So., 10.11.2019

Warburger Meisterkonzerte: Juri Vallentin und Philipp Heiß treten auf Ein Abend, der Eindruck macht

Warburg (WB). Juri Vallentin (Oboe) und Philipp Heiß (Klavier) ließen am Freitagabend das Publikum erstaunen. In Zusammenarbeit mit der Bundesauswahl Konzerte junger Künstler (BAKJK) und im Rahmen der Warburger Meisterkonzerte waren die Musiker im Warburger Gymnasium Marianum aufgetreten.

Bemerkenswerte Programmauswahl

Da war zunächst eine bemerkenswerte Programmauswahl, für die sich die Interpreten eben nicht auf eine konventionelle Folge von unabhängigen Stücken entschieden, sondern vielmehr die Verknüpfung einzelner Werke zu einem großen Ganzen anstrebten. Und es waren durchgängig Werke von hohem Anspruch zu hören, die in Vallentin und Heiß meisterhafte Darsteller fanden, auch weil sie stets als Einheit agierten denn als Solisten.

Programmatische Bindeglieder und Ruhepole bildeten vier Auszüge aus Kantaten Johann Sebastian Bachs, von denen das Duo unmittelbar in die Hauptwerke wechselten: Drei Romanzen, op. 94 von Robert Schumann, der 2015 von András Hamary für das Duo komponierte »Canto de Ordeño« und schließlich »Suita« von Pavel Haas bildeten die umfangreichen Programmpunkte.

Interpreten meistern Herausforderungen

Während sich Schumanns innigliche Trilogie in vertrauten Klangwelten bewegte, setzten die letztgenannten Opera nicht allein die Interpreten vor extreme Herausforderungen – auch die Zuhörerschaft war besonders gefordert. Im Widmungswerk des Würzburger Kompositionsprofessors Hamary unterbricht ein schlichtes, venezolanisches Lied einen ausgedehnten, mechanisch-repetitiven Eröffnungsteil.

Mit dem »Melklied« fand dann auch die Musik zur inneren, kontemplativen Ruhe und setzte der unerbittlichen Maschinenmusik des Anfangs ein Spiel mit den natürlichen Obertönen entgegen. So zwingend die konzeptionelle Idee auch ist, in der kompositorischen Umsetzung zeigten sich eben doch deutliche Längen, darüber konnte das präzise und engagierte Spiel von Juri Vallentin und Philipp Heiß nicht hinwegtäuschen.

Musik mit tragischer Wendung

Eine Herausforderung anderer Art war die 1939 entstandene Suita von Pavel Haas: Der Einmarsch deutscher Truppen in Tschechien ist der geschichtliche Hintergrund für das Werk, und die weltpolitischen Umbrüche der Zeit und die elementaren Bedrohung für Leib und Leben des mährisch-jüdischen Komponisten sind in dem Stück erkennbar verarbeitet.

Die hervorragende Komposition schließt in zuversichtlicher, ja sogar euphorischer Stimmung, aus der Hoffnung auf bessere Zeiten spricht. Mit der tragischen Wendung freilich, dass es dem so vielversprechenden tschechischen Musiker nicht gelang, dem Nazi-Terror zu entkommen und gut fünf Jahre nach der Komposition der Suita im KZ Auschwitz ermordet wurde.

Sorgfältige Quellensuche, viel Herzblut

Vallentin und Heiß haben für die Erarbeitung dieses in jeder Hinsicht ergreifenden Stückes nicht nur sorgfältige Quellensuche betrieben, sie haben auch sehr viel Herzblut in die Darstellung dieses hochemotionalen Werks gelegt.

Mit den Auszügen aus Bach-Kantaten als Bindeglieder und Ruhepole wirkte die Programmfolge außergewöhnlich schlüssig, auch ohne die üblichen Applaus-Pausen zwischen den einzelnen Werken, der gleichwohl herzlich ausfiel. Ein künstlerisch hochwertiger Konzertabend, der tiefe Eindrücke hinterlassen hat.

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