In Sorge: Virus erschwert Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe
Jugenddorf trotzt Corona-Krise

Warburg (WB). Der Umgang mit der Corona-Pandemie stellt auch das Jugenddorf Petrus Damian derzeit vor erhebliche Herausforderungen. „Das Virus hat unseren Alltag komplett auf den Kopf gestellt“, sagt Elmar Schäfer, Geschäftsführer und Leiter der Einrichtung an der Silberbrede. Einige Mitarbeiter befänden sich zudem in häuslicher Quarantäne.

Montag, 23.03.2020, 07:00 Uhr
Auch das Jugenddorf Petrus Damian hat Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus’ getroffen. Die Einrichtung ist in Sorge: Die Pandemie erschwert die Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe. So sei es schwierig, Kontakt zu den Familien zu halten. Foto:Ralf Benner
Auch das Jugenddorf Petrus Damian hat Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus’ getroffen. Die Einrichtung ist in Sorge: Die Pandemie erschwert die Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe. So sei es schwierig, Kontakt zu den Familien zu halten.

Im Jugenddorf arbeiten aktuell 180 Mitarbeiter und betreuen mehr als 230 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in den Häusern der Einrichtung, in Wohngruppen sowie Gast- und Pflegefamilien. Um ihre Betreuung in Zeiten von Corona weiterhin gewährleisten zu können, sei eine Steuerungsgruppe eingerichtet worden, die täglich die Lage neu bewerte, berichtet Schäfer.

Gruppen und Teams dürfen Gelände nicht verlassen

Um soziale Kontakte auf das Nötigste einzuschränken, blieben die Gruppen und Teams im Jugenddorf nun unter sich und dürften auch nicht das Gelände verlassen. Sie würden fortan auch zen­tral mit Lebensmitteln versorgt, was bislang im Alltag nicht der Fall gewesen sei. Für Mitarbeiter gelte eine Abstandsregelung, ein Sicherheitsabstand zu anderen, der eingehalten werden müsse.

Das weitläufige Gelände sei für den Publikumsverkehr geschlossen worden. „Besuche von Angehörigen der Kinder und Jugendlichen wurden vorläufig ausgesetzt“, erklärt Schäfer. Für das gesamte Gelände, insbesondere aber für das Verwaltungsgebäude, gelte für Besucher von außen zurzeit ein „striktes Betretungsverbot“. Der Einrichtungsleiter appelliert an alle, sich auch daran zu halten.

Die Betreuung der Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten, sei derzeit auch personell eine große Herausforderung. „Da die Schulen ja geschlossen wurden, müssen die Schüler des Jugenddorfes nun zusätzlich auch vormittags von den Mitarbeitern betreut werden“, erläutert Schäfer. Unter Hochdruck müssten nun die Dienstpläne geändert werden.

Personelle Engpässe

Zudem seien Mitarbeiter ausgefallen, die sich wegen Corona vorsorglich in häusliche Quarantäne begeben mussten. Zudem gebe es jahreszeitlich bedingt etliche Krankheitsfälle aufgrund von Influenza. Mit dem Coronavirus infiziert habe sich derzeit aber weder ein Mitarbeiter noch ein Bewohner des Jugenddorfes, erklärt der Einrichtungsleiter. Auch befände sich in den Häusern und Wohngruppen der Einrichtung aktuell niemand in Quarantäne.

Es müsse tagtäglich intensiv geprüft werden, welche Mitarbeiter, die einer Risikogruppe angehörten, überhaupt zur Arbeit erscheinen dürfen oder sollten. Um „Druck aus dem Kessel zu nehmen“, weil aktuell Fachkräfte fehlten, sei es durchaus auch denkbar, ehemalige Praktikanten des Jugenddorfes oder noch Studierende als geringfügig Beschäftigte einzustellen, um mögliche personelle Engpässe aufzufangen.

Kontakt zu den Familien halten

Eine der größten Sorgen sei jedoch, den Kontakt zu Familien zu halten, in denen Kinder und Jugendliche im Rahmen der Sozialpädagogischen Familienhilfe betreut würden. Eine schwierige Aufgabe, die im Home-Office, in dem viele Mitarbeiter des Jugenddorfes derzeit verstärkt eingesetzt würden, nur schwer zu bewältigen sei.

Viele dieser Kinder und Jugendlichen seien jetzt den ganzen Tag über zu Hause, weil die Schulen ja geschlossen seien. „Da ist in den Familien natürlich Druck auf dem Kessel“, berichtet Schäfer: „Wir müssen weiter dafür Sorge tragen, dass in den Familien keine Kindswohlgefährdung besteht.“

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