Universität Osnabrück betreibt im Diemeltal Studie zur Renaturierung
Eine Schatzkiste voller Arten

Warburg (WB). Die Corona-Pandemie hat Ausflüge in die heimische Natur scheinbar wieder populär gemacht. Dass der Kreis Höxter dafür gute Ziele bietet, wissen die meisten. Dass direkt vor der eigenen Haustür aber eines der wichtigsten Schmetterlingsgebiete Europas liegt, wissen die wenigsten.

Montag, 31.08.2020, 05:00 Uhr
Magerrasen wie in Ossendorf seien die Perle des Kreises Höxter. „Ökologen aus ganz Europa wissen das, aber die Bürger nicht“, sagt Prof. Dr. Thomas Fartmann. Der Professor der Universität Osnabrück leitet an der Diemel eine Studie. Indem alte Magerrasenflächen renaturiert werden, soll dem Insektensterben Einhalt geboten werden. Dazu wird auch die Hilfe von Schafen benötigt. Foto: Josefa Reineke
Magerrasen wie in Ossendorf seien die Perle des Kreises Höxter. „Ökologen aus ganz Europa wissen das, aber die Bürger nicht“, sagt Prof. Dr. Thomas Fartmann. Der Professor der Universität Osnabrück leitet an der Diemel eine Studie. Indem alte Magerrasenflächen renaturiert werden, soll dem Insektensterben Einhalt geboten werden. Dazu wird auch die Hilfe von Schafen benötigt. Foto: Josefa Reineke

Das Diemeltal ist ausgezeichnet als eine von 22 „European Prime Butterfly Areas“ in Deutschland. Mehr als 100 verschiedene Tagfalter sollen dort leben.

Artenreichtum im Diemeltal

Grund für diesen Artenreichtum sind die Kalkmagerrasen. Die Universität Osnabrück hat zu diesen Flächen im Diemeltal nun eine Studie gestartet.

Die Magerrasenlandschaft entlang der Diemel ist „einzigartig im Nordwesten Deutschlands“, berichtet Christiane Sasse. Sie ist im Kreis Höxter vor allem als Regionalmanagerin für das Leader-Projekt bekannt. Darüber hinaus gilt sie auch als Expertin für das Biotop.

Vergleichbare Flächen fände man nur in Thüringen und Süddeutschland.

„Der Kalkmagerrasen ist wie eine Schatzkiste voller Arten“, so Sasse, „im Sommer duftet es hier wegen des Thymians und Oreganos mediterran.“ Durch Aufforstung und wenig Bewirtschaftung seien die Flächen jedoch in den letzten Jahren zunehmend verwuchert, weshalb die Artenvielfalt stark zurückging.

Forscher wollen Insektensterben stoppen

Die Forscher der Universität Osnabrück wollen dem Insektensterben Einhalt bieten, indem sie alte Magerrasenflächen renaturieren. Die Flächen sollen von Büschen und Sträuchern befreit werden. Dann wird das Mähgut aktiver Kalkmagerrasen-Flächen auf die alten übertragen. So können sich dort Samen ausbreiten.

„Im Anschluss sollen Schafe und Ziegen die Flächen beweiden. Damit wollen wir verhindern, dass die Böden wieder zuwachsen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Fartmann von der Universität Osnabrück, der die Studie leitet.

Im Frühjahr folgt Renaturierung von Flächen in NRW

„Mit den Maßnahmen haben wir schon im vergangenen Winter auf Flächen zwischen Liebenau und Langenthal begonnen. Im nächsten Jahr werden wir auch Insekten dort aussetzen.“ Nach ersten Ergebnissen sei die Vorgehensweise für die Renaturierung bereits zielführend. Weitere Ergebnisse erwartet der Professor, der mit fünf weiteren Doktoranden an der Studie arbeitet, im Frühjahr. Dann sollen auch Flächen in NRW renaturiert werden.

Das Vorhaben wird koordiniert von der Fachabteilung Landschaftspflege des Landkreises Kassel. Projektpartner sind die Landschaftsstation im Kreis Höxter und die Biologische Station Hochsauerlandkreis.

Gefördert wird es vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln vom Bundesumweltministerium und Geldern der Länder Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Studie läuft bis 2024

Insgesamt stehen der Studie 1,7 Millionen Euro zur Verfügung. Sie läuft noch bis 2024 und hat Modellcharakter: Von den Ergebnissen sollen Gebiete mit Magerrasen in ganz Deutschland profitieren. „Die Kalkmagerrasen haben nationale Bedeutung“, erklärt Fartmann. Darum würden die Osnabrücker ausgerechnet an der Diemel forschen.

Die Projektpartner erhoffen sich neben wissenschaftlichen Ergebnissen auch Vorteile für den Tourismus. Fartmann betont: „Magerrasen sind die Perle des Kreises Höxter. Ökologen aus ganz Europa wissen das, aber die Bürger vor Ort nicht.“

Sanfter Tourismus

Mehr Öffentlichkeitsarbeit wünscht sich auch Christiane Sasse. Sie hat bereits vor Jahren den Ecopfad-Muschelkalk entworfen, ein Rundwanderweg durch das ehemalige Muschelkalkmeer bei Körbecke.

„Mit der Eröffnung des Diemeltaler Schmetterlingssteig sind wir einen großen Schritt gegangen. Das ist aber nur der Anfang“, meint Sasse.

Da die Flächen unter Naturschutz stehen, hätten sich Wanderer aber auch an Regeln zu halten: „Die Natur soll natürlich erhalten bleiben, wir wollen einen sanften Tourismus betreiben. Das Ziel ist, Menschen auf die Bedeutung der Flächen aufmerksam zu machen.“

Erlebnis- und Wanderrouten können Interessierte auf www.kulturlandkreis.org finden.

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