Bei Familie Stefani in Ossendorf steht die Saftpresse nicht still
Die Zeit ist reif

Warburg (WB). Egal ob Apfel, Birne oder Quitte – Christian Stefani macht alles zu Saft. Seit 45 Jahren betreibt er mit seiner Familie die Mosterei in Ossendorf, die jetzt im Herbst Hochsaison hat. Noch bis Mitte November können die Kunden nach vorheriger Terminabsprache ihre Äpfel, Quitten, Birnen und andere Früchte zu Saft verarbeiten lassen.

Dienstag, 22.09.2020, 04:00 Uhr
Hochbetrieb in der Mosterei: Ursula, Christian und Christian Stefani (von links) haben alle Hände voll zu tun. In der Saison kommen täglich etwa 15 Kunden, die ihr frisch gepflücktes Obst zu Saft pressen lassen möchten. Foto: Alice Koch
Hochbetrieb in der Mosterei: Ursula, Christian und Christian Stefani (von links) haben alle Hände voll zu tun. In der Saison kommen täglich etwa 15 Kunden, die ihr frisch gepflücktes Obst zu Saft pressen lassen möchten. Foto: Alice Koch

„Manche Kunden bringen auch Weintrauben, Johannisbeeren oder Möhren mit. Bei der Zusammensetzung der Säfte sind die Geschmäcker ganz unterschiedlich“, weiß Christian Stefani.

Die meisten seiner Kunden sind Stammkunden und kommen schon seit vielen Jahren, um ihre Früchte zu Saft verarbeiten zu lassen. Viele von ihnen sind mit ihm per Du und fassen selbst mit an.

Heinz Wagemann ist Stammkunde in der Mosterei.

Heinz Wagemann ist Stammkunde in der Mosterei. Foto: Alica Koch

So wie Heinz Wagemann, der bereits seit mehr als zehn Jahren regelmäßig seine Äpfel und Birnen zur Familie Stefani bringt. „Das Mosten läuft hier sehr familiär und unkompliziert ab, das schätze ich“, betont der Bonenburger, der in diesem Jahr eine gute Ernte hatte und bereits 140 Liter Saft pressen lassen konnte.

„Einer unserer älteren Kunden ist 86 Jahre alt und kommt schon seit 42 Jahren zu uns“, berichtet Christian Stefani.

Kunden werden immer jünger

In den vergangenen Jahren seien seine Kunden immer jünger geworden. Besonders junge Familien kämen gerne zum Mosten, auch, weil sie ihren Kindern zeigen möchten, wie ihre Nahrungsmittel hergestellt werden. Auch das gestiegene Bewusstsein für mehr Regionalität mache sich bemerkbar.

In der Regel kommen die Kunden mit etwa 100 Kilogramm Obst – für das Saftpressen selbst wird dann etwa eine dreiviertel Stunde benötigt.

Natürlich sei die Auslastung der Mosterei immer stark von der Ernte abhängig. „In diesem Jahr fällt die Ernte gut aus, so dass wir jeden Tag bis zu 15 Kunden haben“, erzählt Christian Stefani.

Keine langen Warteschlangen durch Terminvergabe

Coronabedingt würden die Termine zeitversetzt vergeben, damit sich keine langen Warteschlangen bilden.

Nach der Anlieferung wird das Obst zunächst gewaschen, Blätter und kleine Äste werden aussortiert. Danach gelangen die Äpfel mit einem Förderband in das Mahlwerk, wo sie noch einmal gründlich gewaschen, in kleine Stücke geschreddert und anschließend mit einer Siebbandpresse gepresst werden.

Der so entstandene Saft wird noch vor dem Abfüllen in Kanister einmal abgesiebt, auf 81 Grad erhitzt und so zu einem haltbaren Fruchtsaft pasteurisiert. Bei diesem Vorgang werden die Keime beseitigt, der Saft bleibt dennoch naturtrüb und die wertvollen Inhaltsstoffe bleiben erhalten.

Etwa mit 60 bis 70 Litern Saft kann man pro 100 Kilo Äpfel rechnen.

Saftbeutel stecken in einem Karton

Abgefüllt wird dieser dann in das so genannte Bag-in-Box-System. Dabei steckt in einem Karton ein Beutel, in den der Saft abgefüllt wird. Durch einen speziellen Zapfhahn kommt keine Luft in den Beutel, so dass der Saft auch angebrochen etwa acht Wochen haltbar ist.

Der frisch gepresste Saft wird in Fünf- oder Zehn-Liter-Gebinden abgefüllt und ist auch nach Anbruch etwa acht Wochen haltbar.

Der frisch gepresste Saft wird in Fünf- oder Zehn-Liter-Gebinden abgefüllt und ist auch nach Anbruch etwa acht Wochen haltbar. Foto: Alice Koch

Familie legt großen Wert auf Nachhaltigkeit

Großen Wert legt Familie Stefani auf Nachhaltigkeit. So werden die Kartons mehrfach wiederverwendet.

Kühe fressen Reste der gepressten Früchte

„Wenn sie pfleglich behandelt werden, halten sie bis zu zehn Jahre“, erklärt Stefani, der neben der Kleinmosterei auch Lehmbaustoffe produziert, 100 Hektar Land und einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 70 Milchkühen bewirtschaftet. Diese bekommen übrigens auch die Reste aus den gepressten Früchten, den sogenannten Trester, zu fressen. „So entstehen keine Abfälle und der Kreislauf schließt sich wieder“, betont Christian Stefani.

100 Kilogramm Früchte zu pressen, zu erhitzen und abzufüllen, kostet bei Familie Stefani 34 Euro. Hinzu kommen die Kosten für den Karton. Dann beträgt der Preis pro Liter 90 Cent. „Einige Kunden lassen sich ihren Saft auch in mitgebrachte Flaschen füllen. Dann entstehen keine weiteren Kosten“, erklärt er.

Kleinmosterei ist ein Familienbetrieb

Angefangen hat seine Leidenschaft zum Mosten vor mehr als 45 Jahren mit dem Kauf einer alten Obstpresse aus Rhoden. In seiner Garage verarbeitete er Früchte aus dem eigenen Garten zu Saft für den Eigenbedarf.

Bis ihn eines Tages der ehemalige Bürgermeister von Bad Arolsen besuchte, der sich gefragt hatte, wo die alte Presse geblieben war. Er überzeugte ihn schließlich, eine Kleinmosterei zu eröffnen, die er bis heute mit seiner Familie in der dritten Generation betreibt.

Neben seiner Frau Ursula helfen auch sein Sohn Christian und die Schwiegertöchter Linda und Helene fleißig mit. Und auch die Enkelkinder Noah (11), Elia (8) und Jael (5) sind mit von der Partie, wenn es ums Mosten, Früchte waschen und Ernten geht.

Immerhin stehen auf dem Hofgelände der Familie rund 50 Obstbäume mit Äpfeln, Birnen, Kirschen und Quitten.

Hofladen ist geplant

„Den Saft aus den eigenen Früchten verkaufen wir nur in kleinem Rahmen. Aber für die Zukunft planen wir einen Hofladen, in dem wir die Säfte anbieten“, verrät Christian Stefani. Allerdings wolle man klein und familiär bleiben.

Das ist ihm wichtig. So wird bei Familie Stefani sonntags grundsätzlich nicht gearbeitet. „Der Tag gehört traditionell immer der Familie“, betont Stefani. Und den genießt sie am liebsten gemeinsam bei einem Glas frisch gepresstem Apfelsaft.

Weitere Informationen zur Mosterei Stefani gibt es unter Telefon 05642/5769 oder 0178-2979673.

Kommentare

Robert  schrieb: 26.09.2020 18:52
Unbedingt probieren!
Weltklasse, dieser vielseitige Familienbetrieb!
Ob als Erfrischung im Sommer oder als Punsch im Winter: der Saft ist immer seeehr lecker!
1 Kommentare
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