1910 begann der Probebetrieb an der ehemaligen Volksschule
Als es Zeit für Uhren wurde

Warburg (WB). Nicht mehr wiederzuerkennen ist heute das Gebäude, das auf diesem Foto im Hintergrund zu sehen ist. Es handelt sich um die ehemalige Volksschule an der Bernhardistraße in der Warburger Altstadt. Von ihrer Geschichte und einer ganz besonderen Uhr handelt die nächste Folge unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

Freitag, 10.07.2020, 17:03 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 17:50 Uhr
Eine Uhr mit Pausensignal für die Altstadtschule: Vermutlich im Jahr 1910 entstand dieses Foto. Anlass war wohl, dass der neue elektrische Zeitmesser, der selbst im weit entfernten Köln Beachtung fand, vorgestellt wurde. Foto: Stadtarchiv Warburg
Eine Uhr mit Pausensignal für die Altstadtschule: Vermutlich im Jahr 1910 entstand dieses Foto. Anlass war wohl, dass der neue elektrische Zeitmesser, der selbst im weit entfernten Köln Beachtung fand, vorgestellt wurde. Foto: Stadtarchiv Warburg

Erbaut wurde das Haus 1898. In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde sie umgebaut. Zuletzt war dort die Eisenhoit-Schule untergebracht. Sie wurde bekanntlich 2017 geschlossen. Was mit dem Gebäude langfristig geschehen soll, ist noch unklar.

Unmittelbarer Anlass für das hier gezeigte Foto dürfte die elektrische Uhr über dem Eingang zur Schule sein, eine absolute Neuheit in der Stadt. Im März 1910 hatte ein Vertreter der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) in Berlin Warburgs Bürgermeister Franz von Schildt das Projekt vorgeschlagen. Auf ein Jahr wollte man der Stadt die Hauptuhr und fünf Nebenuhren kostenlos überlassen. Die Anschlüsse an das kommunale Lichtwerk hatte allerdings Warburg zu leisten.

Kölner Zeitung berichtet

Die Technische Kommission der Stadtverordnetenversammlung beschloss am 26. April 1910, die Nebenuhren an der Altstädter Schule, im Gymnasium und in den Schaufenstern des Konditors Blome an der Sternstraße, bei Hermann Meyer an der Ecke Hauptstraße/Marktstraße (heute: Hauptstraße 61) und bei Tischlermeister Wegener (Sternstraße 1) anbringen zu lassen. Die Hauptuhr wurde im Rathaus zwischen den Städten im Dienstzimmer des Bürgermeisters aufgebaut.

Die beiden für die Schule bestimmten Uhren hatten einen Zifferblattdurchmesser von je 50 Zentimeter und waren mit Signalanlagen ausgestattet, die die Pausen markieren konnten.

Die probeweise Einführung elektrischer Uhren in Warburg fand auch über die Stadt hinaus Interesse, was ein entsprechender Artikel in der Kölnischen Volkszeitung vom 23. April 1910 beweist.

„Eine große Spielerei“

Im Spätherbst des nächsten Jahres erklärte sich die Stadt bereit, die Uhren trotz einiger Mängel weiterhin in Betrieb zu halten. Stadtchronist Fritz Quick schrieb allerdings über dieses Projekt: „Das war eine große Spielerei, die bald aufhörte. Die Turmuhren wurden ebenfalls durch die Normaluhr vom Rathaus aus in Betrieb gesetzt. Diese Anlage ist gut.“

Für heutige Betrachter besonders interessant dürfte die Kinderschar vor der Schule sein, die sich in der äußeren Erscheinung deutlich von heutigen Verhältnissen unterscheidet. Die Bekleidung zum Beispiel wirkt nahezu uniform. Kopfbedeckungen tragen nahezu alle Jungen und Mädchen, die meisten Mädchen wurden mit einem Überkleid in die Schule geschickt.

Das kleine Kind ganz rechts mit Kappe, Kittel, langen Strümpfen und derben hohen Schuhen war sicherlich noch nicht schulpflichtig. Dem Fotografen hatten sich um 16.15 Uhr an einem nicht näher zu bestimmendem Tag allerdings nur ein Teil der rund 300 Schülerinnen und Schüler der Altstädter Schule gestellt.

Über die Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ hat das WESTFALEN-BLATT die neue Serie „Ein Foto – und seine Geschichte“ gestartet. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen.

Viel Freude beim Lesen!

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7489065?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
Komiker Karl Dall im Alter von 79 Jahren gestorben
Karl Dall ist tot.
Nachrichten-Ticker