Victorine-Charlotte Charvin: eine Wohltäterin für die Hansestadt
Kindergarten trägt ihren Namen

Warburg (WB). Sie war eine Wohltäterin für die Benachteiligten und die Kinder in Warburg: Um das Porträt von Victorine-Charlotte Charvin, geb. Fischer, geht es in einer neuen Folge unsere Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

Sonntag, 17.05.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 17.05.2020, 09:50 Uhr
Ein frühes Porträt von Victorine-Charlotte Charvin, geb. Fischer. In welchem Jahr es gemacht wurde, ist nicht bekannt. Foto: Stadtarchiv Warburg
Ein frühes Porträt von Victorine-Charlotte Charvin, geb. Fischer. In welchem Jahr es gemacht wurde, ist nicht bekannt. Foto: Stadtarchiv Warburg

Am 17. Januar 1862 starb in Paris die äußerst wohlhabende Madame Victorine-Charlotte Charvin. Geboren worden war sie am 1. August 1799 in Warburg als älteste Tochter des Juristen Philipp Fischer. Ihre Eheschließung hatte sie aus ihrem Elternhaus an der heutigen Hauptstraße zunächst nach Kassel und dann in die französische Metropole geführt. Beerdigt wurde sie auf dem Friedhof Pere Lachaise in Paris. Dass der Warburger Kindergarten Hinter der Mauer Nord „Charvinstift“ heißt, erinnert an ihr Engagement als Wohltäterin für die Benachteiligten und die Kinder ihrer Geburtsstadt.

Pierre Charvin, wohl 1784 als Sohn eines Steuereinnehmers in Savoyen geboren, war während der Zeit der französischen Herrschaft nach Kassel gekommen. Er hatte zunächst als Buchhalter, dann als Direktor eines Hotels gearbeitet, das im Erbgang an ihn überging. Aus dem Verkaufserlös des Hotels errichtete er eine Warmbadeanstalt in der Nähe der Fulda.

Nach Familienüberlieferungen machte ihn ein Bekannter auf die junge Warburgerin aufmerksam. Sein Werben war erfolgreich: Am 1. Mai 1821 wurde aus Anna Maria Victoria Charlotte Fischer dann Madame Charvin. Schon bald verlegte das Ehepaar seinen Wohnsitz von Kassel nach Paris, wo der Onkel des Ehemannes eine Erbschaft in Aussicht gestellt hatte. Der Erbfall trat 1827 ein. Das Vermögen bestand unter anderem aus mehreren Landgütern und soll laut Familienüberlieferung einen Gesamtwert im deutlichen zweistelligen Millionenbereich gehabt haben.

Bruder Heinrich war seit 1843 Warburgs Bürgermeister

Bereits 1840 war Victorine Charvin Witwe geworden, ihre vier Kinder starben vor der Mutter. Nach ihrem Tode erbten ihre beiden Enkelkinder und ihr Bruder Robert, der seit 1842 ebenfalls in Paris lebte, aber in Warburg und Umgebung über umfangreichen Besitz verfügte, das Vermögen.

Immer wieder hatte sich Victorine Charvin aus der französischen Hauptstadt auf den Weg in ihre Geburtsstadt gemacht. Besonders eng war der Kontakt zu ihrem Bruder Heinrich, der hier seit 1843 Bürgermeister war.

Großzügig bedacht wurden die Armen der Stadt und das Krankenhaus

Sie stiftete den Kreuzweg am Burgberg und sorgte für die Renovierung der Krypta der Burgkapelle, gab unter anderem das Geld für eine neue Orgel in der Neustadtkirche und begründete testamentarisch das Charvinstift, ein Heim für mittellose Frauen und ein Schulgebäude für die Mädchen der Neustadt, das bis 1968 am Gebrüder-Warburg-Platz stand und zuletzt als Kindergarten gedient hatte. Großzügig bedacht wurden wieder und wieder die Armen der Stadt und das Krankenhaus.

Zur Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ hat das WESTFALEN-BLATT die neue Serie „Ein Foto – und seine Geschichte“ gestartet. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen.

Viel Freude beim Lesen!

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Ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod würdigte der Altstädter Pfarrer und Lokalhistoriker Ludwig Hagemann sie mit den Worten: „Solange Warburg bestehen bleibt, wird man den Namen dieser edlen Frau, der die Stadt Warburg so viel verdankt, mit Liebe, Ehrfurcht und Dankbarkeit nennen.“

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