier sei denkbar.

Den Mitarbeitern vor Ort war zu dem mit Spannung erwarteten Start die besondere Situation nicht anzumerken. Die Stimmung war gut, es wurden Scherze gemacht, die Qualität der Rüben war ein Thema. Und die Arbeit dürfte an der Bahnhofstraße auch nicht ausgehen – jedenfalls nicht bis Ende des Jahres.

Daten und Fakten

Bei der Qualität der Zuckerrüben dieses Jahres zeigt sich ein ähnliches Bild wie nach dem Supersommer 2018: Die Erträge liegen etwas unter dem fünfjährigen Schnitt, allerdings zeichnen sich die Rüben durch einen überdurchschnittlich hohen Zuckergehalt aus. Er liege 2019 knapp unter dem des Vorjahres, berichtet Peter Tewes, Betriebsleiter der Warburger Zuckerfabrik. 4500 Tonnen Rüben liefern die Betriebe täglich an. Die Ware kommt in der Regel aus einem Umkreis von 45 Kilometern. Zehn Tage lang werden nur Bio-Rüben verarbeitet, dann bis Ende der Kampagne konventionell angebaute Rüben.

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