Einsatz für BlazeAid: Christian Frank muss Australien vorzeitig verlassen
Corona bremst Helfer aus

Warburg (WB). Anderen Menschen zu helfen, macht Christian Frank glücklich. Tagtäglich ist der Polizeioberkommissar in Warburg im Einsatz. Doch das reicht dem 34-Jährigen aus Schloß Neuhaus nicht. Deshalb reiste er am 26. Februar als Mitglied der Christlichen Polizeivereinigung (CPV) nach Australien, um Polizeibeamte und ihre Familien, die aufgrund der Buschfeuer und Überschwemmungen Schaden erlitten hatten, ehrenamtlich bei Aufbaumaßnahmen zu unterstützen.

Dienstag, 31.03.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 16:06 Uhr
Der Warburger Polizeioberkommissar Christian Frank (rechts) war in Australien, um unter Einsatzleitung von Polizeioffizier Rob Mc Call beim Wiederaufbau nach Buschfeuern zu helfen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste der 34-Jährige nach drei Wochen abbrechen und nach Deutschland zurückkehren. Foto:
Der Warburger Polizeioberkommissar Christian Frank (rechts) war in Australien, um unter Einsatzleitung von Polizeioffizier Rob Mc Call beim Wiederaufbau nach Buschfeuern zu helfen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste der 34-Jährige nach drei Wochen abbrechen und nach Deutschland zurückkehren.

Sieben Wochen wollte er in Australien bleiben. Doch die Corona-Pandemie zwang ihn, bereits nach drei Wochen das Land zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren. „Ich habe in Australien bewusst regelmäßig mein Handy ausgeschaltet, um mich ganz den Menschen vor Ort zu widmen“, erinnert sich Christian Frank.

Vorletzten Flug nach Deutschland bekommen

Als ihn dann aber am Mittwoch, 18. März, die E-Mail des Auswärtigen Amtes mit der dringenden Empfehlung, so schnell wie möglich nach Deutschland zurückzukehren, erreichte, rief er am Abend die Hotline seiner Airline an und kehrte am Freitag zurück in seine Heimat. „Ich habe tatsächlich den vorletzten Flug nach Deutschland bekommen. Viele andere Volunteers sitzen nun in Australien fest und kommen nicht nach Hause“, zeigt sich der 34-Jährige erleichtert. „Es gibt kaum noch Flüge und wenn, dann kosten diese bis zu 8000 Euro. Deshalb bin ich meiner Airline sehr dankbar, dass ich ohne zusätzliche Kosten umbuchen konnte.“

Auch wenn sein Einsatz in Aus­tralien nur drei statt der geplanten sieben Wochen gedauert hat, ist Christian Frank beeindruckt von den Menschen im Land. „Es ist toll bei all der Arbeit, die Herzlichkeit der Menschen zu sehen, die durch die Katastrophe zum Teil alles verloren haben. Selbst für kleine Hilfsarbeiten bedanken sie sich mit einem großen Lächeln im Gesicht.“

Direkt bei seiner Ankunft in Brisbane wurde Christian Frank herzlich von Polizeioffizier Rob Mc Call, der Mitglied der australischen ICPF-Partnerorganisation (International Christian Police Fellowship) ist und den Einsatz vor Ort leitet, empfangen.

„In den ersten Tagen wurde ich von Rob und seinem Schwager, Pastor Nick, auf meinen Einsatz vorbereitet. Sonnenschutz (50 plus), Moskitospray, Dehydrationstabletten, ein Zelt und eine australische Sim-Karte mussten besorgt werden, bevor es weiter nach Casino/New South Wales ging“, erzählt er. In Casino hat die Organisation BlazeAid eines ihrer 37 Camps aufgeschlagen. Ziel der Nichtregierungsorganisation ist, nach Naturkatastrophen wie Buschfeuern oder Überschwemmungen Familien und Einzelpersonen im ländlichen Australien zu helfen, Zäune zu reparieren und kleinere Gebäude wieder aufzubauen.

Gemeinsam mit Chris, einem Feuerwehrmann aus Brisbane, Marcel, einem Krankenpfleger, und Lisa, einer Krankenschwester aus Deutschland, sowie einer kanadischen Kollegin arbeitete Christian Frank Seite an Seite unter extremen Wetterbedingungen von über 38 Grad im Schatten und einer hohen Luftfeuchtigkeit.

Schicksale der Menschen berühren

Aber mehr als die extremen Arbeitsbedingungen berührten ihn die Schicksale der Menschen. So wie die Geschichte von Tracy. Beim Reparieren ihres Zaunes erfährt der 34-Jährige, dass mit dem Ausbruch der Buschfeuer ihr Vater starb. Kurz darauf wurde ein Teil ihrer Kuh-Herde gestohlen. Da sie die hohen Versicherungsbeiträge nicht bezahlen konnte und die von der australischen Regierung bereitgestellten Hilfsgelder bei weitem nicht ausreichen, ist auch sie auf die Hilfe von BlazeAid angewiesen.

„Am Ende der zweiten Einsatzwoche wollten wir Brenda auf ihrer Farm helfen und die Zaunlinie von den umgefallenen Bäumen befreien sowie Bäume, die massiv beschädigt waren, fällen. Aufgrund von starken Regenschauern konnten wir die Arbeit zunächst nicht durchführen und ich hatte die Gelegenheit, mit Brenda zu sprechen. Aufgrund der traumatischen Erfahrungen waren wir angewiesen worden, nur zuzuhören und keine Fragen zu stellen“, berichtet Christian Frank.

Brendas Farm lag an einer Bundesstraße, etwa 40 Kilometer von Casino entfernt. Die Feuerwalze zerstörte das Wohnhaus und den Schuppen. Sie befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Stadt und passte auf ihre Enkelkinder auf. Wäre sie zu Hause geblieben, hätte sie das Feuer nicht überlebt. Zurzeit lebt sie in einem Wohnwagen und wartet auf die Unterstützungszahlungen des Staates.

Acht Mal ehrenamtlich im Einsatz

„Am meisten hat mich beeindruckt, dass Brenda, als wir vereinbart hatten, den Einsatz aufgrund des Regens um zwei Tage zu verschieben, sich auf den Weg in den Wohnwagen machte, um uns die Spritkosten zu erstatten. Selbstverständlich lehnten wir ab. Sie hatte alles verloren und war trotzdem bereit zu geben“, erinnert sich der Helfer ergriffen.

Insgesamt acht Mal war Christian Frank bisher ehrenamtlich im Einsatz: In Ghana (2006), in Mali/Mauretanien (2009), in Russland (2011), in Burkina Faso (2012), in Tansania (2013, 2014 und 2017) und in diesem Jahr in Australien. Dass sich die Menschen dort trotz der Situation so hingebungsvoll für ihre Mitmenschen einsetzen, nimmt er zum Vorbild. Vier Wochen von seinem genehmigten Jahresurlaub hat er noch übrig. Die Zeit möchte er nutzen, um sich in Deutschland ehrenamtlich zu engagieren.

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