Landwirt Wolfram Müller-Lütken baut bunte Kartoffel-Vielfalt an
120 Sorten auf einem Acker

Warburg (WB). Wie viele Kartoffelsorten kennen Sie? Linda, Laura und Annabelle? Jürgen Müller-Lütken kommt auf 120 verschiedene Sorten, mal außen schwarz oder innen rot. Und der 63-Jährige kennt nicht nur die Namen, er weiß auch, welche Farbe und Form zu welcher Sorte gehört. 120 alte und neue Sorten hat der Berliner Hobbygärtner seinem Bruder Wolfram Müller-Lütken mit auf den Hof nach Warburg-Hohenwepel gebracht.

Donnerstag, 17.09.2020, 05:01 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 05:10 Uhr
Jürgen Müller-Lütken aus Berlin hat 120 Kartoffelsorten nach Hohenwepel gebracht. Viele sind ein Hingucker – im Vergleich zu gängigen Sorten. So ist „Double Fun“ – eine neue Sorte aus Holland – außen schwarz und innen violett. Foto: Silvia Schonheim
Jürgen Müller-Lütken aus Berlin hat 120 Kartoffelsorten nach Hohenwepel gebracht. Viele sind ein Hingucker – im Vergleich zu gängigen Sorten. So ist „Double Fun“ – eine neue Sorte aus Holland – außen schwarz und innen violett. Foto: Silvia Schonheim

„Ich sollte etwas Neues ausprobieren“

Sechs bis sieben gängige Sorten baut der Landwirt normalerweise auf einem Hektar hinter dem Hof an der Ostwestfalenstraße an. Verkauft werden die Speisekartoffeln direkt ab Hof.

„Jürgen meinte, ich sollte mal etwas Neues ausprobieren“, erzählt der 54-Jährige. Eigentlich sei es seinem Bruder aber eher darum gegangen, eine Sicherheitskopie aus seinem Hobby-Anbau zu gewinnen, um die Reinheit des Pflanzgutes sicherzustellen.

Die 120 Kartoffelsorten hat der Biologe Jürgen Müller-Lütken direkt selbst aus seinem Garten in Schwedt an der polnischen Grenze nach Hohenwepel gebracht. „Er musste sie auch gleich eigenhändig einpflanzen“, erzählt Hofeigentümer Wolfram Müller-Lütken lachend. Beim Ausmachen der Ernte per Hand hat ihn Wolfram Müller-Lütken gemeinsam mit Sohn Jost am Dienstag und Mittwoch aber geholfen. Zwischen einem und 15 Kilogramm pro Sorte konnten geerntet werden. Ab Montag ist die bunte Kartoffel-Vielfalt in Hohenwepel erhältlich.

Rouge des Flandre oder Rote Emmalie

Die 120 Sorten tragen Namen wie Rouge des Flandre, Rote Emmalie oder Double Fun. Zu kriegen sind sie im Supermarkt nicht, denn sie entsprechen nicht der Norm.

Bei der Ernte der 120 Kartoffelsorten hat Wolfram Müller-Lütken (links) gemeinsam mit seinem Sohn Jost (rechts) seinen Bruder Jürgen unterstützt und die Knollen per Hand ausgemacht.

Bei der Ernte der 120 Kartoffelsorten hat Wolfram Müller-Lütken (links) gemeinsam mit seinem Sohn Jost (rechts) seinen Bruder Jürgen unterstützt und die Knollen per Hand ausgemacht. Foto: Silvia Schonheim

Schönheitsideale gibt es nicht nur bei Models. Auch Kartoffeln müssen heute makellos sein. „Der Verbraucher will keine Augen, zu klein dürfen sie nicht sein, innen soll das Fleisch goldgelb sein und die Form muss sich gut zum Schälen eignen. Und ertragsreich muss sie obendrein sein“, berichtet Landwirt Wolfram Müller-Lütken. „So sind viele tolle Sorten einfach verschwunden“, ergänzt sein Bruder Jürgen. Er selbst ist an die Pflanzkartoffeln vieler dieser 120 Sorten über eine Genbank gekommen.

Über diese einmalige Aktion der beiden Brüder ist auch wieder der Ackersegen auf den Hof gekommen. „Die sogenannte Kriegskartoffel hat schon unser Vater hier angepflanzt. Das war damals die ertragsreichste Sorte“, erklärt Wolfram Müller-Lütken. Seit 22 Jahren baut er selbst Speisekartoffeln marktüblicher Sorten an. „Die ein oder andere neue Sorte werde ich vielleicht mit ins Sortiment übernehmen“, so der 54-Jährige.

Verkauf beginnt am Montag

Die Linzer Delikatess wird wohl keine Chance haben. Sie ist nicht gut mit dem Bördeboden zurecht gekommen. „Die Rote Emmalie ist hingegen gut gewachsen“, erklärt Kartoffelkenner Jürgen Müller-Lütken.

Viele der 120 Sorten sind ein Hingucker – im Vergleich zu einer gängigen Sorte. So ist „Double Fun“ – eine neue Sorte aus Holland – außen schwarz und innen violett. Andere Sorten weichen in ihrer Form vom Standard ab, sehen vielleicht eher wie eine Möhre aus. „Aber alle schmecken nach Kartoffel“, verspricht Jürgen Müller-Lütken.

Ab Montag sind die 120 Sorten am Verkaufshäuschen direkt an der Peckelsheimer Straße 22 erhältlich. Jost Müller-Lütken (21): „Wir packen sie in kleinen Probiergrößen ab, 1,5 bis maximal 2,5 Kilogramm.“

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