Werksschließung in Warburg hat keinen Einfluss auf Anbaufläche – Transport per LKW
Zuckerrüben aus der Börde sind gefragt

Warburg (WB). Der süße Duft über der Warburger Börde ist seit Ende Dezember 2019 Geschichte. Die Zuckerfabrik der Südzucker AG ist geschlossen. Doch die Kampagne ist trotzdem gestartet. Die ersten Zuckerrüben werden gerodet.

Dienstag, 29.09.2020, 03:00 Uhr
Die Rübenernte läuft auf Hochtouren. Landwirt und Lohnunternehmer Christoph Wennekamp steuert den Rübenroder. Durch die Schließung der Zuckerfabrik Warburg wird ein Großteil der Rüben aus der Börde in das Südzucker-Werk nach Wabern geliefert. Damit die Mehrtonnen-Anlieferung dort verarbeitet werden kann, dauert die Kampagne dort länger – bis Ende Januar. Foto: Silvia Schonheim
Die Rübenernte läuft auf Hochtouren. Landwirt und Lohnunternehmer Christoph Wennekamp steuert den Rübenroder. Durch die Schließung der Zuckerfabrik Warburg wird ein Großteil der Rüben aus der Börde in das Südzucker-Werk nach Wabern geliefert. Damit die Mehrtonnen-Anlieferung dort verarbeitet werden kann, dauert die Kampagne dort länger – bis Ende Januar. Foto: Silvia Schonheim

Und die Stimmung unter den Anbauern sei nicht schlecht, sagt Landwirt Christoph Wennekamp. Er baut selbst Rüben an und hat als Lohnunternehmer zwei Rübenroder in Betrieb. „Die Erträge sind gut und der Zuckergehalt ist es auch“, sagt der 41-Jährige.

Antonius Tillmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Höxter, konkretisiert die Lage der heimischen Rübenanbauer nach dem Aus der Warburger Zuckerfabrik: „Statt einem Hauptpartner, der Südzucker AG, haben die Landwirte jetzt drei mögliche Abnehmer. Die Bauern beliefern weiterhin die Südzucker AG – halt nicht mehr in Warburg, sondern in Wabern. Hinzu kommt dann meist ein zweiter Geschäftspartner, die Nordzucker AG mit Werk in Nordstemmen oder Pfeifer & Langen in Lage.“

Dies seien die Zuckerfabriken, in denen die konventionell angebauten Rüben aus dem Kreis Höxter verarbeitet würden. Tillmann weiter: „Die Bio-Rüben werden in das Nordzucker-Werk nach Schladen in Niedersachsen geliefert.“

Transportkosten sind hoch

Abnehmer gibt es also für die Zuckerrüben aus der Warburger Börde. „Aber leider fliegen die Rüben nicht dorthin. Die Transportkosten sind da“, weiß Antonius Tillmann. 100 bis 120 Euro pro Hektar würden für die Rübenanbauer anfallen.

Die Anlieferung der Rüben würde zumeist von Transportunternehmen per LKW übernommen. „Die Bauerntruppe, die mit Schlepper und Anhänger die Rüben nach Warburg gebracht hat, gibt es so nicht mehr“, so der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Höxter.

„Den Transport in die Zuckerfabriken übernimmt weiterhin die Zuckerrübenladegemeinschaft“, erklärt Landwirt Christoph Wennekamp aus Lütgeneder. Spediteure und Landwirte fahren in dieser Gemeinschaft die Rüben aus der Börde hauptsächlich nach Wabern, aber auch nach Lage. Dafür wurden eigens LKW angeschafft. Insgesamt 33 seien am Rollen. Etwa drei Stunden würde eine LKW-Tour nach Wabern und zurück in die Börde in Anspruch nehmen.

Die Nordzucker AG organisiere den Transport nach Nordstemmen eigenständig.

Das Aus der Zuckerfabrik in Warburg hat auf die Rübenanbaufläche im Kreis Höxter – insbesondere in der Warburger Börde – kaum Auswirkungen. Das erklärt auf Nachfrage Stefan Berens, Kreisgeschäftsführer der Landwirtschaftskammer NRW, Kreisstelle Höxter-Lippe-Paderborn in Brakel.

235 Landwirte bauen auf 3.155 Hektar Zuckerrüben an

235 Landwirte würden in diesem Jahr auf 3.155 Hektar Zuckerrüben anbauen. Jeder Anbauer baue durchschnittlich auf 13,4 Hektar Rüben an. Stefan Berens: „2018 war die Anbaufläche sogar kleiner. Auf 3.034 Hektar wurden von 240 Landwirten im Kreis Höxter Zuckerrüben angebaut. Durchschnittlich auf 12,6 Hektar je Anbauer.“

Tendenziell würden 80 Prozent der Rüben von der Südzucker AG in Wabern verarbeitet. „Die restlichen Rüben gehen nach Lage (Firma Pfeifer & Langen), nach Nordstemmen (Nordzucker AG) oder in heimische Biogasanlagen.

„Die Zunahme des Rübenanbaus“, so Berens, sei trotz der schwierigen Marktlage vorgenommen worden. Die überdurchschnittlichen Erträge in den vergangenen Jahren hätten den Rübenanbau gestützt. „Vor allen Dingen die züchterischen Fortschritte waren hierfür maßgeblich. Auch aus pflanzenbaulicher Sicht ist die Rübe ein wichtiges Fruchtfolgeglied, der die getreidelastigen Fruchtfolgen auflockert“, erklärt Stefan Berens.

Die Kampagne im Südzucker-Werk in Wabern ist offiziell am 10. September gestartet und soll bis Ende Januar laufen. „In Warburg endete die Kampagne zumeist Ende Dezember. Die lange Kampagnen-Laufzeit in Wabern ist jetzt nötig, damit die Mehrtonnen-Anlieferung aus der Warburger Börde verarbeitet werden kann“, sagt Matthias Duschen. Der Daseburger arbeitet im Außendienst Südzucker, Rohstoffservice, und fungiert als Bindeglied zwischen heimischen Landwirten und Zuckerfabrik.

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