Erika Wisker (74) soll in Warburg-Nörde/Hohenwepel antreten – und will von nichts gewusst haben
AfD-Kandidatin wider Willen

Warburg (WB). Als Erika Wisker (74) am Samstag vor zwei Woche den DESENBERG-BOTEN aufschlug, da traf sie fast der Schlag. Die pflegebedürftige Seniorin aus der Unterstraße in Warburg war dort als Kandidatin der AfD für die Kommunalwahl in den Amtlichen Bekanntmachungen aufgelistet. Im Wahlbezirk 14 (Nörde/Hohenwepel) soll sie für die rechts-populistische Partei auf Stimmenfang gehen. Doch für diesen Posten habe sie sich nie gemeldet, ärgert sich die Seniorin. Das sieht die AfD ganz anders und beteuert, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

Montag, 17.08.2020, 20:42 Uhr aktualisiert: 18.08.2020, 14:44 Uhr
Erika Wisker (74) aus der Unterstraße ist erbost, dass sie als Wahlkandidatin der AfD für Nörde und Hohenwepel aufgestellt worden ist. Das sei nie mit ihr abgesprochen worden, ärgert sich die Seniorin beim Blick in die Wahlunterlagen. Foto: Jürgen Vahle
Erika Wisker (74) aus der Unterstraße ist erbost, dass sie als Wahlkandidatin der AfD für Nörde und Hohenwepel aufgestellt worden ist. Das sei nie mit ihr abgesprochen worden, ärgert sich die Seniorin beim Blick in die Wahlunterlagen. Foto: Jürgen Vahle

„Wie komme ich auf diese Liste?“, fragte sich Erika Wisker immer wieder. Ihre Familie natürlich auch. Und langsam, aber sicher dämmerte es der Rentnerin, wie sich der Sachverhalt zugetragen haben könnte. Vor einigen Wochen habe sie ihr Nachbar Willi Lohmann eingeladen. Der Rentner kandidiert für die AfD in der Kernstadt. Man kennt sich seit Jahren. Beim ein oder anderen Gespräch war auch schon einmal Politik ein Thema. „Da habe ich ihm wohl gesagt, dass ich manche Ideen der AfD ganz gut finde“, berichtet die 74-Jährige.

„Ein netter Mann“

Als sie eine Einladung zu einem Treffen in Lohmanns Wohnung erhielt, habe sich die 74-Jährige zunächst nichts dabei gedacht, erzählt sie. Als Gäste seien auch AfD-Spitzenkandidat Norbert Senges und ein weiteres AfD-Mitglied anwesend gewesen. „Wir haben dann etwas über Politik und die AfD geredet. Und Norbert Senges hat mich um meine Unterstützung gebeten. Er wollte ja Bürgermeister werden und brauchte noch Unterschriften. Das ist ja so ein netter und redegewandter Mann. Da wollte ich nicht unhöflich sein“, berichtet Erika Wisker.

„Keine Brille auf“

Nach langem Hin und Her habe sie dann unterschrieben, „obwohl ich nicht einmal meine Brille dabei hatte“, erzählt sie. Am Ende sei es wohl keine Unterstützerliste für Norbert Senges als Bürgermeister, sondern ein Antrag auf eine Ratskandidatur in Nörde und Hohenwepel gewesen. Einen Durchschlag des Schreibens habe sie nicht bekommen.

Erst als der Warburger Wahlausschuss am 28. Juli getagt hatte und die Namen der Bewerber zunächst im WESTFALEN-BLATT und später in den Amtlichen Bekanntmachungen im DESENBERG-BOTEN veröffentlicht wurden, sei das Ganze aufgefallen. „Ich habe bald einen Schlaganfall bekommen“, erzählt die immer noch erboste Rentnerin.

Nie politisch aktiv

Sie sei in ihrem Leben noch nie politisch aktiv und in keiner Partei gewesen. Und in die AfD würde sie schon gar nicht eintreten. Zudem könne sie ein Ratsmandat schon aus gesundheitlichen Gründen gar nicht annehmen. Erst 2012 sei sie von Hofgeismar zu ihrer Tochter nach Warburg zur Pflege gezogen. „In Nörde und Hohenwepel kenne ich ja gar keinen“, berichtet sie.

AfD dementiert

Die AfD stellt den Sachverhalt hingegen ganz anders da. Erika Wisker sei aktiv auf die Partei zugekommen und habe sich als Kandidatin angeboten, berichtet Sprecher Peter Eichenseher. Ihr sei also kein Dokument „untergeschoben“ worden. Die Partei schlage ein klärendes Gespräch zwischen Norberts Senges und ihr vor. Die Reaktion, die Frau Wisker zeige, habe die Partei nach Veröffentlichung der Wahllisten aber schon zwei weitere Male im Kreis Höxter erlebt. „Unsere Kandidaten werden von Familie, Freunden oder dem Arbeitgeber angegangen und unter Druck gesetzt“, so der AfD-Sprecher weiter. Da müsse man schon beide Beine auf dem Boden haben, um das durchzustehen, berichtet Eichenseher.

Unterlagen geprüft

Was immer hinter der Ratskandidatur von Erika Wisker steckt: Rückgängig gemacht werden kann sie nicht mehr, berichtet Wahlleiter und 1. Beigeordneter Klaus Braun. Man habe die Unterlagen der AfD noch einmal geprüft. Die seien ebenso in Ordnung gewesen wie die Unterschrift. „Wie die Kandidatur zustande gekommen ist, wissen wir natürlich nicht“, sagt Klaus Braun.

In eine weitere rechtliche Auseinandersetzung mit der AfD will die Seniorin aus der Unterstraße nicht gehen. Aber auf Anraten der Familie werde sie die Öffentlichkeit suchen und „sagen, wie es gewesen ist“.

Dr. Ulrich Senkel genannt

Die AfD hat auch reagiert. Für den Wahlbezirk 14 gibt die Partei seit Freitag bei Facebook statt Erika Wisker nun Dr. Ulrich Senkel an. Helfen wird das nicht: Auf dem Wahlzettel, der am 13. September in Hohenwepel und Nörde ausgegeben oder der zuvor per Briefwahl verschickt wird, steht weiter Erika Wisker, Rentnerin, geb. 1945 in Hofgeismar.

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