Sa., 15.02.2020

Es ist zu warm: Ariane Friedrichs sorgt sich um Tiere in freier Wildbahn Igel kriegen keinen Schlaf

Seit Jahrzehnten kümmert sich Ariane Friedrichs (52) darum, dass zu kleine und unterernährte Igel über den Winter kommen. Derzeit sorgt sie sich aber auch um die gesunden Tiere in freier Wildbahn. Sie kommen einfach nicht in den Winterschlaf.

Seit Jahrzehnten kümmert sich Ariane Friedrichs (52) darum, dass zu kleine und unterernährte Igel über den Winter kommen. Derzeit sorgt sie sich aber auch um die gesunden Tiere in freier Wildbahn. Sie kommen einfach nicht in den Winterschlaf. Foto: Jürgen Vahle

Von Jürgen Vahle

Warburg (WB). Es ist der wärmste Winter seit Jahren. Das merken wir Menschen – und das hat direkte Folgen für die Natur. Davon kann Ariane Friedrichs aus der Warburger Altstadt aus erster Hand berichten. Sie betreut seit Jahren Igel, päppelt sie im Herbst auf und sorgt dafür, dass sie gesund in den Winterschlaf und durch die kalte Zeit kommen. Doch in diesem Jahr fallen ihre kleinen Hausgäste einfach nicht in den Schlaf.

Situation kann lebensbedrohlich werden

„22 meiner derzeit 36 Tiere sind überhaupt noch nicht dauerhaft in den Winterschlaf gekommen. Sie wachen immer wieder auf“, berichtet sie. Und diese Situation kann für die Tiere lebensbedrohlich werden. Besonders gefährdet sind die Igel in freier Wildbahn. Denn der Winterschlaf ist für die Stacheltiere eine Möglichkeit, die Zeit ohne großes Nahrungsangebot schadlos zu überstehen.

„Der Herzschlag verlangsamt sich von 40 bis 50 Schläge pro Minute auf 8. Die Tiere schalten in einen Sparmodus, bei dem sie bis zum Frühling, wenn es wieder ausreichend Würmer und Insekten gibt, nur 20 Prozent des Körpergewichts verlieren“, erklärt die 52-Jährige. Normalerweise wachen die Igel nämlich erst dann wieder auf, wenn die Natur Futter bereithält.

Normalerweise bis Januar im Tiefschlaf

Doch die innere Uhr, die die Tiere in den Schlaf treibt, springt in diesem Jahr einfach nicht an, weil sie an die Außentemperatur gekoppelt ist. „Die Tiere sind wach oder wachen immer wieder auf. Aber sie finden kein Futter“, weiß die Expertin, die seit ihrer Kindheit Igel bei sich aufnimmt und über den Winter bringt. Die Tiere würden dann nicht erfrieren, sie würden einfach verhungern oder von Parasiten und Würmern so geschwächt, dass sie verenden.

Die 36 Igel, denen sie derzeit an der Bernhardistraße über die schwere Zeit hilft, sind natürlich nicht in Gefahr. Werden sie wach, gibt es Katzenfutter, mal ein Stückchen Banane oder Apfel. Aber eine derart wache Gesellschaft hatte Ariane Friedrichs noch nie: „Normalerweise sind sie spätestens im Januar im Tiefschlaf.“

Katzenfutter für wache Igel bereitstellen

Bei frei lebenden Igeln sieht das ganz anders aus. Sie kämpfen ums Überleben, was auch daran liegt, dass viele dieser beliebten Tiere immer später im Jahr geboren werden. Durch den langen Herbst werfen manche Igel im September noch einmal bis zu fünf kleine Tiere. Die sind aber bei Einbruch des Winters zu klein, um überleben zu können.

Einige dieser Klein-Igel hat Ariane Friedrichs zuletzt gerettet, anderen auch größeren Tieren könnte vielleicht auch geholfen werden. Wer derzeit einen wachen Igel entdeckt, könne einfach eine Schale mit Katzenfutter für ihn bereitstellen. „Das hilft auf jeden Fall weiter“, berichtet die Expertin.

Wer Fragen hat, kann sich auch gerne per E-Mail unter anfriedrichs@web.de an sie wenden.

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