Am Gebrüder-Warburg-Platz stand einst ein Kriegerdenkmal
Aufschauen zum Monarchen

Warburg (WB). In unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“ beleuchten das WESTFALEN-BLATT und das Warburger Stadtarchiv heute ein Foto vom Kaiser- und Kriegerdenkmal, das selbst ältere Warburger kaum noch kennen dürften.

Samstag, 28.03.2020, 08:28 Uhr aktualisiert: 28.03.2020, 08:32 Uhr
1890 wurde am heutigen Gebrüder-Warburg-Platz ein Kaiser- und Kriegerdenkmal enthüllt. Davon berichtet das WESTFALEN-BLATT heute in einer neuen Serie. Foto: Stadtarchiv Warburg
1890 wurde am heutigen Gebrüder-Warburg-Platz ein Kaiser- und Kriegerdenkmal enthüllt. Davon berichtet das WESTFALEN-BLATT heute in einer neuen Serie. Foto: Stadtarchiv Warburg

Am 20. Juli 1890 stand Warburg ganz im Zeichen eines, so Bürgermeister Leopold Wiegand, „hochpatriotischen Festes“. An prominenter Stelle an der Hauptstraße der Neustadt, auf dem heutigen Gebrüder-Warburg-Platz, wurde das Kaiser- und Kriegerdenkmal enthüllt. Es bewies augenfällig, dass auch in der Stadt an die Diemel die allgemeine Hochschätzung, ja Verehrung des Kaisers gepflegt wurde und einen, im doppelten Sinne des Wortes, „monumentalen“ Ausdruck fand.

Das Kaiser- und Kriegerdenkmal war das erste weltliche Denkmal in der Geschichte der Stadt und gleichzeitig eine Demonstration vaterländischer Gesinnung und Kaisertreue. Ein unbekannter Fotograf hat den feierlichen Augenblick im Bild festgehalten.

Kriegerverein hatte die Idee

Der erste Anstoß zur Errichtung des Denkmals kam 1887 vom Warburger Kriegerverein, schon bald bildete sich eine Initiative, die von allen führenden Kräften der Diemelstadt getragen wurde.

Der Text der Grundsteinurkunde ist erhalten: „Unter der glorreichen Regierung des Kaisers Wilhelm II. ist am 22. März des Jahres des Heils 1890, dem Geburtsfeste des Hochseligen (sic!) Kaisers und Königs Wilhelm I. der Grundstein gelegt worden zu dem Kaiser- und Kriegerdenkmal der Stadt Warburg. Dasselbe soll auf die fernsten Zeiten den Nachkommen zeugen von der unbegrenzten Liebe zu dem ersten deutschen Kaiser Wilhelm I., von der unbegrenzten Treue der Warburger Krieger, die dem König in die feindlichen Fluren folgend das Kaiserreich errichten halfen und mit ihrem Blute festigten. Warburg, 22. März 1890“

Zur Metallgewinnung für Kriegszwecke eingeschmolzen

Das Standbild zeigte Wilhelm I. nicht als Kaiser, sondern als Feldherren. Er trägt die Paradeuniform mit Helm und Federbusch, über den Schultern den Mantel, in der rechten Hand den Feldherrenstab. Die Figur war 2,60 Meter hoch. Sie stand auf einem 2,20 Meter hohen, quadratischen Sockel, der eine Seitenlänge von 1,20 Meter hatte und aus rotem Wrexener Sandstein gefertigt war. Das Denkmal war mehr als sechs Meter hoch, und der Betrachter musste zum Monarchen im wahrsten Sinne des Wortes aufschauen. An der Vorderseite des Denkmalsockels war in Metallguss unter dem Wappen der Stadt Warburg die sechszeilige Inschrift untergebracht: „Ihrem Heldenkaiser/Wilhelm I/und ihren für das Vaterland gefallenen Kriegern/die dankbaren Warburger/1890“. Auf der Rückseite waren in Metallguss unter einem Eisernen Kreuz die Namen der 11 Warburger verzeichnet, die in den Kriegen 1860, 1864 und 1870/71 gefallen waren.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal zur Metallgewinnung für Kriegszwecke eingeschmolzen. Die Tafel mit den Namen der Gefallenen ist erhalten geblieben und befindet sich heute in der Gedächtnisstätte im Sackturm.

In der erste Folge unserer Serie haben wir das Wirken des Bürgermeisters August Dissen betrachtet.

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