Fußball-Profi Sebastian Schonlau erlebt besonderes Jahr mit Bundesliga-Aufstieg
„Pure Ekstase“

Warburg/Paderborn (WB). Sebastian Schonlau (25) aus Warburg lebt seinen Traum: Der Fußballprofi des SC Paderborn 07 blickt auf ein besonderes Jahr 2019 mit dem Aufstieg in die Bundesliga zurück. Sein Abenteuer ist auch eine Geschichte über Zusammenhalt und ein spezielles Motto, das in Paderborn mittlerweile alle verinnerlicht haben: „Erfolg ist kein Glück.“

Montag, 30.12.2019, 19:30 Uhr aktualisiert: 31.12.2019, 08:20 Uhr
Ein ganz besonderer Moment in der Karriere von Sebastian Schonlau: Der Warburger hat gegen Fortuna Düsseldorf seinen ersten Bundesligatreffer erzielt und dreht jubelnd ab – den Augenblick bezeichnet er selbst später als „pure Ekstase“. Foto: dpa
Ein ganz besonderer Moment in der Karriere von Sebastian Schonlau: Der Warburger hat gegen Fortuna Düsseldorf seinen ersten Bundesligatreffer erzielt und dreht jubelnd ab – den Augenblick bezeichnet er selbst später als „pure Ekstase“. Foto: dpa

Banger Blick nach Bochum

Es ist der 19. Mai 2019 – dieser denkwürdige Sonntag in Dresden, den Sebastian Schonlau nie vergessen wird. Letzter Spieltag in der zweiten Liga, Abpfiff, der SCP hat 1:3 verloren – der direkte Aufstieg könnte Paderborn noch aus den Händen gleiten. In Bochum läuft derweil nämlich immer noch die Nachspielzeit und alles hängt davon ab, ob es beim 2:2 bleibt oder der direkte Konkurrent Union Berlin mit einem weiteren Tor den Sportclub von Platz zwei schießt. Platzt der Traum kurz vorm Ziel? Es sind Minuten des Bangens, Momente des Leidens. Während fast das gesamte Team das Geschehen in Bochum am TV im Spielertunnel verfolgt, sind nur noch der Warburger und sein Teamkollege Lukas Boeder auf dem Rasen. „Ich konnte mir das damals nicht antun, war einfach nur am Ende mit den Nerven. Boedi hat mir gut zugeredet – aber auch davon ist nicht viel bei mir angekommen“, erinnert sich Schonlau an die längsten Minuten seines Lebens zurück.

Partymarathon

Diese wiederum enden, als die frohe Botschaft aus Bochum in Dresden ankommt und ausgelassene Paderborner wie von der Tarantel gestochen aus dem Spielertunnel quer über den Platz zu ihren Fans rennen. „Ich bin einfach nur hinterher und habe mich tierisch gefreut – unbeschreiblich, dieser Augenblick“, so Schonlau. Es war der Startschuss zu einem Partymarathon, mit hunderten Anhängern am Paderborner Flughafen und Tausenden bei der Aufstiegsfeier einen Tag später am Rathaus. „Das waren beeindruckende Momente, die einem niemand mehr nehmen kann – das bleibt ein Leben lang“, sagt der Warburger. „Wir hatten schlechte Jahre, standen im Sommer 2017 praktisch mit beiden Beinen in der Regionalliga – da wusste ich nichtmals, ob ich noch weiter als Profifußballer arbeiten kann. Dass wir anschließend bis in die erste Liga durchmarschiert sind, ist einfach nur Wahnsinn. Ich habe eine ganze Zeit gebraucht, um zu realisieren, was da alles passiert ist.“

Erfolg ist kein Glück

Sebastian Schonlau ist in einer Liga voller Superstars bodenständig geblieben – er selbst hat verinnerlicht, dass insbesondere im beschaulichen Paderborn das Kollektiv über allem stehen muss. „Unser Zusammenhalt ist die Grundlage für Erfolg – wir gewinnen zusammen, wie verlieren zusammen. So einen Spirit habe ich in meiner Laufbahn noch nicht erlebt“, sagt der 25-Jährige. Diese Einstellung sei eng mit Trainer Steffen Baumgart verbunden: „Er hat uns in einer Phase übernommen, in der man nicht von einer Mannschaft sprechen konnte. Und er kann Werte vermitteln, weil auch er durch schlechte Zeiten gehen musste.“ Dass Paderborn Bundesliga kann, zeige laut Schonlau auch, was mit harter und ehrlicher Arbeit alles machbar sei – „Erfolg ist kein Glück“.

Plötzlich verletzt

Bis Stadionsprecher Jürgen Lutter den Mann mit der Nummer 13 jedoch zum ersten Mal in der Beletage des deutschen Fußballs ankündigen konnte, musste sich „Bascho“ eine lange Zeit gedulden – denn ausgerechnet in der Vorbereitung zog sich der etatmäßige Stamm-Innenverteidiger eine langwierige Verletzung zu. „Das war eine extrem schwierige Zeit für mich. So kurz vor dem großen Traum Bundesliga wieder ausgebremst zu werden, ist hart – die zehn Wochen kamen mir wie drei Jahre vor“, sagt Schonlau und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Auch für meine Freundin war diese Zeit nicht immer leicht.“ Geholfen habe ihm in dieser Situation vor allem sein Umfeld. „Wenn man zum ersten Mal eine derart schwere Verletzung hat, muss man erstmal lernen, damit umzugehen. Ich habe einen tollen Rückhalt erfahren – von meiner Familie und dem engsten Freundeskreis.“ Zu seiner Clique im Team zählen unter anderem Marlon Ritter, Leopold Zingerle, Ben Zolinski und Betreuer Robert Wezorke. Auch Steffen Baumgart habe ihm immer wieder Mut gemacht. „Rückblickend hat mich die Zeit menschlich weitergebracht und noch stärker gemacht.“

Erstes Tor, erster Sieg

Am siebten Spieltag hatte das Warten ein Ende: Der Stammspieler aus der Zweitligasaison war endlich wieder einsatzfähig und durfte bei seinem Debüt gegen Mainz (1:2) gleich in der Startelf ran. „Auf so einen besonderen Moment kann man sich nicht vorbereiten. Geholfen hat mir, dass es ein Heimspiel war.“ Die Partie war auch die Geburtsstunde des neuen jungen Paderborner Verteidigerduos mit Sebastian Schonlau und Luca Kilian (20), der eine Woche zuvor gegen die Bayern zum ersten Mal über 90 Minuten auflief. Der Warburger, der bislang an der Seite der erfahrenen Christian Strohdiek oder Uwe Hünemeier gespielt hatte, musste fortan selbst ein junges Talent führen und erwies sich in der Folge sofort als echter Anführer, der zwischenzeitlich sogar die Kapitänsbinde übernahm. „Ich will Verantwortung übernehmen – das liegt mir“, so Schonlau. Gesagt, getan: Am neunten Spieltag sicherte er den lang ersehnten ersten Bundesligasieg mit seiner Torpremiere beim 2:0 gegen Düsseldorf. „Das war pure Ekstase, ich bin einfach nur explodiert – diesen Moment werde ich nie vergessen.“ Ebenfalls unvergesslich sei der Auftritt unter Flutlicht in Dortmund (3:3) gewesen. Und ganz nebenbei sorgte Schonlau mit seinem Siegtreffer im letzten Spiel des Jahres gegen Frankfurt weiter für Hoffnung im spannenden Abstiegskampf. „Auch als Tabellenletzter glauben wir weiter an unsere Chance – nicht zuletzt, weil unsere Fans hinter uns stehen.“

Heimat im Herzen

Alles begann auf der Warburger Hüffert (von links): Bruder Max, Mutter Alexandra und der kleine Sebastian.

Alles begann auf der Warburger Hüffert (von links): Bruder Max, Mutter Alexandra und der kleine Sebastian. Foto: Sarazzin

Profifußballer sind auch nur Menschen, das wird im Gespräch mit dem bescheiden gebliebenen Schonlau deutlich. Ein großer Rückhalt seien für ihn seine Familie, die er Weihnachten besucht hat, sowie auch Freunde und Bekannte in Warburg. „Für mich ist es ein Privileg, wenige Kilometer von meinem Heimatort zu leben und Bundesliga zu spielen. Warburg bleibt in meinem Herzen“, sagt er. Sein Wunsch für 2020: „Mit dem SCP möchte ich natürlich die Klasse halten. Ansonsten darf alles so bleiben, wie es ist – ich bin gerade sehr glücklich.“

Auch seine ehemaligen Warburger Weggefährten sind begeistert von Sebastian Schonlaus Aufstieg zum Erstligaprofi - das WESTFALEN-BLATT hat mit ihnen gesprochen.

 

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