Fr., 08.11.2019

Das Kennzeichen des Altkreises Warburg wird erstmals wieder ausgegeben Das WARten hat ein Ende

Waltraud Meyer montiert ein Schild an einen Bulli. Der Firmenwagen gehört zum Fuhrpark der Automobil-Werkstatt Gleibs und Meyer aus ­Calenberg. Die übrigen Autos werden auch mit WAR fahren, Ehemann Ludger kümmert sich gerade um die Ummeldung.

Waltraud Meyer montiert ein Schild an einen Bulli. Der Firmenwagen gehört zum Fuhrpark der Automobil-Werkstatt Gleibs und Meyer aus ­Calenberg. Die übrigen Autos werden auch mit WAR fahren, Ehemann Ludger kümmert sich gerade um die Ummeldung. Foto: Daniel Lüns

Von Daniel Lüns

Warburg (WB). Schon seit elf Uhr steht Ulrich Thöne in der Schlange. Der Warburger ist der allererste, der Freitag in der Zulassungsstelle im Behördenhaus der Hansestadt das WAR-Nummernschild bekommen möchte. Als Hans-Gerd Sander dazustößt, lässt Thöne ihn aber vor. So wird WAR-ZS-111 das erste neue alte Kennzeichen.

Sander war einer derjenigen, die für die Wiedereinführung des Kennzeichens gekämpft hatten. Der Mitbegründer der Initiative »WAR-Kennzeichen« strahlt über das ganze Gesicht, als er das Behördenzimmer mit den neuen Schildern verlässt. »Das Ziel ist erreicht«, sagt er. »Fünf Jahre lang haben wir dafür gekämpft.«

Ein halbes Jahrzehnt, drei Abstimmungen im Kreistag: Er habe nie gedacht, dass der Weg bis zur Wiedereinführung des Schildes so lange dauern würde. »Das Ziel wäre nun gewesen, das WAR-Kennzeichen bei der anstehenden Kommunalwahl zum Thema zu machen«, erklärt er. Innerlich habe er sich schon darauf eingestellt – bis der Kreistag dem Anliegen überraschend grünes Licht gab.

»Leute aus dem ganzen Altkreis sind hier«

»Aber ich hätte auch nie gedacht, dass das Ganze so groß wird. Leute aus dem ganzen Altkreis Warburg sind heute hier«, sagt er mit Blick auf die Wartenden in der Zulassungsstelle. »Die Politiker des Kreistages werden sich noch wundern, wie viele WAR-Kennzeichen bald unterwegs sein werden.« – Sagt’s und fährt davon: sein Firmenwagen, ein roter Nissan Navara, ist das erste Auto, das auf das WAR-Nummernschild neu zugelassen wird.

Ulrich Thöne gönnt es ihm. Das Vorlassen sei für ihn »überhaupt kein Problem«. Die Wartezeit überbrückt er damit, noch einmal sein Nummernschild HX-UT-22 zu betrachten. Das wird in wenigen Minuten nicht mehr gebraucht – und durch WAR-UT-22 ersetzt. »Ein schönes Gefühl, sich das wieder zu holen«, sagt der Warburger.

»Schon ab 11.30 Uhr in der Schlange«

Wenige Minuten später sitzt Jürgen Jacobi im Behördenzimmer. Gleich drei Kennzeichen hat er dabei: Zwei für sein Auto, eins für den Roller. Vanessa Halekoh kümmert sich um die Nummernschilder. Die drei Damen der Zulassungsstelle haben bei der Sonderöffnung an diesem Freitag gut zu tun: Der Flur ist proppenvoll.

Viele melden gleich mehrere Autos an oder um. So wie Ludger und Waltraud Meyer. Sie melden die Firmenflotte der Automobil-Werkstatt Gleibs und Meyer aus Calenberg um. »Mein Mann stand schon ab 11.30 Uhr in der Schlange«, erklärt Waltraud Meyer. Für ihr Golf-1-Cabriolet bringt er auch gleich ein WAR-Kennzeichen mit.

Zusätzlicher Öffnungstag wegen Ansturm

»Es war davon auszugehen, dass ein großer Ansturm kommt«, erklärt Thomas Fuest, Pressesprecher des Kreises Höxter, vor Ort. »Daher haben wir am Freitag zusätzlich geöffnet.« 13 Uhr ging es los. Um 18 Uhr soll Schluss sein.

Aber die fleißigen Damen betonen: Bis zu dieser Uhrzeit werden An- und Ummeldewünsche entgegengenommen. Geschlossen wird erst, als der letzte der 55 Kunden rausgeht. 86 Fahrzeuge wurden am Freitag auf WAR-Kennzeichen angemeldet.

Kommentare

Altkennzeichen

Ja, Gratulation für WAR. Erfreulich, dass nun auch der Kreis Höxter das alte KFZ-Kennzeichen WAR freigegeben hat. In so vielen Landkreisen Deutschlands ist es bereits Gang und Gäbe und es scheint recht beliebt zu sein.
Ganz Sachsen und Sachsen-Anhalt haben flächendeckend die Altkennzeichen bereits vor ca. 7 Jahren eingeführt.

Nun stellt sich die Frage, da es bereits über 315 wiedereingeführte alte Kennzeichen gibt: Wann ziehen die anderen Landkreise, die die Wiedereinführung der alten KFZ-Kennzeichen noch nicht ermöglichten, nach und lassen wieder die einstig, dennoch gültigen Kennungen zu?

In so manchem dieser Kreise ist ja eindeutig Interesse bei den dortigen Bürgern da, die ihr Städtekürzel sehr gern wiederhaben wollen, z.B. HW und WD oder auch in Baden Württemberg.

Na denn, nun gute Fahrt mit WAR.





Gute Entscheidung

Das ist ganz sicher ein Schritt nach vorn, auch wenn ich zugebe, dass es viele wichtigere Fragen gibt.
Die Theorie, man schaffe mit einem gemeinsamen Kennzeichen eine gemeinsame Identität, ist nicht vernünftig begründet. Das würde ja bedeuten, dass z. B. die Lemgoer (kein wiedereingeführtes Kennzeichen) sich deutlich mehr mit dem Kreis Lippe identifizieren als die Bürener (wiedereingeführtes Kennzeichen seit 5 Jahren) mit dem Kreis Paderborn. Mal abgesehen davon, dass man sich auch mit der eigenen Stadt und mit dem eigenen Kreis identifizieren kann.
Persönlich kenne ich niemanden, dessen Identifikation/ Nicht-Identifikation mit dem jeweiligen Kreis etwas damit zu tun hat, ob es in diesem ein gemeinsames Kennzeichen gibt. Ich denke, dafür kommt es eher darauf an, in welchem Maß man die anderen Teile eines Kreis und die Menschen dort kennt und darauf, wie man über die Politik des jeweiligen Kreis denkt.
Die wiedereingeführten Kennzeichen haben aber 2 Vorteile bzgl. der Verkehrssicherheit. Der eine Punkt ist das Thema Unfallflucht. Erkennt ein Zeuge nur einen Teil des Kennzeichens, kann bei einem kleinen Kennzeichen oft trotzdem festgestellt werden, welches Auto das war. Bei sehr häufigen Kennzeichen wie etwa K findet man dagegen oft 20 verschiedene Autos, die es gewesen sein könnten. Sinkt durch eine Wiedereinführung eines Kennzeichens also die Verbreitung eines großen Kennzeichens, hat die Polizei hier bessere Chancen, den Täter zu ermitteln.
Der 2. Vorteil: Wenn sich jemand mit seiner eigenen Stadt identifiziert, will er sie nicht negativ darstellen. Welcher Warburger, der sich mit Warburg identifiziert, würde gerne mit WAR-Kennzeichen am Auto durch krass verkehrswidriges Verhalten, offensichtlich alkoholisiertes Fahren etc. auffallen und damit den Ruf der eigenen Stadt verschlechtern? Mit dem jeweiligen Kreiskennzeichen sind die Leute gefühlt anonymer.

2 Kommentare

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