CDU-Wirtschaftsexperte spricht vor 50 Warburger Unternehmern
Linnemann fordert mehr Mut

Warburg (WB). Dr. Carsten Linnemann aus Paderborn, eines der bekanntesten Gesichter der CDU in Deutschland, war am Montagnachmittag zu Gast bei der Warburger Firma Brauns-Heitmann. In der Kantine des Unternehmens sprach er vor 50 Vertretern der Warburger Wirtschaft über Folgen und Chancen der Corona-Pandemie. CDU-Bürgermeisterkandidat Tobias Scherf hatte zu diesem Meinungsaustausch eingeladen.

Montag, 31.08.2020, 21:30 Uhr aktualisiert: 31.08.2020, 21:50 Uhr
Warburger Spezialitäten für einen Paderborner: Bürgermeisterkandidat Tobias Scherf hat Dr. Carsten Linnemann auch eine Kostprobe des Warburger Biers als Geschenk übergeben. Zuvor wurde über die Folgen der Corona-Pandemie diskutiert. Foto: Jürgen Vahle
Warburger Spezialitäten für einen Paderborner: Bürgermeisterkandidat Tobias Scherf hat Dr. Carsten Linnemann auch eine Kostprobe des Warburger Biers als Geschenk übergeben. Zuvor wurde über die Folgen der Corona-Pandemie diskutiert. Foto: Jürgen Vahle

Krise trifft Mittelständler besonders schwer

Die Warburger Geschäftsleute sparten nicht mit Fragen und schilderten ihre Sorgen und Nöte. Wolfgang Linnenbrink (ehemaliger Eigentümer der Firma LiTW) machte deutlich, wie schwer die Krise Mittelständler trifft, vor allem diejenigen, die für die Automobilindustrie tätig seien. Er habe sein Unternehmen zum Jahresende mit gutem Gewissen und vollen Auftragsbüchern verkauft. „Aber die Aufträge sind abgearbeitet und es wird schwierig, neue zu bekommen. Ich mache mir Sorgen um die Mitarbeiter. Die fehlende Perspektive belastet – menschlich wie finanziell“, sagte Linnenbrink.

Da konnte Dr. Heribert Schlinker (Cineplex-Kino) nur zustimmen. „Ich war immer bestens in der Lage, Zinsen und Tilgungen für unser Kino zu zahlen. Aber wir können die Umsatzausfälle nicht mehr lange kompensieren“, sagte der Senior-Chef des Kinos.

Homeoffice verlangsamt Genehmigungsverfahren

Ein anderes Problem sah Joachim Thater (Ziegel und Beton Lücking Bonenburg). Die Baubranche laufe zwar ohne Einschränkung weiter. Aber „Homeoffice macht alles langsamer“, berichtete er mit Blick auf Genehmigungsverfahren.

Frank Dierkes (PRG) befürchtet die Gefahr, dass sich Mitarbeiter im Kurzarbeitergeld einrichten und nur noch schwer wieder für die reguläre Arbeit zu motivieren seien, wenn die Wirtschaft anziehe. Außerdem würden durch das Kurzarbeitergeld auch „Zombie-Firmen“ am Leben erhalten, die in Zukunft kaum eine Chance hätten.

Sorgenvoller Blick auf den „heißen Herbst“

Carsten Linnemann, Wirtschaftsexperte, Vorsitzender der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) und stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, kennt die Probleme aus vielen Gesprächen. „Bei mir rufen den ganzen Tag die Firmen an, die auf der Intensivstation sind“, berichtet er.

Und auch er blicke mit Sorge auf den „heißen Herbst“. Er geht davon aus, dass 270.000 Firmen Probleme hätten, offene Rechnungen zu bezahlen. Die Arbeitslosigkeit werde steigen, obwohl 60 Prozent der Staatshilfen, die in Europa gezahlt würden, in Deutschland fließen. „Aber wir müssen die Probleme lösen, statt sie mit staatlicher Hilfe zu verschieben“, sagt Linnemann.

Rückkehr zur „achtsamen Normalität“

So richtig der Lockdown gewesen sei, so wichtig sei es nun, zu einer „achtsamen Normalität“ zurückzukehren. „Wir wissen mittlerweile viel mehr über das Virus“, berichtet Linnemann, der sich erst kurz vor dem Besuch in Warburg mit dem bekannten Virologen Professor Dr. Hendrik Streeck getroffen hatte.

„Ich frage mich schon lange, ob jeden Abend in der Tagesschau die neuen Corona-Zahlen vermelden werden müssen. Wir sollten lieber sagen, wie gut wir in unseren Krankenhäusern sind“, sagt Linnemann. Von 38.000 Intensivbetten seien derzeit nur 240 mit Corona-Patienten belegt. Man müsse den Menschen die Angst nehmen – zum Beispiel davor, ins Kino zu gehen. Man stecke sich nicht im Kino oder beim Einkaufen an, sondern bei Familienfeiern, wo Alkohol fließe: „Das, was richtig Spaß macht, ist derzeit schwierig.“

Mehr Mut bei der Genehmigung von Veranstaltungen

Den Bürgermeistern empfahl er daher, mehr Mut bei der Genehmigung von Veranstaltungen zu zeigen und vieles unter „vernünftigen Bedingungen“ wieder stattfinden zu lassen. Als Beispiel nannte er den Kultursommer in Paderborn oder den Tivoli-Freizeitpark in Schloß Neuhaus. Auch die Tatsache, dass Verwaltungen ihren Service noch immer eingeschränkt hätten, kann Linnemann nicht verstehen. „Alle fahren hoch – auch die Kommunen müssen das.“

Der CDU-Bundespolitiker lehnt es weiter ab, die Zahlungen von Kurzarbeitergeld zu verlängern. Er berichtet von Firmen aus Baden Württemberg, die „in Deutschland runter- und in Osteuropa hochfahren“. Außerdem könne man nicht „so lange Geld ausgeben, bis das Virus besiegt ist“. Das werde nach Einschätzung des CDU-Wirtschaftsexperten womöglich bis 2023 dauern. Linnemann plädiert dafür, nur bestimmten, besonders betroffene Branchen wie der Veranstaltungsindustrie und der Gastronomie weiter auf diese Art zu helfen.

Deutschland steht wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand

Deutschland stehe erstmals seit der Zeit der Agenda 2010 wirtschaftlich wieder mit dem Rücken zur Wand. Das biete auch Chancen – beispielsweise im Arbeitsrecht, blickt Linnemann auch nach vorne. In der Coronazeit seien die Menschen hoch flexibel gewesen, hätten früh morgens oder auch am Abend gearbeitet, um tagsüber für die Kinder da sein zu können. „Das zeigt, was möglich ist.“ Man müsse auch die richtigen Lehren aus der Digitalisierung ziehen. Alle Anträge an Behörden müssten beispielsweise in Zukunft online möglich sein. „Die Chance ist da, etwas positiv zu verändern“, ist Linnemann sicher.

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