„Regionale Bildungszentren“ Thema im Ausschuss
Ideen zum RBZ vorgestellt

Höxter (WB). „Wir haben 26 Ausbildungsberufe, 13 davon sind gefährdet“, sagt Michael Urhahne, Schulleiter des Berufskollegs Kreis Höxter. Dies stehe bevor, wenn nicht gehandelt werde und die Rahmenbedingungen nicht geändert werden würden. Im Kreisausschuss für Bildung, Sport, Kultur- und Kreisentwicklung sind die Mitglieder über die Pläne für einen „Schulversuch Regionale Bildungszentren (RBZ)“ informiert worden.

Samstag, 30.11.2019, 05:16 Uhr aktualisiert: 01.12.2019, 15:52 Uhr
Sollte der Antrag zum „Schulversuch Regionales Bildungszentrum“ von allen Gremien bewilligt werden, werden die drei Berufskolleg-Standorte im Kreis Höxter für fünf Jahre unter dem Dach stehen. Foto: Marius Thöne
Sollte der Antrag zum „Schulversuch Regionales Bildungszentrum“ von allen Gremien bewilligt werden, werden die drei Berufskolleg-Standorte im Kreis Höxter für fünf Jahre unter dem Dach stehen. Foto: Marius Thöne

In diesem Zusammenhang wies der Schulleiter auf die Situation im Kreis Höxter hin. Mit Hilfe des Schulversuchs sollen die Berufskollegs gestärkt werden, berichtete Abteilungsleiterin Gabriele Böker. Denn die Standorte haben mit rückläufigen Schülerzahlen zu kämpfen, sodass zum Beispiel Angebote teilweise nicht zustande kommen oder in Zukunft gefährdet sind, führte Urhahne aus. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, gemeinsam in einem Projekt Dinge auszuprobieren, um Standorte zu erhalten“, betonte Kreisdirektor Klaus Schumacher.

Die Überlegung, die Berufskolleg-Standorte Warburg, Brakel und Höxter zusammenzulegen, hatte es bereits früher gegeben. Damals sollten allerdings Strukturen aufgelöst werden, betonte Schumacher den Unterschied.

Pläne für Bildungsgänge

Böker führte aus, dass sich der Schulversuch beispielsweise positiv auf die Ausbildung von Fachinformatikern auswirken könnte. „Der Bedarf ist da, aber wir brauchen zur Zeit mindestens 22 Schüler“, ergänzte Urhahne. Im Schulversuch soll getestet werden, wie sich eine gemeinsame Fachklassenbildung von Fachinformatikern unterschiedlicher Fachausrichtungen auswirkt. Denn im Rahmen eines RBZ ist es möglich, von bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen abzuweichen.

Die Zusammenlegung von Fachklassen war nur eine Idee, die Böker in der Ausschuss-Sitzung vorstellte. Man wolle sich generell von der Regelung zu Mindestgrößen von Klassen distanzieren. Momentan sieht diese vor, dass mindestens 16 Schüler eine Klasse bilden. Mit dem RBZ wolle man sich von der Regelung trennen. Wie viele Schüler dann für eine Klassenbildung notwendig sind, wird laut Pressesprecherin Silja Polzin noch abgestimmt.

Auch das „Distance learning“ wird in den Blick genommen. Per Videoübertragung könnten zum Beispiel Schulstandorte miteinander vernetzt werden. Geplant ist laut Böker außerdem eine gemeinsame Beschulung im dritten Jahr und, dass Berufsfachschüler einen höheren Anteil an Praktika in den Ausbildungsberufen bekommen.

Neue Organisation

Synergieeffekte sollen sich mit der neuen Struktur als RBZ auch für den Personal- und Sachmitteleinsatz sowie für die Raumplanung ergeben. Hier soll es zukünftig Abstimmungen zwischen den Standorten geben. Darauf wird auch Wert gelegt, wenn es um die Weiterführung von Bildungsgängen geht. Themen wie diese sollen im Regionalen Bildungszentrums besprochen werden, so Böker. Für das RBZ soll eine pädagogische Leitung eingeführt werden. Außerdem gibt es die Idee, Geschäftsführungen im pädagogischen und administrativen Bereich einzurichten.

Weitere Vorhaben

Synergien könnten die Berufskollegs auch bei der Akquise von Fördermitteln und Spenden nutzen. Gabriele Böker stellte die Idee vor, in einem Beirat Kooperationspartner wie die Handwerkskammer oder die Wirtschaft einzubeziehen. Auch Kooperationen mit Dritten wie der Universität oder Fachhochschulen seien denkbar.

Damit das Projekt „Schulversuch“ an den Start gehen kann, sind noch einige Hürden zu überwinden. So müssen laut Böker beide Schulkonferenzen, die im Januar kommenden Jahres stattfinden, der Berufskollegs dem Vorhaben zustimmen, ebenso wie der Kreis- und Finanzausschuss. Der Antrag beim Ministerium für Schule und Bildung NRW muss bis zum 31. Januar vorliegen. „Wir wollen diesen Weg mit allen Kollegen gemeinsam gehen“, betonte Urhahne.

Kommentar von Marius Thöne

Der „Schulversuch Regionale Bildungszentren“ kann eine Chance für den Flächenkreis Höxter sein. Gerade die Unterschreitung der Mindestschülerzahl würde helfen, ein umfangreiches Angebot an Ausbildungsberufen im Kreis Höxter zu erhalten, auch wenn die Schülerzahlen insgesamt sinken. Dass die Fusion vom Tisch ist, ist gut. So kann jedes der Berufskollegs sein Profil behalten oder schärfen. Wichtig ist, dass jetzt auch die Lehrer der einzelnen Schulen mitgenommen werden. Denn nur mit allen Beteiligten kann das Modell funktionieren.

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