Übung von Einsatzkräften in Höxter geplant – Experte Frank Potthast setzt Drohnentechnik
Schnelle Hilfe – unter Wasser und über Land

Höxter/Warburg (WB). „Die Zukunft ist schon längst da“, sagt Frank Potthast. Der dreifache Familienvater aus Boffzen bei Höxter ist ein Retter aus Leidenschaft, der auf viele Jahre im aktiven Dienst von verschiedenen Freiwilligen Feuerwehren zurückblicken kann. Auch seine hauptamtliche Zeit bei der Johanniter-Unfall-Hilfe habe mit dazu beigetragen, dass er sein Fachwissen in Sachen Rettung weiter ausbauen konnte.

Freitag, 06.12.2019, 11:21 Uhr aktualisiert: 06.12.2019, 11:28 Uhr
Der 46-jährige Frank Potthast aus Boffzen ist nicht nur Drohnen-Experte und Buchautor. Inzwischen hat er auch zwei Patente eintragen lassen. Es geht zum Beispiel um eine neue „Flugrobotersensorik“ zur berührungslosen Erkennung (Detektion) von ­Minen. Foto: Harald Iding
Der 46-jährige Frank Potthast aus Boffzen ist nicht nur Drohnen-Experte und Buchautor. Inzwischen hat er auch zwei Patente eintragen lassen. Es geht zum Beispiel um eine neue „Flugrobotersensorik“ zur berührungslosen Erkennung (Detektion) von ­Minen. Foto: Harald Iding

Und das setzt der heute 46-Jährige seit rund acht Jahren in einer besonderen Forschung ehrenamtlich und als Hobby um: Es geht um den Einsatz von Drohnen (umbenannten Luftfahrtgeräten) bei der Gefahrenabwehr und des Katastrophenschutzes. Ganz konkret geht es dabei auch um eine schnelle Lebensrettung, wie es an diesem Wochenende bei einer großen Übung an den Godelheimer Seen gezeigt werden soll.

Die Hilfe kommt nicht nur aus der Luft. Längst haben Feuerwehren in Deutschland und der Welt die Drohnentechnik zum Beispiel bei der Suche nach Vermissten im Wasser und zugleich unter der Wasseroberfläche zu schätzen gelernt – mit Unterwasserdrohnen, international auch „ROV“ genannt (Remotely Operated Vehicle, zu dt. „Ferngesteuertes Fahrzeug“).

Es ist quasi ein mit neuester Mess-, Licht und Kameratechnik ausgestatteter „Tauchroboter“ (60 Zentimeter lang) mit Antriebswellen, der entweder mit einem langen Kabel oder auch kabellos ferngesteuert wird. So ein ROV könne bis zu vier Stunden lang tauchen, die maximale Tiefe liegt bei 40 Metern (bei einem längeren Kabel sogar bis zu 150 Meter). „Bevor bei einer Vermisstensuche im Wasser ein Taucherteam angerückt ist, könnte vor Ort bereits die erste Suche mit einem ROV erfolgen“, weiß Potthast zu berichten, der erst im Sommer dieses Jahres auf diese Weise dem Godelheimer See auf den „Grund“ gegangen ist.

Frank Potthast hat sich in der „Fachszene“ längst einen Namen gemacht, wird fast täglich von Einsatzkräften nicht nur aus ganz Deutschland kontaktiert. Auch in ­Österreich, Dänemark und den USA wollen die Retter auf sein Wissen nicht verzichten.

Mit Unterwasserdrohnen lassen sich solche detailreichen Aufnahmen (Godelheimer See von Höxter) erstellen.

Mit Unterwasserdrohnen lassen sich solche detailreichen Aufnahmen (Godelheimer See von Höxter) erstellen. Foto: Frank Potthast

In der kommenden Woche hält Potthast beispielsweise per Internet (Skype) vor Mitarbeitern der dänischen Regierungsbehörde ­„DEMA“ (Emergency Management Agency) einen Vortrag. Die Behörde ist direkt dem Verteidigungsministerium unterstellt.

Denn seit langem haben die europäischen Nachbarn die Chancen und Vorteile beim Einsatz neuer Drohnentechnik auf unterschiedlichen Ebenen erkannt. „Die Dänen stellen sich bereits intensiv der Herausforderung – mit Personaleinsatz und den notwendigen Investitionen. Die machen sich aber schnell bezahlt!“

Seit Jahren gibt Potthast als Referent und ausgewiesener Experte unter anderem auf der Fachmesse „Florian“ in Dresden (Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz) sein Wissen an Kollegen weiter. „Vor Jahren steckte das Thema und die Entwicklung von Drohnen für Wehren in den Kinderschuhen. Aus meinem Hobby dafür ist längst eine große Leidenschaft geworden, die mich jeden Tag fesselt und auch immer mehr Menschen begeistert“, freut sich Potthast im exklusiven Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

So sieht eine Unterwasserdrohne aus.

So sieht eine Unterwasserdrohne aus. Foto: Frank Potthast

Erst kürzlich wurde der Student (Informationselektronik) und Beamtenanwärter bei der Bundeswehr offiziell zum deutschen Repräsentanten der „IEDO“ (International Emergency Drone Organisation) ernannt. Die „IEDO“ ist eine Vereinigung von mehr als 300 ehrenamtlichen Mitgliedern von Polizei, Feuerwehr, Hilfs- und Rettungsorganisationen – in 34 Ländern und auf fünf Kontinenten vertreten.

Von seinem Wohnort Boffzen nahe Höxter aus ist er bestens vernetzt – in die ganze Welt. Denn kaum ein Rettungsteam, das auf Dauer seine Einsatzfähigkeit steigern will, wird nach seiner Einschätzung um diese neue Technik einen großen Bogen machen können. Auch im Kreis Höxter gäbe es noch kein spezielles und nur dafür abgestelltes sowie einsatzfähiges Drohnen-Team bei den Wehren – aber das könnte sich schon bald ändern. Es gibt erste Gespräche.

Szenario am Godelheimer See

Es spricht vieles für einen Drohneneinsatz (ob über Land oder unter Wasser) und einige der Vorteile will Frank Potthast am kommenden Wochenende gemeinsam mit Einsatzkräften bei einer fiktiven Personensuche eindrucksvoll demonstrieren. „Auch Höxters Landrat Friedhelm Spieker und Bürgermeister Alexander Fischer habe ich zu diesem Termin eingeladen“, sagte Potthast.

Folgendes Szenario ist geplant: Nach einem Bootsunfall auf dem Godelheimer See werden zwei Personen vermisst. Die Suche beginnt zunächst im Wasser mit einem ROV und einem Taucher. Währenddessen beginnt in einem zweiten Bereich an Land die Suche nach der zweiten Person mittels Wärmebildkamera-System, das an einer Drohne montiert ist. Nachdem die Feuerwehr Warburg eine hochwertige Drohne von einem Unternehmen als Spende erhalten habe, sollen die Kollegen zusammen mit Potthast in die neue Technik eingeführt werden.

Für Potthast steht fest: „Per Drohne bekommt man eine Lageübersicht bei Tag und Nacht. Man kann alles messen und beleuchten. Per Wärmebildkamera lassen sich auch bei widrigen Bedingungen vermisste Personen suchen.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7114095?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
Pädophile: Therapie dauert im Schnitt 20 Jahre
Tatort Campingplatz: In diesem Wohnwagen im lippischen Lügde wurden viele Kinder missbraucht. Foto: Althoff
Nachrichten-Ticker