Jahrestag des Hitler-Attentats: Gedenken an Opfer des Nazi-Widerstands und das Kriegsende vor 75 Jahren
Appell zur Verständigung und Versöhnung

Warburg (WB). Das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 jährt sich zum 76. Mal – und damit auch die Ermordung des ehemaligen Marianers und Widerstandskämpfers Josef Wirmer. Vor 75 Jahren endete am 8. Mai der Zweite Weltkrieg in Europa. Bereits vor 82 Jahren wurde Wilhelm Emanuel Freiherr von Kettler, ebenfalls ein Schüler des Gymnasiums Marianum, ein Opfer der Nationalsozialisten. Zum Gedenken an diese drei Ereignisse fanden sich am Montag etwa 60 Teilnehmer an der Josef-Wirmer-Leuchte am Brüderkirchhof ein.

Montag, 20.07.2020, 21:00 Uhr
Stellvertretender Landrat Heinz-Günter Koßmann (links) und Bürgermeister Michael Stickeln hielten die Gedenkreden zum 20. Juli an der Wirmer-Gedächtnisleuchte. Foto: Astrid E. Hoffmann
Stellvertretender Landrat Heinz-Günter Koßmann (links) und Bürgermeister Michael Stickeln hielten die Gedenkreden zum 20. Juli an der Wirmer-Gedächtnisleuchte. Foto: Astrid E. Hoffmann

Der Stellvertretende Landrad Heinz-Günter Koßmann und Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln legten einen Kranz nieder. Gitarrist Gregor Lisson und Pfarrer Johannes Insel an der Violine umrahmten die Gedenkstunde mit tragender Musik.

Für ein menschlicheres Deutschland

„Wir erinnern uns an diesem Tage an die Männer und Frauen, die in der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte selbstlos ihr Leben für ein anderes, ein besseres, ein menschlicheres Deutschland riskiert und gegeben haben“, sagte Stickeln. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges, verwies er auf die Interpretation dieses Tages als „Befreiung vom Nationalsozialismus“. Diese Worte hatte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1920 - 2015) vor 30 Jahren geprägt.

Landrat Friedhelm Spieker weilt derzeit in Urlaub. Sein Stellvertreter Heinz-Günter Koßmann richtete Grüße aus. Koßmann lehnte seine Rede an Worte des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer (1876 - 1967) an: „Frieden und Freiheit waren für Adenauer von grundlegender Wichtigkeit für die Gesellschaft. Für uns Deutsche sind sie, Gott sei Dank, fast schon eine Selbstverständlichkeit. Schließlich leben wir in diesem Land seit 75 Jahren im Frieden.“ Im Frieden, aber nicht in Freiheit, hätten die Bürger der DDR gelitten, auch das dürfe nicht vergessen werden.

Erinnerungsarbeit von Lehrern und Schülern gelobt

„Viele Menschen, auch im Kreis Höxter, haben Angehörige verloren, wurde aus ihrer Heimat vertrieben oder haben so grausame Dinge erlebt, dass sich diese Erinnerungen tief in ihre Seele eingebrannt haben.“ Er lobte die in Warburg geleistete Erinnerungsarbeit und dankte für das Engagement der Lehrer und Schüler des Gymnasiums Marianum. Koßmann erwähnte auch die Arbeit des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, die mit ihrem Tun Verständigung, Versöhnung und Frieden unter den Menschen und Völkern fördern wollen.

Zu der gerade von Deutschland übernommenen EU-Ratspräsidentschaft wünschte sich der Höxteraner: „Lassen Sie uns diese Erinnerungskultur gemeinsam an unsere Kinder weitergeben, damit Frieden und Freiheit weiterhin den Nährboden für unsere europäische Heimat bilden.“

Bürgermeister Michael Stickeln ging auf die mutigen Taten von Josef Wirmer (1901 - 1944) und Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler (1906 - 1938), die ihr Leben für unser Land ließen, ein. Er hatte von Anton Wirmer, dem Sohn Wirmers, eine Rede erhalten, die dieser bei der Stuttgarter Stauffenberg-Gedächtnis-Vorlesung im Jahr 2019 gehalten hatte.

Rechtsradikalem Gedankengut entgegen treten

Stickeln zitierte daraus einige der letzten Worte von Josef Wirmer. „Der Widerstand von damals mahnt uns, nach den Gründen zu forschen, warum rechte und besonders rechtsradikale Parolen bei einer zunehmenden Zahl von Bürgern wieder Gehör finden. Nutzen wir alle Möglichkeiten, tun wir genügend dafür, diesem Gedankengut entgegen zu treten?“, fragte er.

Zum Abschluss ging das Stadtoberhaupt auf die Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein und schloss sich dessen eindringlichem Appell an: „Der 8. Mai war nicht das Ende der Befreiung – Freiheit und Demokratie sind vielmehr sein bleibender Auftrag, unser Auftrag!“

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