So., 13.10.2019

Grüne Kreuze gegen die Agrarpolitik stehen auch in OWL Stiller Aufschrei auf dem Land

Rund 10.000 grüne Kreuze stehen deutschlandweit an vielen Feldern. Es ist ein Protest gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. »Respektiere die Arbeit der Landwirte« steht auf dem Kreuz, das Landwirt Theodor Rose aus Borgentreich aufgestellt hat.

Rund 10.000 grüne Kreuze stehen deutschlandweit an vielen Feldern. Es ist ein Protest gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. »Respektiere die Arbeit der Landwirte« steht auf dem Kreuz, das Landwirt Theodor Rose aus Borgentreich aufgestellt hat.

Warburg/Melle (dpa/WB/ef). Auch in OWL stehen seit einigen Wochen grüne Kreuze auf vielen Feldern. Landwirte wollen damit auf ihre Nöte aufmerksam machen.

Eigentlich soll das Agrarpaket der Bundesministerinnen Svenja Schulze (SPD) und Julia Klöckner (CDU) die Landwirtschaft umweltfreundlicher machen. Es sieht Einschränkungen für den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat vor, mehr Geld für Umwelt- und Klimaschutz, ein freiwilliges Tierschutzlabel und ein Aktionsprogramm für den Insektenschutz.

Das klingt erst einmal gut. Doch wenige Tage nach der Vorstellung des Pakets im September stellte der Nebenerwerbslandwirt und Agrarblogger Willi Kremer-Schillings aus dem niederrheinischen Rommerskirchen – in seinem Blog bekannt als »Bauer Willi« – ein grünes Kreuz auf seinem Acker an einer Bundesstraße auf; als »stillen Protest« gegen das Agrarpaket.

Bundesweit wohl mehr als 10.000 grüne Kreuze

Inzwischen dürften bundesweit mehr als 10.000 grüne Kreuze stehen, schätzt Gabriele Mörixmann. Die Landwirtin aus Melle bei Osnabrück ist Mitinitiatorin der grünen Kreuze, zusammen mit sieben weiteren Bloggern. »Keiner hätte zu hoffen gewagt, dass die Resonanz so groß ist«, sagt die Bäuerin. Sie beteuert: »Die grünen Kreuze stehen für uns – es soll nicht so rüberkommen, Landwirte wären gegen Umweltschutz, gegen Tierschutz – in keinster Weise.«

Aber was ist dann das Problem? Mörixmann erklärt, warum sie trotz Bedenken doch der Aktion zugestimmt hat. Für ihren Aktivstall, in dem die Schweine viel mehr Bewegungsmöglichkeiten und Beschäftigungsmöglichkeiten haben als in einem normalen Stall, habe sie zwar von allen Seiten viel Lob bekommen. »Fakt ist aber auch, dass ich echt dafür kämpfen muss, überhaupt Kunden für das Fleisch zu finden, Leute, die bereit sind, 30 Prozent mehr Geld dafür auszugeben.« Die Leute sagten zwar, sie wollten Tierwohl, aber das aufwendiger produzierte Fleisch kaufe kaum jemand.

Agrarpaket bringt das Fass zum Überlaufen

Bürokratische Hürden kämen dazu. »Wenn ich als Landwirt in Richtung Tierwohl umbauen möchte, kriege ich in der Regel keine Genehmigung«, klagt Mörixmann. »Und für mich ist es völlig sinnbefreit, ein Agrarpaket auf den Weg zu bringen, wo auch Tierwohl ein großes Thema ist, wenn dieses Problem, das wir schon vor Jahren angesprochen haben, immer noch nicht behoben ist.« Das Agrarpaket habe nun bei vielen Landwirten ein Fass zum Überlaufen gebracht.

Dem Protest haben sich auch Landwirte aus Ostwestfalen-Lippe angeschlossen – un­ter anderem in Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke und im Kreis Höxter. Theodor Rose, Nebenerwerbslandwirt aus Borgen­treich (Kreis Höxter), fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Angesichts zunehmender bürokratischer Anforderungen der EU und seitens des Landes könnten nur noch die großen Betriebe überleben. »Wenn ich die ganze Zettelwirtschaft machen muss, fehlt mir die Zeit für den Ackerbau.« Vor vier Jahren habe er bereits die Schweinezucht aufgegeben. Auslöser seien die vielen negativen Berichte über die Tierzucht in Deutschland gewesen. »Das hat mich mürbe gemacht. Ich war es leid, immer mit am Pranger zu stehen.« Und daher habe auch er ein grünes Kreuz am Rand eines Feldes aufgestellt.

»Die Stimmung ist so schlecht wie lange nicht mehr«

Insgesamt sehen Landwirte in Deutschland ihre Lage dem Deutschen Bauernverband (DBV) zufolge zunehmend pessimistisch. »Die Stimmung in der Landwirtschaft ist so schlecht wie lange nicht mehr«, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied der »Passauer Neuen Presse«. Er bezog sich dabei auf das Konjunkturbarometer Agrar seines Verbandes.

Noch ungünstiger als die aktuelle Lage werde die künftige Entwicklung eingeschätzt. Rukwied sprach von einer »schwierigen wirtschaftliche Situation und einer hochgradigen Verunsicherung der Landwirte«. Ein Mangel an verlässlichen Rahmenbedingungen dämpfe die Investitionen. »Besonders die Investitionen in Tierwohl fördernde Ställe bleiben sehr verhalten«, sagte Rukwied.

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