450.000 Euro teure Umgestaltung des Holsterburg-Areals ist beendet
Warburgs nächstes „historisches Juwel“

Warburg (WB). Nach sieben Jahren Forschungs- und Sicherungsarbeiten sind die Ruine der Holsterburg sowie das neu gestaltete Umfeld der Anlage am Dienstag der Öffentlichkeit übergeben worden. Wegen der Corona-Krise gab es statt eines Bürgerfestes nur einen kleinen Festakt.

Dienstag, 04.08.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 08:38 Uhr
Landesarchäologe Professor Michael Rind, Bürgermeister Michael Stickeln und Grabungsleiter Kim Wegener (von links) haben die Holsterburg am Dienstag in kleinem Kreis für die Öffentlichkeit freigegeben. Sieben Jahre war dort geforscht und gebaut worden. Foto: Jürgen Vahle
Landesarchäologe Professor Michael Rind, Bürgermeister Michael Stickeln und Grabungsleiter Kim Wegener (von links) haben die Holsterburg am Dienstag in kleinem Kreis für die Öffentlichkeit freigegeben. Sieben Jahre war dort geforscht und gebaut worden. Foto: Jürgen Vahle

Eine Anlage wie die Holsterburg ist nördlich der Alpen bislang noch nicht entdeckt worden. Es handelt sich um die Reste einer achteckigen Niederungsburg, die von den Edelherren von Berkule im Jahr 1191 zwischen Warburg und Calenberg errichtet worden ist. 1294 lehnten sich von den Burgherren unterdrückte Warburger Bürger mit Hilfe des Paderborner Bischofs auf und zerstörten die Festung. Heute sind die Reste der Burg und das gestaltete Umfeld für Besucher über den Diemelradweg und den neuen Wanderweg „Schmetterlingssteig“ gut erreichbar.

Zentralheizung und ein Kamm aus Elfenbein

Die Burgruine weist viele Besonderheiten auf, die in der Burgenforschung noch nicht bekannt waren. So hatte die Anlage neben der besonderen Form auch eine Zentralheizung, die mit Holz gefeuert wurde. Es wurde bei den Grabungen auch ein Kamm aus Elfenbein gefunden, der so in Europa nur an ganz wenigen Orten entdeckt wurde. Auch Reste eines Wurfspiels und Münzen tauchten auf.

Dass es sich aber um ein so einmaliges Bauwerk handelt, war zu Beginn der Untersuchungen noch nicht klar. Schicht für Schicht haben die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) um Dr. Hans-Werner Peine und Grabungsleiter Kim Wegener ihre Geheimnisse freigelegt. Ihre Ergebnisse erregten zunächst in der Fachwelt viel Aufsehen.

„Eine Supergrabung und ein Superfund“

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde die Anlage spätestens, als das ZDF in der Terra-X-Reihe „Supergrabungen“ darüber berichtete. „Die Holsterburg ist auch tatsächlich eine Supergrabung gewesen – und ein Superfund“, berichtete der Landesarchäologe für Westfalen, Professor Michael Rind.

Freigabe der Warburger Holsterburg

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Dass es an dieser Stelle die Reste einer Burg gibt, war in Warburg kein Geheimnis – jedenfalls nicht bei der Familie Rasche aus Calenberg, der die Parzelle mit dem markanten Grashügel seit Generationen gehörte. „Mein Opa Karl und mein Vater Karl-Heinz Rasche, aber auch meine Großmutter haben immer von einer alten Burg erzählt“, berichtete Nils-Jendrik Rasche. Wegen der vielen Steine im Untergrund war die Parzelle nur als Grasland nutzbar.

Familie tauscht Burg-Parzelle gegen anderes Landstück

„Die Grabungsarbeiten hat die Familie in der Vergangenheit voll unterstützt“, bedankte sich Bürgermeister Michael Stickeln. Karl-Heinz Rasche hat die Parzelle mittlerweile auf Bitten der Stadt gegen ein anderes Landstück getauscht. „Zu üblichen Konditionen“, lobte der Bürgermeister.

Nach Abschluss der archäologischen Arbeiten gab es eine politische Diskussion, was aus der Anlage werden soll. Es gab den Vorschlag, sie wieder unter der Erde zu begraben oder nur einen kleinen Teil unter Glas sichtbar zu lassen. Der Warburger Stadtrat entschied sich 2018 auf Vorschlag des Bürgermeisters allerdings einstimmig für eine andere und auch weitaus teurere Lösung. Dafür bedankte sich Michael Stickeln am Dienstag noch einmal bei den Vertretern der Ratsfraktionen, dass sie den Wert des nächsten historischen Juwels erkannt hätten.

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