Sa., 14.09.2019

Lehrermangel wird an Grundschulen bundesweit dramatisch – aber nicht im Kreis Höxter 350 Frauen und nur 30 Männer

Simone Lakemeyer unterrichtet die Klasse 2b an der Höxteraner Grundschule im Petrifeld. Sie ist gerne Lehrerin und eine von 350 weiblichen Lehrkräften im Kreis Höxter. Grundschullehrer gibt es jedoch nur rund 30.

Simone Lakemeyer unterrichtet die Klasse 2b an der Höxteraner Grundschule im Petrifeld. Sie ist gerne Lehrerin und eine von 350 weiblichen Lehrkräften im Kreis Höxter. Grundschullehrer gibt es jedoch nur rund 30. Foto: Greta Wiedemeier

Von Greta Wiedemeier

Höxter (WB). Wie gravierend ist der Lehrermangel tatsächlich? Eine neue Studie kommt zu dem Schluss: Bis zum Jahr 2025 fehlen noch viel mehr Grundschullehrer, als bislang angenommen wurde. Das gilt aber nicht für den Kreis Höxter: Hier ist die Welt noch in Ordnung. Das ergab eine WESTFALEN-BLATT-Nachfrage.

Ein Lehrer an einer Grundschule muss weitaus mehr leisten, als »nur« rechnen, lesen und schreiben lehren: In den meisten Fällen ist er über vier Jahre eine wichtige Bezugs- und Vertrauensperson für die Kinder und durchlebt viele Hoch- und Tiefpunkte mit ihnen. »Ich bin froh, die Kinder an den Grundschulen hier im Kreis sowohl emotional als auch fachlich gut aufgehoben zu wissen«, sagt der zuständige Schulamtsdirektor Hubert Gockeln. Der Kreis Höxter könne Eltern und Kindern zur Zeit eine sehr gute Lehrerversorgung bieten.

Schulamtsdirektor Hubert Gockeln.

Für die rund 320 Stellen an den 19 Grundschulen im Kreis sind aktuell, bedingt durch Teilzeitstellen, Schwangerschaftsvertretungen und Ähnliches, 380 Lehrer beschäftigt. »Wir haben viele tolle, erfahrene und auch junge Lehrer an den Schulen«, betont Gockeln, dass auch von der Altersstruktur keine größeren Probleme absehbar sind. Die Position der Schulleitung ist ebenfalls überall besetzt – lediglich zwei Schulen befinden sich zur Zeit im Nachbesetzungsverfahren und werden kommissarisch geleitet. »Dort gibt es aber auch schon Interessenten«, verrät Gockeln über den aktuellen Stand der Ausschreibungen.

Studie der Bertelsmann-Stiftung

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung für Deutschland liefert hingegen erschreckende Zahlen: Bis zum Jahr 2025 sollen demnach bundesweit mindestens 26.300 Lehrer an den Grundschulen fehlen. Und auch in NRW liegt die Besetzung in einigen Regionen aktuell schon bei unter 90 Prozent. Immer mehr Quer- und Seiteneinsteiger werden eingesetzt – diesen fehlt jedoch häufig die pädagogische Erfahrung.

Simone Lakemeyer unterrichtet die Klasse 2b an der Höxteraner Petrischule. »Mit weniger Lehrern würde auch die individuelle Förderung der Kinder leiden und Doppelbesetzungen in einer Klasse fast unmöglich werden«, vermutet sie. Aktuell würden in ihrer Klasse etwa fünf Mal pro Woche Kinder zur Einzelförderung aus dem normalen Unterricht herausgenommen werden. »Das betrifft zum Beispiel diejenigen, die Deutsch als Zweitsprache lernen«, erklärt die 29-Jährige. Der Ausgleich von Leistungsdefiziten sei wichtig, auch um die Klasse auf einem ähnlichen Lernniveau halten zu können.

"

Die erste Klasse ist komplett anders als die vierte Klasse. Es ist schön, die Entwicklung der Kinder zu sehen.

Simone Lakemeyer

"

Während ihres Referendariats in Vinsebeck unterrichtete sie lediglich 16 Kinder – das ist in Städten jedoch kaum realisierbar. Nun sind es 28 - »da muss man schon einen gewissen Lärmpegel abkönnen«, lacht die junge Lehrkraft. »Aber es sind eben Kinder – keine Maschinen. Das muss man immer im Kopf behalten«, zeigt sie Verständnis. In ihrem Beruf müsse man neben dem fachlichen Wissen und dem Interesse an Kindern auch organisiert und strukturiert arbeiten, mit Stress umgehen und seine innere Ruhe bewahren können. Dafür wird man jedoch auch regelmäßig belohnt: »In der Grundschule sind die Kinder noch motiviert zu lernen. Nach den Ferien sagen sie oft sogar, dass sie die Schule vermisst haben«. Besonders genieße sie es, wenn ein Kind einen »Aha-Moment« hat und Freude am Lernen empfindet. Außerdem sei der Beruf sehr abwechslungsreich: »Die erste Klasse ist komplett anders als die vierte Klasse. Es ist schön, die Entwicklung der Kinder zu sehen«, sagt sie und ihre Freude am Umgang mit Kindern ist spürbar.

350 Frauen, 30 Männer

Doch warum bleibt der Kreis Höxter als eine der wenigen Regionen vom Lehrermangel verschont? »Die Nähe zu Paderborn als Universitätsstadt könnte ein wichtiger Faktor sein – hier an der Schule haben viele dort studiert«, weiß Lakemeyer, die ihr Studium ebenfalls im Nachbarkreis absolviert hat, zu berichten. Als eine der etwa 350 weiblichen und 30 männlichen Lehrkräfte an den Grundschulen im Kreis fühlt sie sich wohl in ihrem Job – ob der bundesweite Trend zum Lehrermangel an Grundschulen in den nächsten Jahren doch noch auf die Region übergreift, bleibt abzuwarten. Momentan ist die Situation, folgt man den Worten von Schulamtsdirektor Gockeln, jedoch für alle Seiten erfreulich.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6924780?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F