Germeter Ernst Wilhelm König erwirbt vier Räder eines britischen Fliegers
Bomber stürzte über der Börde ab

Warburg (WB). Zehn Euro hat Ernst Wilhelm König für die vier alten Reifen vor seiner Haustür bezahlt. Kein großer Geldwert. „Aber ein großer geschichtlicher Wert“, meint der Unternehmer aus Germete, der am 4. Mai 80 Jahre alt wird. „Die vier Reifen stammen von einem britischen Flieger, der im Zweiten Weltkrieg nach dem  Luftangriff auf Kassel zwischen Bühne und Borgholz abgestürzt ist“, sagt König. Über 45 Jahre habe er die bewegte Geschichte dieser Reifen verfolgt. Jetzt nennt er sie sein Eigen und weiß auch schon, wie ihre Zukunft aussehen soll.

Donnerstag, 30.04.2020, 07:05 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 07:10 Uhr
Zehn Euro hat Ernst Wilhelm König für  die vier alten Reifen vor seiner Haustür bezahlt.Die vier Reifen stammen von einem britischen Flieger, der im Zweiten Weltkrieg nach dem Luftangriff auf Kassel zwischen Bühne und Borgholz abgestürzt ist. Foto: Silvia Schonheim
Zehn Euro hat Ernst Wilhelm König für  die vier alten Reifen vor seiner Haustür bezahlt.Die vier Reifen stammen von einem britischen Flieger, der im Zweiten Weltkrieg nach dem Luftangriff auf Kassel zwischen Bühne und Borgholz abgestürzt ist. Foto: Silvia Schonheim

Erinnerung an Bombardierungen

Der frühere Baumaschinen-Fabrikant König, der noch heute mit Baumaschinen Handel betreibt, lebt seit 44 Jahren in Germete, stammt aber aus Körbecke. „Ich war zwar noch sehr jung, aber ich habe noch heute das monotone Geräusch im Ohr, als die Bomber über uns herflogen“, erinnert sich Ernst König an den 22. Oktober 1943. An diesem schicksalhaften Tag haben 569 alliierte Bomber  einen vernichtenden Luftangriff auf Kassel geflogen. Die Stadt sei durch den Feuersturm zerstört worden.

„Der britische Flieger, der zwischen Bühne und Borgholz abstürzte, war über Kassel angeschossen worden, konnte aber noch bis Borgholz segeln. Alle drei Insassen starben bei dem Absturz“, berichtet Ernst König, der selbst Pilot ist. Die Reifen des Fliegers hätten den Absturz der Maschine überstanden. Bühner Bauern hätten sie an sich genommen. „Die Reifen wurden von da an in der Landwirtschaft eingesetzt“, erzählt der 79-Jährige.

Räder liefen in einer Maschine

Als sie dort nicht mehr benötigt wurden, kaufte sie Unternehmer Heinz Vössing, ein Freund von Ernst König. „1978 erwarb  Vössing die Reifen von einem Landwirt aus Bühne und setzte sie in seiner Kunststoff-Fabrik in Engar ein“, erzählt König und zeigt auf ein Bild in einem Fotoalbum. Das zeigt ihn gemeinsam mit seinem vor drei Jahren verstorbenen Freund Heinz Vössing vor den vier Flugzeug-Rädern.

Bis 2015 liefen die Reifen dort wie eine Art Förderband: „Die Maschine fertigte Kunststoff-Halbschalen an. Diese wurden an Straßenrändern eingesetzt, um Amphibien vor dem Verkehrstod zu schützen. Die Kunststoffteile kamen heiß aus der Anlage und liefen zur Abkühlung über die Reifen.“

Museum soll Fund bekommen

Vergessen hat Ernst König die Reifen auch nach dem Aus der Kunststoff-Fabrik und dem Tod seines Freundes nicht: „Ich bin zum neuen Eigentümer der ehemaligen Kunststoff-Firma, einem landwirtschaftlichen Lohnunternehmer,  gegangen und habe nach den vier Reifen gefragt.“ Zum Glück hätte der sie noch nicht entsorgt gehabt. „Die Reifen lagen noch an der Ecke. Für zehn Euro“, freut sich Ernst König, „hat der Lohnunternehmer Maurice  Laudage aus Rimbeck mir die Reifen verkauft“.

Der Baumaschinen-Händler will die Räder jetzt einem englischen Museum übergeben. Ernst König: „Ich werde ein britisches Kriegsmuseum ausfindig machen, dass die Reifen ausstellt.“ Und damit handelt er wie stets nach seinem Lebensmotto: „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!“

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