Heimische Erzeuger sprechen über Corona und die Landwirtschaft
Virus verunsichert Milchbauern

Bonenburg (WB). Etwa 10.000 Liter Milch gibt eine Kuh pro Jahr. Zwei Mal täglich muss sie gemolken werden. Auch in Corona-Zeiten. Die Krise verunsichert Milchbauern und Rindfleischerzeuger. Denn während der Endverbraucher deutlich mehr kauft, als vor der Krise, nehmen Großverbraucher fast nichts mehr ab.

Dienstag, 28.04.2020, 19:29 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 15:06 Uhr
Antonius Tillmann (links) und sein Sohn Peter, er wird den Hof weiterführen, sind bei ihren Kühen. Die Corona-Krise macht auch den heimischen Erzeugern zu schaffen. Dabei hat sich der Alltag auf den Höfen kaum verändert. Foto: Daniel Lüns
Antonius Tillmann (links) und sein Sohn Peter, er wird den Hof weiterführen, sind bei ihren Kühen. Die Corona-Krise macht auch den heimischen Erzeugern zu schaffen. Dabei hat sich der Alltag auf den Höfen kaum verändert. Foto: Daniel Lüns

Dass das Virus die Märkte durcheinanderwirbelt, merkt auch Antonius Tillmann, stellvertretender Bezirksverbandsvorsitzender Ostwestfalen-Lippe des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV). Auf dem Hof des Bonenburgers leben 100 Kühe, zudem hält er 800 Schweinemastplätze vor. Die Milch wird an einen Standort der Molkerei Hochwald geliefert, der in Hünfeld nahe Fulda liegt.

Keine Kondensmilch nach Saudi-Arabien

„Die Molkerei macht viele Produkte für Endverbraucher“, erklärt Tillmann. „Aber Probleme zeichnen sich ab.“ So sei Hochwald auch der größte Lieferant für Kondensmilch in Saudi-Arabien. Zurzeit stagnierten die Milchexporte aber.

Auch der Preis für Rindfleisch sei deutlich zurückgegangen, ergänzt Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Kalbsfleisch sei kaum zu verkaufen. „Bereits spürbare Auswirkungen für die rund 1500 Rinderhalter in Ostwestfalen-Lippe hat der Corona-bedingte Wegfall des Außer-Haus-Verzehrs“, sagt Beringmeier.

Gastronomie koch auf Sparflamme

Die Gastronomie kocht auf Sparflamme. Viele beliebte Gerichte würden daher zurzeit gar nicht angeboten. Ebenso fehle das Ostergeschäft. Auch die Pfingst- und Spargelsaison werde wohl wegfallen, sagt der Präsident. Zudem herrsche auf dem Markt eine große Verunsicherung.

Aufgrund langfristiger Verträge könnten die Landwirte aus dem Kreis Höxter kaum auf die Krise reagieren. Vor allem im Bereich Milch. „Als Genossenschaftsmitglied haben wir zum Beispiel zwei Jahre Kündigungsfrist. Das Problem wäre zudem, nach der Kündigung einen anderen Abnehmer zu finden“, erklärt Tillmann.

Kaum Corona-Fälle unter Bauern

Zudem sei der Arbeitsalltag der Bauern kaum anders, als vor der Krise. Denn die tägliche Arbeit falle in den Betrieben weiter an. Umso wichtiger sei, die Betriebe trotzdem am Laufen zu halten. Bislang seien aber nur vereinzelt Fälle bekannt, bei denen Landwirte positiv auf Corona getestet wurden, ergänzt Beringmeier.

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