LWL stellt neue Broschüre mit wichtigsten Erkenntnissen der Archäologen vor
Die Holsterburg auf 36 Seiten

Warburg (WB). Die Altertumskommission für Westfalen hat eine neue Broschüre über die Holsterburg herausgegeben. Die Inhalte des 36 Seiten starken Heftes stammen aus er Feder der Archäologen Dr. Hans-Werner Peine und Kim Wegener. 1500 Exemplare sind zunächst in einer ersten Auflage gedruckt worden. Die Broschüre (3,50 Euro) kann im Buchhandel bestellt werden.

Mittwoch, 13.05.2020, 08:26 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 08:28 Uhr
Kim Wegener ist einer der Autoren der neuen LWL-Publikation über die Holsterburg. Die 36 Seiten starke Broschüre ist für 3,50 Euro im Buchhandel erhältlich und wendet sich auch an interessierte Laien. Wegener hat jahrelang an der Ruine geforscht. Foto: Jürgen Vahle
Kim Wegener ist einer der Autoren der neuen LWL-Publikation über die Holsterburg. Die 36 Seiten starke Broschüre ist für 3,50 Euro im Buchhandel erhältlich und wendet sich auch an interessierte Laien. Wegener hat jahrelang an der Ruine geforscht. Foto: Jürgen Vahle

Dr. Hans-Werner Peine und Kim Wegener haben beide mehrere Jahre an der Holsterburg gegraben und anschließend in Münster im Büro die Funde und Befunde aus der einzigen achteckigen Burg in Westfalen und einer der ungewöhnlichsten Burganlagen in Europa dokumentiert. Der Erhaltungszustand und die Qualität der baulichen Überreste der achteckigen Niederungsburg bei Calenberg sowie ihr Forschungsstand gelten europaweit als einzigartig. Das wird auch in einem Video deutlich, das der LWL produziert hat.

Sieben Jahre gegraben

In sieben Jahren Grabungen haben die Forscher detaillierte Erkenntnisse zu Anlage, Funktion und Nutzung der Burg gewonnen, die gerade auch touristisch erschlossen wird . All das soll noch in einer deutlich größeren wissenschaftlichen Dokumentation zusammengefasst werden. Die jetzt erschienene Broschüre, die 43. Ausgabe der Schriftenreihe „Frühe Burgen in Westfalen“, ist eine Art verkürzte Zwischenbilanz und auch für den interessieren Laien als Führer aufgelegt worden.

So soll die Holsterburg einst ausgesehen haben.

So soll die Holsterburg einst ausgesehen haben. Foto: LWL

Die um die Mitte des 12. Jahrhunderts errichtete Burg der Edelherren von Holthusen ragt aufgrund ihrer Bauform und ihrer Bauausführung bis heute aus der mittelalterlichen Burgenlandschaft in Deutschland und Nordeuropa deutlich heraus. „Sie spielt im Konzert der Bauten der ganz Großen mit“, berichtet Kim Wegener.

„Überhügelung“ hat die Ruine erhalten

Die gute Qualität der Holsterburg-Ruine hänge mit der Konservierung durch die „Überhügelung“ der Anlage zusammen, nachdem die Holsterburg 1294 zerstört worden war. Die außergewöhnliche Form des Oktogons mit seiner monumentalen Fassade aus großen, fein geglätteten Quadern führe nach Einschätzung des Experten dem Betrachter noch heute „eindrucksvoll die Reste einer ausdrucksstarken mittelalterlichen Wohn- und Wehrarchitektur vor Augen: Sie zeugt vom Selbstverständnis, Statusdenken und von der Stellung der Burgherren“, heißt es im Begleittext zur Broschüre.

Die Herren der Burg waren auch die Herren des Ortes Holthusen. Die Reste des Dorfes finden sich neben der Ruine unter einem Acker, wo gerade der Raps blüht. Reste von etwa 60 Hofstellen, Wohnort von mehr als 200 Menschen, werden dort nach geoelektrischen Untersuchungen der Universität Bochum vermutet. Nach Holthusen ist aber bis heute noch nicht gegraben worden.

Jahrhunderte war die Burg unter einem Erdhügel verborgen.

Jahrhunderte war die Burg unter einem Erdhügel verborgen. Foto: LWL

Allein die Mauern der Holsterburg ragten damals mehr als elf Meter in die Höhe. Heute stecken die ersten vier Meter der Wände tief in der Erde. Was noch zu sehen ist, ist der mittlere Teil der Anlage, die einst hinter den Mauern drei Gebäude beherbergte.

Reich bebildertes Heft

Die Nachteile der Lage in einer Niederung – gegenüber den Höhenburgen des Diemelraumes – glich die Holsterburg durch ihre repräsentative Außenwirkung aus. „Trotz ihrer vergleichsweise geringen Größe erforderte der Bau einen außerordentlich hohen Kapitaleinsatz. Er zeigte, dass die Edelherren von Berkule keine Kosten und Mühen scheuten, ihre Machtposition im Diemelraum auch in Form eines herausragenden Bauwerkes zu unterstreichen“, wird Dr. Hans-Werner Peine in einer Pressemeldung zitiert.

Das neue Heft ist reich bebilderte und als Führer konzipiert: Es beschreibt die Anfahrt zur Ruine, die Lage an einer alten Fernstraße und den Bezug zu der wüst gefallenen Siedlung Holthusen. Informationen aus den überlieferten Schriften zur Burg und ihren Besitzern schließen sich an. Die besondere Bauweise wird dargestellt, Mauerzüge, Bauphasen und Funde machen die Geschichte der Anlage wieder sichtbar.

Mehrere Schriften befassen sich mit Warburger Anlagen

In der Heftreihe „Frühe Burgen in Westfalen“ gibt es bereits einige Ausgaben aus dem Warburger Raum, so eine Broschüre über den Desenberg, die Wallanlage auf dem Gaulskopf bei Ossendorf und die jungsteinzeitlichen Befestigungsanlage bei Rimbeck. Eine Arbeit über den Warburger Burgberg (Burgfriedhof) ist geplant.

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