Gütersloher Unternehmen war bis 1994 in der Stadt ansässig
Als Vossen nach Warburg kam

Warburg (WB). Aus dem reichhaltigen Fundus des Altstädter Fotografen Erich Kesting stammt das nächste Foto unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“. Aufgenommen wurde es mit hoher Wahrscheinlichkeit im Dezember 1959, deuten doch die Tischdekoration und die mit Tannenzweigen geschmückten Geschenkverpackungen auf eine Weihnachtsfeier hin.

Samstag, 15.08.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 15.08.2020, 05:03 Uhr
Wahrscheinlich 1959 wurde dieses Foto aufgenommen. Es zeigt die erste Weihnachtsfeier der Belegschaft in Warburg. Damit beginnt die 35-jährige Geschichte des Frottierbetriebs in der Stadt, die 1994 zu Ende gegangen ist. Foto: Erich Kesting
Wahrscheinlich 1959 wurde dieses Foto aufgenommen. Es zeigt die erste Weihnachtsfeier der Belegschaft in Warburg. Damit beginnt die 35-jährige Geschichte des Frottierbetriebs in der Stadt, die 1994 zu Ende gegangen ist. Foto: Erich Kesting

Das Foto zeigt nicht nur eine kleine Feierlichkeit, sondern dokumentiert auch die Anfänge der Vossen-Niederlassung in Warburg. Mit einem Zweigwerk war das Gütersloher Unternehmen fast 35 Jahre in Warburg ansässig.

Provisorische Unterkunft im „Stern“

Begonnen hatte man im kleinen Rahmen und in einer provisorischen Unterkunft. Im November 1959 startete in einem ehemaligen Finanzamtsraum im „Stern“ die Produktion. Bei dem Raum handelte es sich um den ehemaligen Kassenraum im Erdgeschoss des altehrwürdigen Hauses. Heute ist an gleicher Stelle die Abteilung Vor- und Frühgeschichte des Museums untergebracht.

Zum Stammpersonal gehörten 20 Frauen. Sie nähten Waschlappen und Bademäntel und sollten in einem weiteren Schritt noch anzuwerbende Arbeitskräfte ausbilden. Bereits im Februar des nächsten Jahres wurden 20 weitere Arbeitsplätze geschaffen. Vossen war zu diesem Zeitpunkt die größte Frottierweberei in Europa.

Erfolgsgeschichte beginnt 1925 in Gütersloh

Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte 1925 in Gütersloh. Ziel des Unternehmens war es, aus dem damaligen Luxusgewebe Frottier für jedermann erschwingliche Gebrauchsartikel zu machen. 1936 zählte der Betrieb bereits 400 Mitarbeiter. Ab 1951 stand der Haus- und Bademantel aus Frottier auf der Produktpalette. Im Zuge der Expansion des Unternehmens wurden Zweigwerke in Warburg, Niedermarsberg und im österreichischen Jenneresdorf gegründet.

In Warburg blieb es nicht lange bei der provisorischen Unterbringung im „Stern“. Am 22. Oktober 1960 konnte das neu errichtete Vossen-Werk am Oberen Hilgen­stock seiner Bestimmung übergeben werden. Bereits Ende 1961 waren bei Vossen 150 Arbeitsplätze besetzt. 1970 waren 250 Belegschaftsmitglieder zu verzeichnen. Damals wurden täglich rund 2000 Bademäntel und Kleider gefertigt. Die Zuschnitte kamen per Lkw vom Gütersloher Werk, genäht wurde dann in Warburg, dann gingen die fertigen Produkte zurück nach Gütersloh.

1994 kam das Ende des Zweigwerkes

Vossen bot in erster Linie Arbeitsplätze für Frauen. Die Mitarbeiterinnen kamen nicht nur aus der Kernstadt, sondern auch aus dem Kreisgebiet und angrenzenden hessischen Gemeinden. 1994 kam dann das Ende des Zweigwerkes in Warburg, die Produktion wurde zum 31. März des Jahres eingestellt. Damit gingen die zuletzt noch verbliebenen 70 Arbeitsplätze verloren. 1997 ging die Firma Vossen in Konkurs. In Österreich wurde mit Hilfe einer Investorengruppe allerdings weiter produziert. Das Werk und die Marke bestehen dort heute noch.

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