Do., 23.01.2020

Neujahrsempfang im St.-Ansgar-Krankenhaus Höxter: neue Chefärzte und Millioneninvestitionen KHWE schreibt schwarze Zahlen

KHWE-Neujahrsempfang im St. Ansgar Höxter: (von links) Marcel Giefers (Verwaltungsratsvorsitzender), Chefarzt Dr. Jörg Schmitz, Dr. Oliver Bechtler (Rechtswalt/Referent), Chefarzt Kai Andreas Träger und KHWE-Geschäftsführer Christian Jostes.

KHWE-Neujahrsempfang im St. Ansgar Höxter: (von links) Marcel Giefers (Verwaltungsratsvorsitzender), Chefarzt Dr. Jörg Schmitz, Dr. Oliver Bechtler (Rechtswalt/Referent), Chefarzt Kai Andreas Träger und KHWE-Geschäftsführer Christian Jostes. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge schreibt schwarze Zahlen in allen Sparten. Die Patientenzahl ist 2019 um 4,4 Prozent auf knapp 31.000 gestiegen. Zum Vergleich: 2006 wurden 23.000 Patienten behandelt. Die Mitarbeiterzahl beträgt 2736. 2018 waren es 2560. 240 Auszubildende sind in den Einrichtungen der KHWE beschäftigt.

Diese erfreulichen Zahlen nannte Geschäftsführer Christian Jostes, der in dieser Funktion erstmals beim Neujahrsempfang zu den 100 Gästen im St.-Ansgar-Krankenhaus sprach. Er habe nach der Amtsübergabe durch Geschäftsführer Reinhard Spieß am 1. April 2019 eine gut aufgestellte Hospitalvereinigung vorgefunden. Schwarze Zahlen seien im Krankenhauswesen bei kleineren Häusern keine Selbstverständlichkeit.

Während des Empfanges wurden auch Dr. Jörg Schmitz als neuer Chefarzt Medizinische Klinik III Onkologie und Kai Andreas Träger als Chefarzt der Klinik für Gefäß- und endovaskuläre Chirurgie den Gäste aus KHWE, Politik, Kommunen und Wirtschaft vorgestellt.

34 neue Gesetze umsetzen

Geschäftsführer Jostes berichtete von 34 neuen Gesetzen und Verordnungen, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn 2019 auf den Weg gebracht habe. Das alles, wie das Personaluntergrenzen-Gesetz, umzusetzen, sei eine gewaltige Herausforderung. Viele Stoßrichtungen seien gut gemeint, aber in den handwerklichen Ausführungsvorgaben sei manches stümperhaft. Wegen der politischen Vorgaben sei es den Krankenhaus-Managern kaum noch möglich, verbindliche Wirtschaftspläne aufzustellen.

Zur Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE) als Verbund aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gehören laut Christian Jostes das Klinikum Weser-Egge mit den vier Krankenhausstandorten Höxter, Bad Driburg, Brakel und Steinheim, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit sieben Facharztpraxen in Höxter, fünf Seniorenhäuser und vier Caritas-Pflegestationen für ambulante Pflegedienste. Man bilde Mitarbeiter in einem eigenen Bildungszentrum für Gesundheitsberufe fort und aus. Das Tochterunternehmen KWE Service kümmere sich um Speisenversorgung, Logistik, Gebäude- und Sterilgutreinigung.

Der Geschäftsführer schilderte, dass zukünftig Pflegepersonalkosten unabhängiger von Fallpauschalen vergütet würden. Es werde eine Kombination aus beidem geben. Aus den Fallpauschalen für medizinische Eingriffe und Hospitalaufenthalte würden künftig die Pflegekosten herausgerechnet. Sie sollten nach dem tatsächlichen Aufwand berechnet werden. Für die Pflegekosten der KHWE bedeute dieser Pflexit eine Summe von 24 Millionen Euro, die herausgerechnet werde.

Ausbau Bildungszentrum

Konkret heiße das 2020, dass erst im Herbst klar sei, wie viel Geld die KHWE für Pflege bekomme. Personal- und Wirtschaftsplanung sei unter solchen Bedingungen schwer möglich, beklagte Christian Jostes. In der Krankenhausentwicklung solle man sich in einem planwirtschaftlichen Rahmen marktwirtschaftlich bewegen, was nicht immer gelingen könne. Es dürfe aber nicht sein, dass Rendite auf den Rücken des Pflegepersonals gemacht werden müsse. Wichtig sei heute, dass man gutes Pflegepersonal beschäftigen könne. Die KHWE müsse sich als attraktiver Arbeitgeber am Markt positionieren und bei der Qualität gut aufgestellt sein.

Der Geschäftsführer kündigte an, dass das eigene Bildungszentrum in Brakel ausgebaut werde. Am St.-Josef-Hospital Bad Driburg soll es einen Erweiterungsbau geben, um die Intensivstation zu erweitern. Am St.-Ansgar-Krankenhaus Höxter wird die Radiologie auf erweiterte und modernisierte Flächen umziehen. Er sprach von Millioneninvestitionen. 80 Auszubildende würden 2020 eingestellt.

„Auf großes Interesse stößt mit gut 250.000 Zugriffen das Onlineangebot der KHWE“, so Jostes. In den Seniorenhäusern gebe es 2020 drei Chefwechsel. In Bökendorf und Beverungen würden die Senioren-und Pflegeheime um- und angebaut. Die Schlagzeilen, dass laut einer Expertise zwei von drei Krankenhäusern bundesweit geschlossen werden müssten, sei eine für Ballungsräume gültige Aussage, jedoch nicht für die Versorgung des ländlichen Raumes.

Digitalisierung und Fachkräfte binden seien laut Christian Jostes wichtige Ziele 2020. Der Kampf um gutes Personal laufe weiter.

Eingeführt wird bei der KHWE ein Business-E-Bike. Mitarbeiter können über den geldwerten Vorteil so ein Fahrrad bekommen.

Kommentar

2736 Mitarbeiter, 31.000 Patienten, 439 Pflegeplätze, 930 Pflegedienstkunden, 863 Krankenhausbetten, 25 Fachkliniken und Institute, 230 Pflegeschüler – die KHWE ist einer der größten Arbeitgeber im Kreis Höxter und der Gesundheitsdienstleister Nr. 1. Stolze 4,4 Prozent mehr Patienten sprechen für das Vertrauen, das die Menschen den Einrichtungen schenken. Das KHWE-Konzept ist – die Unfallchirurgieproblematik in Höxter einmal ausgenommen – stimmig. Laut Krankenhausgesellschaft hat jede dritte Klinik in Deutschland rote Zahlen geschrieben. Anderswo sind Strukturreformen sicher nötig, im Kreis Höxter jedoch nicht. Die Investitionen, allein in St.-Ansgar Höxter 60 Millionen und mehr, sind gut angelegtes Geld. Hoffentlich bleibt die wirtschaftliche Entwicklung so. Unberechenbar ist, was die Politik den Betreibern vorgibt. Die KHWE hat ihre Hausaufgaben auf jeden Fall gemacht. Michael Robrecht

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