Corona: Fehlende Gäste machen dem Freizeitzentrum in Warburg zu schaffen
Kirchberghof kämpft ums Überleben

Warburg (WB). Die Zukunft des Kirchberghofes ist ungewiss. Das christliche Freizeitzen­trum in Warburg-Herlinghausen kämpft ums Überleben. Die Lage ist ernst: Seit Mitte März gab es corona-bedingt keine Übernachtungsgäste mehr am Kirchberg 5.

Dienstag, 16.06.2020, 07:00 Uhr
Die FSJler Simone Kormann (links) und Norina Görlitzer (rechts) mit Hofleiterin Gaby Jansen hoffen, recht schnell wieder Gäste auf dem Kirchberghof, dem christlichen Freizeitzentrum in Warburg-Herlinghausen, begrüßen zu können. Foto: Astrid E. Hoffmann
Die FSJler Simone Kormann (links) und Norina Görlitzer (rechts) mit Hofleiterin Gaby Jansen hoffen, recht schnell wieder Gäste auf dem Kirchberghof, dem christlichen Freizeitzentrum in Warburg-Herlinghausen, begrüßen zu können. Foto: Astrid E. Hoffmann

Die hauptamtlichen Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit, Minijobs fallen weg. Für die fünf jungen Menschen, die dort aktuell ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren (FSJ), gab es ein paar Ausnahmeregelungen, damit sie ihren Abschluss machen können. Dennoch werde es ohne Einnahmen immer schwerer, die laufenden Ausgaben in den Griff zu bekommen. „Wir sind ein Gästebetrieb, davon leben wir“, sagt Hofleiterin Gaby Jansen.

Zeltlager abgesagt

Die bekannten und beliebten Zeltlager („camps4kids“) auf dem Kirchberghof mussten in diesem Jahr bereits abgesagt werden, wobei: „Die Camps sind unser Herzstück, Geld verdienen wir damit eher nicht“, erklärt Gaby Jansen. Doch gerade auch die FSJler wie Norina Görlitzer aus Lüdenscheid und Simone Kormann aus Würzburg hatten sich sehr auf die Kinder gefreut, und es wäre für sie auch ein Teil ihrer Arbeit auf dem Hof gewesen. Die Vorbereitungen dafür liefen schon seit November.

Der Kirchberghof verfügt über 62 Betten, verteilt auf vier Gästehäuser. Wo sonst Betriebsamkeit herrscht, Kinderstimmen den Hofraum füllen, sind jetzt die FSJler und ehrenamtlichen Helfer allein anzutreffen. Die Zeit ohne Gäste nutzen Gaby Jansen und ihr Team, um Renovierungen vorzunehmen. So wurden die Türen in einem Trakt komplett ausgebaut, geschliffen, gepinselt und wieder eingesetzt. Eine Rohrverstopfung wurde in Eigenregie beseitigt, die Außenanlagen in Schuss gebracht. „Das hat uns gut beschäftigt, aber es bringt natürlich keine Einnahmen. Positiv daran ist allerdings, dass unsere FSJler auch merken, was ihnen handwerklich liegt und Spaß macht“, freut sich Gaby Jansen über diesen Aspekt der Krise.

Belegungszahlen rückläufig

Die Belegungszahlen des Kirchberghofes waren schon im vergangenen Jahr rückläufig, daher hatte sich Anfang dieses Jahres ein sogenanntes Perspektiv-Team gegründet, um Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Etwa 22 Menschen aus dem Verein, aus dem Umfeld des Hofes und Freunde bringen ihre ganz unterschiedlichen Erfahrungen ein. „Die Belegungsproblematik trifft nicht unser Haus allein“, weiß die Leiterin. Kirchliche Gemeindefahrten für Kinder und Jugendliche stünden oft hinter Fahrten zu Sportveranstaltungen oder Sprachreisen ins Ausland zurück. Da hätten sich Wertigkeiten verschoben.

Um den Kirchberghof am Leben zu halten, werden Themen wie Organisation, Finanzen, Kerngeschäft, Öffentlichkeitsarbeit nun vom Perspektiv-Team in Videokonferenzen aktiv angegangen. Finanziell konnte durch die Soforthilfe des Landes NRW etwa ein Monat aufgefangen werden, ein weiterer Monat wurde finanziell durch Kurzarbeit, Einsparungen in allen möglichen Bereichen und Stundungen bewältigt. Dazu kamen viele kleine Spenden von Freunden, ehemaligen FSJlern und früheren Gästen. „Es ist toll zu sehen, wie viele Menschen in dieser Situation zu uns stehen“, ist Jansen dankbar für jeden Gabe.

Ende Juni sollen wieder Gäste kommen

Die Frage, wie der Kirchberghof wieder für Gäste da sein kann, treibt in Zeiten von Corona derzeit alle im Team um. Ende Juni soll eine Gruppe von 24 Personen wieder auf dem Hof übernachten können. „Das wird unsere Probegruppe, da werden wir sehen, wie wir mit allen Hygiene- und Abstandsregeln zurecht kommen.“, erläutert Gaby Jansen.

Jeder Gast bekommt ein Zimmer. Die Tische stehen auf Abstand, für das Frühstück gibt es zusätzlich ein Zelt, in dem ein Teil der Gruppe speisen kann. Inzwischen sind auch 15 Hygienespender installiert. Es gibt Putzpläne, so dass jeder sieht, wann beispielsweise die Dusche gereinigt wurde und somit benutzt werden darf.

Aufenthalt ohne Programm

Ein Programm während des Aufenthalts wird es allerdings nicht geben. Die Plätze ums Lagerfeuer wurden aufgeteilt. Eine Gruppe darf an der Feuerstelle Platz nehmen, die andere sitzt auf der Wiese an einer Feuerschale, die für diesen Zweck zur Verfügung gestellte wurde. „So kommt für die Gäste doch ein bisschen Normalität in den Aufenthalt“, sagt die Hofleiterin.

Nach und nach, so Gaby Jansen, müsse nun überlegt werden, was auf dem Kirchberghof zukünftig angeboten werden kann: „Dabei müssen sich die Gäste auch sicher fühlen. Die Einhaltung der corona-bedingten Regeln ist ein wichtiger Faktor.“ Das Hofcafé bleibt noch geschlossen. Zunächst muss der Gästebetrieb wieder anlaufen.

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