Mi., 11.03.2020

Coronavirus: Auch Events mit weniger als 1000 Besuchern stehen auf dem Prüfstand Viele Veranstaltungen abgesagt

Das Vocal-Hero-Finale in Holzminden ist bereits vor dem Erlass des Landes abgesagt worden.

Das Vocal-Hero-Finale in Holzminden ist bereits vor dem Erlass des Landes abgesagt worden. Foto: Musikschule Holzminden

Von Dennis Pape

Höxter (WB). Die zehn Städte im Kreis Höxter wollen Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern wegen des Coronavirus vorerst auf unbestimmte Zeit verbieten – das haben die Bürgermeister bei einer Konferenz am Dienstag bereits vor dem Erlass des Landes NRW beschlossen.

Außerdem sollen Veranstaltungen – auch mit weniger als 1000 Gästen – mit einem Punktesystem bewertet werden. Zur Eindämmung der Corona-Infektionen könnten die örtlichen Behörden auch diese Veranstaltungen absagen, wenn es besondere Risiken gibt.

Einzelfälle

„Für Veranstaltungen mit weniger als 1000 Besuchern gilt wie bisher eine Einzelfall-Abwägung durch die örtlichen Ordnungsbehörden in Abstimmung mit den Kreisgesundheitsämtern“, teilte der Kreis Höxter am Abend mit. Gemeinsam mit Landrat Friedhelm Spieker haben die Bürgermeister der zehn Städte sich in ihrer Dienstbesprechung darauf verständigt, möglichst einheitliche Kriterien bei der Bewertung von Veranstaltungen mit weniger als 1000 Besuchern hinsichtlich ihres Risikopotenzials zu verwenden.

Im Anschluss an die Dienstbesprechung haben sich die Leiter der Ordnungsämter der Städte gemeinsam mit dem Kreis Höxter den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts in Bezug auf die Risikobewertung angeschlossen.

Bewertungssystem

In diese Risikobewertung fließen laut Kreisverwaltung konkret ein: 1. Die Zusammensetzung der Teilnehmer (Wie viele Personen? Gibt es Personen mit Grunderkrankungen?); 2. Die Art der Veranstaltung (Dauer, Anzahl und Intensität der Kontaktmöglichkeiten); 3. Der Ort der Veranstaltung und die Durchführung (Gibt es bereits Infektionen in der Region? Welche baulichen Gegebenheiten gibt es am Veranstaltungsort?).

Sicherheit geht vor

„Der Schutz der Bevölkerung und die Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus müssen derzeit oberste Priorität haben“, sagt Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln als Sprecher der Bürgermeister im Kreis Höxter. „Mit unserem gemeinschaftlichen Vorgehen möchten wir auch zur Planungssicherheit beitragen. Gleichzeitig hoffen wir, dass ordnungsbehördliche Maßnahmen, wie zum Beispiel angeordnete Absagen, die Ausnahme bleiben.

Organisatoren sollten bei einem erhöhten Risiko ihrer Veranstaltung geeignete Maßnahmen zur Risikominimierung treffen oder eigenständig von einer Durchführung absehen.“ Das Gesundheitsamt des Kreises Höxter stehe laut Verwaltung auch weiterhin in engem Kontakt mit den Ordnungsämtern der Städte.

Gut vorbereitet

„Sollte es einen ersten begründeten Verdachtsfall oder einen ersten Corona-Infizierten im Kreis geben, könnte das weitere Auswirkungen auf Veranstaltungen haben“, sagte Michael Stickeln auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage. „Wir haben Verständnis für die Veranstalter im Kreis Höxter – darunter sind auch viele Vereine, die eine wichtige Säule in der Region sind. Aber die Gesundheit ist und bleibt das höchste Gut.“ Allen Bürgermeistern und dem Landrat sei es wichtig gewesen, bereits vor den ersten bestätigten Corona-Fällen gut vorbereitet zu sein.

Schwere Entscheidungen

Sowohl bei den Städten als auch bei Veranstaltern werden in den kommenden Tagen wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. Die Stadt Steinheim will sich am Mittwochmorgen beispielsweise zur Steinheimer Messe äußern, die für das letzte Märzwochenende geplant ist.

Im Fokus steht ebenfalls der AfD-Wahlkampfauftakt mit Björn Höcke am 28. März , zu dem auch viele Gegendemonstranten erwartet werden. „Zu der AfD-Veranstaltung oder auch zum Höxteraner Frühling können wir uns noch nicht äußern. Wir werden die jeweilige Situation genau analysieren – das braucht seine Zeit“, so Stadtsprecher Sebastian Vogt.

Und auch Veranstalter wie Rembert Stiewe (Orange Blossom Special Festival in Beverungen) analysieren die Situation genau. „Wir haben noch 80 Tage und können nur hoffen, dass sich bis dahin die Situation entschärft. Meines Wissens nach gibt es in Deutschland keine Ausfallversicherung für Epidemien oder Pandemien – das ist hart für die Branche.“ Welche Auswirkungen das Virus auf Volks- und Schützenfeste, Versammlungen, Vorträge und Konzerte haben wird, müsse sich zeigen.

Gesundheitsgespräch

Das für den heutigen Mittwoch, 11. März, terminierte Corveyer Gesundheitsgespräch zum Thema „Herzrasen und Vorhofflimmern: Moderne Verödungstherapien können helfen“ wird am Mittwoch, 9. September, um 17 Uhr im Ansgar-Krankenhaus nachgeholt.

Kreativmarkt

Der Höxteraner Kreativmarkt , der am 22. März in der Volkshochschule stattfinden sollte, wurde ebenfalls abgesagt. Marianne Heinemeyer, Vorsitzende der Freiwilligenbörse Höxtiviti, sagte: „Wir müssen Teilnehmer und Besucher schützen.“ Ob der Markt nachgeholt wird, ist noch unklar.

Vocal Hero

Neuer Termin für das Finale des Gesangswettbewerbs „Vocal Hero“ , das eigentlich am 21. März in Holzminden hätte ausgetragen werden sollen, ist der 25. September. „Musikschule Holzminden und Gerberding-Stiftung wählen damit einen verantwortungsvollen Weg“, sagt Musikschulleiter Alexander Käberich.

„Wir möchten mit unserer Veranstaltungen nicht zur Verbreitung des Virus beitragen.“ Die Karten für das Finale behalten ihre Gültigkeit. Der Kaufpreis wird bei den jeweiligen Vorverkaufsstellen gegen Vorlage der Karte jedoch auch erstattet.

Kreismeisterschaften

Vorsorglich wurden auch sämtliche Schul-Kreismeisterschaften abgesagt. Schulamtsdirektor Hubert Gockeln: „Diese generelle Absage gilt zunächst einmal bis zu den Osterferien.“ Betroffen sind davon am Dienstag, 17. März, die Turn-Kreismeisterschaft der Grundschulen in der Sporthalle im Schulzentrum Nieheim sowie die Crosslauf-Kreismeisterschaften rund um den Holsterturm in Nieheim.

Abgesagt wird auch die Basketball-Kreismeisterschaft der Grundschulen, die am Mittwoch, 25. März, in der Dreifach-Sporthalle am Elsterweg in Bad Driburg stattfinden sollte.

Sudheimer Outdoors

Auch das Reitsportevent „Sudheimer Outdoors“ (15. bis 19. April) in Brakel wurde abgesagt. „Wir haben eine Fürsorgepflicht gegenüber den Reitern, Mitarbeitern, Ausstellern und Besuchern“, sagte Janette Sagel von der Ausrichterfamilie. Ob die „Outdoors“ 2020 nachgeholt werden, stünde noch nicht fest. Die Entscheidung sei der Familie nicht leicht gefallen.

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