Erster Bauabschnitt kostet 156.000 Euro – Familie Schuchard gewährt Blick ins Bauwerk
Calenberger Mausoleum wird restauriert

Warburg (WB). Das Mausoleum der Familie Schuchard in Warburg-Calenberg wird aufwendig restauriert. Eigentümer Hans-Hugo Schuchard ist seit Jahren bemüht, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude im Sinne seiner Vorfahren, aber auch für den Ort Calenberg zu erhalten. Eine Aufgabe die ähnlich monumental scheint, wie das Gebäude selbst.

Montag, 21.09.2020, 11:26 Uhr aktualisiert: 21.09.2020, 11:28 Uhr
Das Mausoleum wird von der Firma Wiesmann aus Dalhausen eingerüstet. Derzeit laufen die Arbeiten am mittleren Gebäudeteil, dem Oktogon mit Apsis und der krönenden Kuppel, die ein 2,70 Meter hohes Kreuz auf der Spitze trägt. Foto: Astrid E. Hoffmann
Das Mausoleum wird von der Firma Wiesmann aus Dalhausen eingerüstet. Derzeit laufen die Arbeiten am mittleren Gebäudeteil, dem Oktogon mit Apsis und der krönenden Kuppel, die ein 2,70 Meter hohes Kreuz auf der Spitze trägt. Foto: Astrid E. Hoffmann

Gebaut wurde 1887 bis 1892

Das sehen auch die mit der Planung und Bauaufsicht betrauten Architekten Alexander von Köckritz aus Beverungen und Stefan Dreier aus Nieheim so. Das Mausoleum war nach dem Tode des Burgherrn und Kaufmanns Hugo Julius Schuchard (1825 bis 1886) von seiner Witwe Luise in Auftrag gegeben worden. Gebaut wurde 1887 bis 1892. Das Gebäude weist Stilelemente der florentinischen Renaissance auf. Der Unterbau besteht aus Bruchsteinmauerwerk.

Die Restaurierung soll in mehreren Bauabschnitten erfolgen. Derzeit laufen die Arbeiten am mittleren Gebäudeteil, dem Oktogon mit Apsis und der krönenden Kuppel, die ein 2,70 Meter hohes Kreuz auf der Spitze trägt. Für den derzeitigen ersten Bauabschnitt sind 156.000 Euro veranschlagt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz steuert 90.000 Euro bei. Aus dem Topf des Denkmalförderprogramms des Land NRW von 2019 kommen 48.000 Euro dazu.

Schäden wurden erfasst

Im kommenden Jahr sollen die beiden Gebäudeflügel mit ihren jeweils sechs Säulen mit floralen Kapitellen und Kassettendecken im Inneren restauriert werden. Die Gruft, die sich unter dem Sandsteinbau verbirgt, und schließlich die zwei kleinen Tempelhäuschen in der Stützmauer zum Friedhof und die Mauer selbst stehen als zunächst letzter Bauabschnitt auf dem Plan.

Bereits 2018 wurden, mit der Unterstützung von Dr. Christoph Heuter von der LWL-Denkmalpflege, bautechnische Untersuchungen durchgeführt. Daraufhin erstellte das Architekturbüro von Köckritz die Bestandspläne. Ein Gutachten zur Schadenserfassung an den Natursteinflächen und ein Konservierungskonzept wurde von Restaurator Matthias Rüenauver vom Büro für historische Bautechnik und Baustoffe in Paderborn erarbeitet.

Bauzeichnungen liegen nicht vor

Um zu erklären, was am Mausoleum passiert, hatte Hans-Hugo Schuchard die Architekten, Iliana Felle von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Warburg und Ortsvorsteher Heinz-Josef Bodemann eingeladen. „Wie die Burg gehört das Mausoleum zu den ortsbildprägenden Gebäuden. Es ist beeindruckend, genauso wie das Engagement der Familie Schuchard“, sagte Bodemann.

„Alte Bauzeichnungen oder Dokumente zum Gebäudekomplex lagen leider nicht vor“, erklärte von Köckritz. Allerdings gebe es zwei Zeichnungen. Eine von J. Scheim, die 1886 als Entwurf angefertigt wurde. Eine weitere Zeichung von 1902 stammt laut Schuchard von dem Künstler Georg Burmester – ebenfalls ein Barmer, wie Schuchards Urgroßeltern. Auf dieser Zeichnung ist zu erkennen, dass die Kuppel am Anfang eine Kupferdeckung hatte.

Hagel hinterlässt Einschusslöcher

Die Kuppel ist ein Konstrukt aus Eisen und Holzverschalung, auf der die Kupferplatten angebracht waren. „Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg wurde das Kupfer für die Kriegswirtschaft abgebaut. 1951 erfolgte eine Schiefereindeckung“, berichtete von Köckritz. Diese Schiefereindeckung ist inzwischen weich und löst sich auf. Hagel hinterließ regelrechte Einschusslöcher, erklärte er weiter.

Auf die alten Hölzer wird jetzt von den Mitarbeitern der Firma Prange aus Brilon eine neue Holzverschalung aufgebracht, dann soll wieder eine Kupfereindeckung folgen. Das Kreuz wird in der Werkstatt der Firma Prange aufgearbeitet. Die meisten Schäden am Mauerwerk sind auf das Eindringen von Wasser zurückzuführen. Risse, Abplatzungen des Sandsteins, ausgewaschene Fugen und kaputte Abdeckbleche gehören zum Schadensbild.

Bauarbeiten enden im Oktober

Der Mittelteil des Gebäudes wurde von der Firma Gerüstbau Wiesmann aus Dalhausen eingerüstet. Neben der Firma Prange, die sich um die Metallarbeiten kümmert, wird die Firma Mathies aus Bad Driburg die Arbeiten am Wrexener Sandstein vornehmen. Einige Steine können mit einer Reparaturmasse behandelt werden, andere werden ersetzt.

An vielen Stellen fehlt Fugenmörtel, wodurch Wasser eindringen kann. „Den größten zeitlichen Aufwand wird das Verfugen in Anspruch nehmen. Das verursacht auch einen maßgeblichen Teil der Kosten“, berichtet Schuchard. „Besonders belastete Stellen werden dann mit flüssigen Blei oder Bleiwolle gefüllt“, erklärt der Fachmann. Die Bauarbeiten sollen im Oktober zum Abschluss kommen.

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