23 Bewohner und 10 Mitarbeiter des Warburger Seniorenzentrums St. Johannes infiziert
Coronavirus hat Altenheim fest im Griff

Warburg (WB). Das Coronavirus hat sich im Warburger Seniorenzentrum Sankt Johannes weiter ausgebreitet. 23 Bewohner und 10 Mitarbeiter des Alten- und Pflegeheims sind mit dem Virus infiziert worden, berichtet Geschäftsführer Thomas Berens. „Die Lage ist ernst, der Leidensdruck groß“, sagte Berens dem WESTFALEN-BLATT am Dienstag.

Mittwoch, 15.04.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 15.04.2020, 10:24 Uhr
23 Bewohner und 10 Mitarbeiter des Warburger Seniorenzentrums St. Johannes sind mit dem Coronavirus infiziert worden. Am 1.April war ein 80-jähriger Bewohner der Pflegeeinrichtung „Franz-Jordan-Haus“ an den Folgen von Covid 19 gestorben. Foto: Ralf Benner
23 Bewohner und 10 Mitarbeiter des Warburger Seniorenzentrums St. Johannes sind mit dem Coronavirus infiziert worden. Am 1.April war ein 80-jähriger Bewohner der Pflegeeinrichtung „Franz-Jordan-Haus“ an den Folgen von Covid 19 gestorben. Foto: Ralf Benner

Bis auf einen Bewohner mit Vorerkrankungen der Atemwege wiesen die übrigen infizierten Bewohner und Pflegekräfte der Einrichtung keine schweren Symptome auf, litten also nicht unter Atemnot oder schwereren Krankheitsverläufen, erklärt Berens auf Anfrage dieser Zeitung. Zwei Bewohner befänden sich allerdings zur stationären Behandlung im Helios-Klinikum. Über ihren aktuellen Gesundheitszustand sei derzeit nichts bekannt, so Berens.

75 bestätigte Infektionen in Warburg

In Warburg gibt es nach Angaben des Kreises Höxter zurzeit (Dienstagmittag, 12 Uhr) 75 bestätigte Infektionen, die Zahl der Genesenen beläuft sich auf 14, die Anzahl der aktuellen Infektionen im Stadtgebiet liegt somit bei 61.

Wie berichtet, war ein 80-jähriger Bewohner der zum Seniorenzentrum gehörenden Pflegeeinrichtung „Franz-Jordan-Haus“ am 1. April an den Folgen der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, die durch das neuartige Coronavirus ausgelöst wird. Er war damit auch der erste Corona-Tote im Kreis Höxter. Der Mann hatte zahlreiche Vorerkrankungen. Das Seniorenzentrum hatte daraufhin weitergehende Schutzmaßnahmen eingeleitet und eine Vielzahl ihrer Mitarbeiter vorsorglich unter häusliche Quarantäne gestellt.

In Rücksprache mit den behandelnden Hausärzten war zudem die Testung aller Bewohner sowie der Mitarbeiter der betroffenen Wohngruppe im Franz-Jordan- Haus veranlasst worden. Im Ergebnis sind nun insgesamt 23 Bewohner und 10 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. „Auf welchen Wegen das Coronavirus in die Pflegeeinrichtung gekommen ist, ist nicht nachzuvollziehen“, berichtet Geschäftsführer Thomas Berens. „All unsere Mühen und auch die zuvor bereits eingeleiteten Schutzmaßnahmen haben ein Eindringen des Virus nicht verhindern können“, bedauert er.

Schutzkleidung und FFP2-Atemmasken

„Seit Ausbruch der Infektionen im Franz-Jordan-Haus wurden weitergehende Schutzmaßnahmen getroffen, um eine weitere Verbreitung des Virus so gering wie möglich zu halten“, erläutert der Leiter der Pflegeeinrichtung. Zur Minimierung des Risikos erfolge das Arbeiten im Seniorenzentrum derzeit unter strengen Hygieneanforderungen inklusive dem Tragen von Schutzkleidung und FFP2-Atemmasken, also Masken der höchsten Schutzklasse.

Auch die ärztliche Betreuung sei weiterhin sichergestellt. Mitte März hatte das Seniorenzentrum zum Schutz der Bewohner und des Personals die Besuchsregeln stark eingeschränkt – eine Maßnahme, die kurz darauf durch das offizielle Besuchsverbot im Rahmen der Corona-Verordnung des Landes NRW abgelöst wurde.

„Allen Mitarbeitenden sind der Schutz und das Wohlergehen der Bewohner das Wichtigste. Wir tun alles, damit alle Bewohner und Mitarbeitenden vor dem Virus geschützt sind“, versichert Berens. Neben den ohnehin geltenden Hygienevorschriften führe dies für diejenigen Mitarbeiter, die nicht infiziert sind, zu einem erhöhten Aufwand bei der Beachtung von Hygienemaßnahmen sowie beim Anlegen von persönlicher Schutzausstattung, führt Berens aus.

Bewohner sind durch die ausbleibenden Besuche belastet

In Absprache mit dem Gesundheitsamt des Kreis Höxter könnten die Pflegekräfte unter Einsatz der hohen Schutzmaßnahmen weiterarbeiten, soweit sie keine Symptome aufweisen. Die Bewohner seien bereits durch die ausbleibenden Besuche belastet und sollten nicht zusätzlich durch einen Wechsel des vertrauten Personals verunsichert werden, erläutert Berens. Krisenstab, Gesundheitsamt und Heimaufsicht unterstützten die Einrichtung, um die Arbeitsfähigkeit des Personals zu erhalten.

„Es gibt auch Zuversicht in dieser Situation. Jene Bewohner mit ersten Symptomen und Infizierungen haben diese schwierige Situation bald überstanden und befinden sich auf dem Wege der Besserung. Gleiches gilt auch für fünf infizierte Mitarbeiter“, berichtet der Geschäftsführer. Er danke allen Beschäftigten für die engagierte Unterstützung während der Pandemie, sagt Berens.

Das Warburger Seniorenzen­trum St. Johannes an der Landfurt versorgt in seinen Pflegeeinrichtungen 147 Bewohner und Bewohnerinnen sowie 75 zu Hause lebende Pflegebedürftige mit seinem ambulanten Pflegedienst.

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