Filltech befüllt CO2-Zylinder für Trinkwassersprudler – Markt wächst rasant
Warburger geben Gas

Warburg (WB). Sie haben die richtige Nische gesucht – und gefunden: Die Filltech GmbH aus Warburg entwickelte sich vom Spezialisten für Maschinen- und Sondermaschinenbau zum Dienstleister in der Befüllung von Gaszylindern. In der Sparte der 425-Gramm-Zylinder für Wassersprudler ist es nach eigenen Angaben das größte unabhängige Werk in Europa.

Dienstag, 30.06.2020, 08:21 Uhr aktualisiert: 30.06.2020, 08:24 Uhr
Ein Blick in die Produktion: 5000 Zylinder sollen in der letzten Ausbaustufe im Werk befüllt werden – pro Stunde. Bis zum Ende des Jahres 2021 sollen zudem etwa 20 weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Zurzeit zählt das Warburger Unternehmen 130 Mitarbeiter. Foto: Jens Distelberg
Ein Blick in die Produktion: 5000 Zylinder sollen in der letzten Ausbaustufe im Werk befüllt werden – pro Stunde. Bis zum Ende des Jahres 2021 sollen zudem etwa 20 weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Zurzeit zählt das Warburger Unternehmen 130 Mitarbeiter. Foto: Jens Distelberg

„Früher waren wir eine reine Lohnfertigung“, erklärt Geschäftsführer Florian Peine. Bis Ende der 1990er-Jahre verdiente die Firma, damals unter der Leitung von Florians Peines Vater Michael, vor allem mit dem Bau und Verkauf von Füllanlagen ihr Geld. „Dann dachte mein Vater: Ein eigenes Produkt muss her“, erinnert sich Florian Peine. 2002 wurde eine eigene Abfüllung für große CO 2 -Zylinder geschaffen. Doch ganz zufrieden war man damit nicht.

Vom regionalen Schmiedebtreib zum europaweit tätigen Abfüller

Die Wurzeln der Firma Filltech reichen bis ins Jahr 1910 zurück. Josef Brenke – Urgroßvater des heutigen Geschäftsführers Florian Peine – gründete das Unternehmen unter dem Namen Brenke Schmiedebetrieb. Zwei Mitarbeiter waren damals noch am Standort in Borgentreich-Rösebeck tätig. 1965 wurde die Produktion nach Warburg-Daseburg verlagert und zur Dreherei ausgebaut. 1984 trat Michael Peine, Vater des heutigen Geschäftsführers, die Firmennachfolge an. 1998 wurde dann – parallel zum bestehenden Unternehmen – die Filltech GbR gegründet. Zunächst wurden Füllmaschinen entwickelt und weltweit vertrieben. Im Jahr 2000 wurde die Filltech GbR in die heutige GmbH umfirmiert, kurz darauf traten Peines Söhne Christian und Florian in das Unternehmen ein. Seit 2002 befüllt Filltech Zylinder, seit 2004 in Warburg. 2007 zog Filltech in eigene Räumlichkeiten im Warburger Gewerbegebiet Oberer Hilgen­stock um. Florian Peine übernahm 2014 die Geschäftsführung, sein Bruder Christian ist als Prokurist tätig. Mehrfach wurde die Produktion ausgebaut, Ende März 2020 folgte der Spatenstich für ein 2000 Quadratmeter großes Distributionslogistikzentrum und einen 400 Quadratmeter großen Bürobau.

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„Befüllt haben wir anfangs vor allem Zehn-Kilo-Zylinder für Gaststätten“, erklärt Peine. Dieser Markt sei aber eher lokal begrenzt. Zudem verursachten die Transporte der schweren Kartuschen hohe Kosten. Filltech spezialisierte sich fortan auf deutlich kleinere Einheiten: 425-Gramm-Zylinder, die vor allem für heimische Trinkwassersprudler benötigt werden. Damit trafen die Warburger einen Nerv. Seitdem befüllen sie Zylinder für diverse Eigenmarken bekannter Unternehmen.

Marktsättigung nicht in Sicht

„Die erste große Sprudlerwelle kam zu Beginn der 2000er-Jahre“, erklärt Florian Peine. „Diese Welle war stark. Aber sie hielt nicht lange an. Sie war wie ein Tsunami. Nun aber sind wir mitten im Hochwasser.“ Vor etwa drei Jahren sei der Markt wieder stark angezogen – seit etwa zwei Jahren nahezu exponentiell. Eine Sättigung sei nicht in Sicht, erklärt Peines Bruder Christian, der im Unternehmen als Prokurist tätig ist.

So sorge vor allem das zunehmende Umweltbewusstsein für einen steigenden Absatz der heimischen Trinkwassersprudler. Immer mehr Kunden wollten zum Beispiel weg von Wasser aus Plastikflaschen. Zudem sei das Sprudeln zu Hause bequem: Das Schleppen von Kisten oder Trägern entfalle, denn das Trinkwasser komme direkt aus dem Hahn. Das machten sich auch andere Wirtschaftszweige zu nutze – etwa Küchenhersteller, die Sprudler in ihre Produkte einbauen.

Mitunter sei es möglich, am Wasserhahn einfach einen Hebel umzulegen, um das Leitungswasser direkt sprudeln zu lassen. „Irgendwann wird das zum Standard erklärt“, sagt Florian Peine. „So wie heutzutage viele Menschen in der Küche einen Kaffeevollautomaten haben, werden viele einen Wassersprudler haben.“ Diese Entwicklung mache die Gaskartuschen universell nutzbar – und begehrt.

Ziel: Sieben Millionen Zylinder in 2020

Im vergangenen Jahr machte Filltech etwa 18 Millionen Euro Umsatz. Tendenz steigend. In 2020 sollen etwa sieben Millionen Zylinder befüllt werden. 14 Millionen Kartuschen, also die doppelte Menge, sollen es im Jahr 2021 sein. Mehrfach musste die Produktion erweitert werden. Der aktuellste Spatenstich war erst Ende März.

Das Unternehmen wächst: Unweit des Hauptsitzes (oben links) entstehen gerade zwei neue Gebäude (unten).

Das Unternehmen wächst: Unweit des Hauptsitzes (oben links) entstehen gerade zwei neue Gebäude (unten). Foto: Filltech

Angrenzend an die bestehenden Räumlichkeiten lässt Filltech ein neues, 2000 Quadratmeter großes Distributionslogistikzentrum und einen 400 Quadratmeter großen Bürobau erreichten. Für die Gebäude und die zugehörigen Anlagen werden acht Millionen Euro investiert.

Die Produktion soll dort ungefähr Ende August bis Anfang September anlaufen. In der letzten Ausbaustufe sollen bei Filltech dann 5000 Zylinder pro Stunde befüllt werden. Bis zum Ende des Jahres 2021 sollen zudem etwa 20 weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Zurzeit zählt das Warburger Unternehmen 130 Mitarbeiter.

Von Konkurrenzsituation profitieren

Einer der größten Konkurrenten des Warburger Unternehmens ist Sodastream, nach eigenen Angaben der Weltmarktführer in diesem Segment. Während unter dem Markennamen Sodastream neben Sprudelgeräten auch Karaffen oder Sirups in verschiedenen Geschmacksrichtungen verkauft werden, fokussiert sich Filltech weiter auf die Befüllung der Zylinder.

Ganz böse sind die Warburger daher nicht, wenn viele Sodastream-Geräte verkauft werden. „Umso mehr Zylinder werden ja auf dem Markt benötigt“, erklärt Florian Peine. Das wiederum komme Filltech zu Gute.

Die Brüder arbeiten daher schon an der nächsten Erweiterung des Unternehmens: „Wenn alles so weitergeht, dann sehen wir uns im nächsten Jahr zum Spatenstich wieder.“ Flächen dafür stünden zur Verfügung, etwa auf dem eigenen, 12.000 Qua­dratmeter großen Gelände. Für umliegende Flächen hat die Firma ein Vorkaufsrecht. Dort kann Filltech weiter Gas geben.

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