Di., 17.03.2020

Fitnessstudios und Gaststätten müssen schließen – viele Firmen im Kreis Höxter setzen auf Homeoffice Coronavirus fegt Innenstädte leer

Corona-Krise: Sonne, milde Temperaturen und überall leere Sitzplätze in der Gaststätten, Cafes und Eisdielen in Höxters Innenstadt.

Corona-Krise: Sonne, milde Temperaturen und überall leere Sitzplätze in der Gaststätten, Cafes und Eisdielen in Höxters Innenstadt. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht, Angelina Zander und Jürgen Vahle

Kreis Höxter (WB). In Zeiten der Corona-Krise vergeht vielen die Lust auf einen Einkaufsbummel. Die Fußgängerzonen im Kreis Höxter sind trotz Frühlingswetter sichtlich leerer als sonst. Alles ist anders. Spielplätze, Bars, Clubs, Spielcasinos, Kneipen, Kinos – am Dienstag musste alles geschlossen werden. Schulen und Kitas sind auch zu. Musikschulen, Museen, Bäder und Fitnessstudios – auch hier ist er Eintritt verboten. Ausnahmezustand kreisweit!

In Holzminden hat am Dienstagmorgen das Kaufhaus Schwager als erster großer Einzelhändler der Region geschlossen. Auch die Filiale Steinheim ist dicht. Der gesamte Einzelhandel in Holzminden und in ganz NIedersachsen musste schließen. In Höxter waren die Geschäfte am Dienstag noch geöffnet. Aber Kunden fehlten. Auch in Cafés und Eisdielen – trotz Sonne gähnende Leere. Viele Händler rechnen auch in NRW in Kürze mit einer Schließungsanordnung.

Handelsverbände warnen vor einer drohenden Insolvenzwelle im Modehandel durch die Krise. Sie fürchten einen Nachfrageeinbruch. Auch Höxteraner Chefs äußern Pleiteangst. Die Geschäftsleute kreisweit wollen, so lange es geht, ihre Läden geöffnet halten. Die Behörden hatten in Höxter bis zum Abend noch keine Schließung von Geschäften verfügt. Die Werbegemeinschaft hat aber das Stadtfest „Höxteraner Frühling“ am Sonntag, 5. April, abgesagt. Die Innenstadt-Blumenbeete zum Stadtfest werden erst gar nicht aufgebaut. Auch die Jahreshauptversammlung der Werbegemeinschaft am 24. März ist laut Vorsitzendem Jürgen Knabe abgesagt.

Auflagen für Restaurants

Die städtischen Sportanlagen waren bereits in der vergangenen Woche geschlossen worden. Hotels und Restaurants sowie die Wochenmärkte können im Kreis vorerst noch zeitreduziert geöffnet bleiben. Es müssen aber Auflagen erfüllt sein. Vor allem muss genug Platz vorhanden sein, um ausreichend großen Abstand zwischen Kunden und Gästen sicherzustellen. Die Restaurants im Kreis dürfen von diesem Mittwoch an nur noch bis 15 Uhr öffnen. Viele versuchen, sich so gut es geht mit der Situation zu arrangieren. Ein Beispiel: Im Landgasthof Deele in Warburg-Germete gibt es nach wie vor ab 12 Uhr warme Küche. „Unser gesamtes Team ist mit allen Hygienemaßnahmen vertraut, denn das Wohl der Gäste liegt uns am Herzen“, sagt Betreiberin Nelleke ten Hoopen. Das Restaurantteam setzt – wie andere Gastronomiebetriebe auch – auf den Abholservice. Ab sofort können die Lieblingsgerichte telefonisch zur Abholung bestellt werden. „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“, appelliert Familie ten Hoopen.

Bernhard Tetzlaff, Betreiber von „Barnies Fitnessstudio“ in Höxter, kann nichts mehr ändern: Kurzarbeit für Mitarbeiter anmelden, Kunden vertrösten, Bürokratie regeln. Am Montagabend drehte er den Schlüssel rum – wie die Kollegen von „Clever Fit“ und „Langefit“ auch. Viele Sportler befürchten, dass es Mai oder später wird, bis sie wieder Gewichte drücken.

Alles anders ist auch beim „Höxter Tisch“. 1500 Gäste hat Leiter Roland Orgorzelski in seiner Versorgungsliste. „Wegen Corona schließen wir aber nicht – wie es anderswo schon läuft. Wir lassen immer nur einen Kunden in den Verkaufsraum. Das klappt“. Der Tisch in Brakel, „Tischlein deckdich“, stellt seinen Betrieb ein.

Firmen im Kreis Höxter

Bei der Tischlerei Valentin in Höxter läuft alles geregelt. „Noch halten sich die Auswirkungen des Coronavirus stark in Grenzen“, sagt Geschäftsführerin Lisa Valentin-Kalisch. Das könne sich in den kommenden drei Wochen aber auch ändern, sollte die Politik weitere Restriktionen beschließen. Ein Mitarbeiter der Tischlerei sei von den Schulschließungen betroffen, hier habe man aber eine Lösung gefunden.

Die Firma Franz Schneider Brakel (FSB) hat zahlreiche Maßnahmen getroffen, um auf das Coronavirus zu reagieren. Geschäftsführer Jochen Bauer erklärte, dass Mitarbeiter, soweit möglich, von zuhause aus arbeiten. Im Unternehmen selbst sei die Anzahl der Personen pro Büro auf drei begrenzt. Darüber dürften immer nur kleine Personengruppen gemeinsam Pause machen. Und: „Zwischen der ersten und der zweiten Schicht liegen 30 Minuten. Das heißt, es gibt keine Überlappung.“ Die Mitarbeiter der ersten Schicht hätten das Gelände verlassen, ehe neue Mitarbeiter kommen. Wer in welcher Schicht tätig ist, sei flexibel zu gestalten. Besuche bei FSB sind nur im Ausnahmefall gestattet und auch der Außendienst sitzt im Homeoffice. Kontakt zu den Kunden gibt es per Außendienst. Zur Auftragslage sagte Bauer: „Wir haben bei uns nicht den Fall, dass alles zusammenbricht.“ Für die kommenden sechs Wochen sei die Produktion voll ausgelastet.

Zwischen Überstunden und Kurzarbeit

Gleiches gilt für die Sparte Reinigungs- und Waschmittel des Unternehmens Brauns-Heitmann aus Warburg. Hier stehen Überstunden an, um die steigende Nachfrage bedienen zu können, so Geschäftsführer Stefan Kremin. Die Situation bringe das Unternehmen an die „Grenzen des Machbaren“. Anders ist es in der Dekosparte des Unternehmens. „Viele Artikel kommen aus China, wir haben Lieferverzögerungen von sechs bis acht Wochen.“ In diesem Bereich werde mittelfristig über Kurzarbeit nachgedacht.

Auch die Möbelstadt Steinheim kämpft mit unterschiedlichen Bedingungen. So ist der Verkauf seit Dienstag stillgelegt. Die Möbelstadt ist für Publikum geschlossen, die Mitarbeiter aus diesem Bereich sind nach Auskunft von Prokurist Thomas Buckoh nach Hause geschickt worden und bekommen Kurzarbeiter-Geld. In der Auslieferung der Möbel laufe aber alles normal weiter. „Das sind Handwerker, die dürfen arbeiten. Wir haben noch einen Auftragsbestand für ein paar Wochen.“ In der Verwaltung seien die Arbeitskräfte teilweise reduziert worden.

Kurzarbeit hat das Unternehmen Optibelt aus Höxter nach eigener Auskunft noch nicht angemeldet. „Den Mitarbeitern wird, sofern technisch möglich, die Möglichkeit auf Homeoffice angeboten. Mitarbeiter, die von der Schließung von Kitas, Kindergärten oder Schulen betroffen sind, haben die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, ihre Stundenkonten sowie bezahlten und unbezahlten Urlaub zu nutzen“, erklärte das Unternehmen am Dienstag. „Unsere Produktionsstätten arbeiten derzeit normal weiter und auch unser Lagerbestand ist sehr gut, so dass unsere Verfügbarkeit gewährleistet ist.“ Personen, die sich kürzlich in einem Gebiet mit Reisewarnung aufgehalten hätten, dürften das Firmengelände für 14 Tage nicht betreten, Urlauber aus dem sonstigen Ausland sieben Tage.

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