1894 kann die heutige Graf-Dodiko-Schule bezogen werden
Neues Schulhaus für Neustadt

Warburg (WB). Um ein neues Schulhaus für die Neustadtkinder in Warburg geht es in dieser Folge unserer beliebten Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

Samstag, 17.10.2020, 04:03 Uhr aktualisiert: 17.10.2020, 04:20 Uhr
Diese Ansichtskarte aus dem frühen 20. Jahrhundert zeigt den Blick von der Hüffert aus über den Burggraben auf die Neustadtschule, die heutige Graf-Dodiko-Schule. Im Jahr 1894 konnte die Schule bezogen werden. Foto: Stadtarchiv
Diese Ansichtskarte aus dem frühen 20. Jahrhundert zeigt den Blick von der Hüffert aus über den Burggraben auf die Neustadtschule, die heutige Graf-Dodiko-Schule. Im Jahr 1894 konnte die Schule bezogen werden. Foto: Stadtarchiv

Visitation aus dem Jahr 1888

Im Jahr 1888 legte der Schulrat einen Bericht über den Zustand in den Volksschulen der Stadt Warburg vor. Die Mädchen aus der Neustadt waren zu dieser Zeit zusammen mit der Eingangsklasse der Jungen im Charvinstift am heutigen Gebrüder-Warburg-Platz untergebracht. 89 weitere schulpflichtige Jungen drückten im Rathaus Zwischen den Städten, damals noch nicht umgebaut, die Schulbank.

Das Ergebnis der Visitation von 1888: Ein neues Schulgebäude musste her, denn vor allem die Lichtverhältnisse in den bestehenden Räumen waren nicht zu tolerieren. Im Jahr 1889 fasste die Warburger Stadtverordnetenversammlung einen entsprechenden Beschluss. Zunächst dachte man daran, auf dem Hospitälerkirchhof, dem heutigen Gebrüder-Warburg-Platz, zu bauen. Der Plan wurde von der Regierung in Minden abgelehnt.

Architekt schuf Burg Calenberg

Dann erwarb die Stadt als Bauplatz für die neue Schule der Neustadt ein Gartengrundstück vor dem Paderborner Tor. Mit Entwurf und Baubetreuung wurde der Kölner Architekt Heinrich Wiethase (1833-1893) beauftragt, der im Warburger Land kein Unbekannter war. Unter anderem hatte er 1880 bis 1884 für den Kaufmann Hugo Schuchard aus Barmen die Burg Calenberg gebaut.

Nach Wiethases Tod übernahm sein ehemaliger Mitarbeiter Eduard Endler (1860-1932) die Bauleitung. 1902/03 sollte Endler dann das Rathaus Zwischen den Städten sanieren und aufstocken.

Räume spätestens 1925 zu eng

1894 konnte die Schule bezogen werden. Sechs neue, helle Klassenräume für alle Volksschüler der Neustadt und Dienstwohnungen für den Hauptlehrer, für zwei Lehrerinnen und für den Schuldiener waren entstanden.

In der Neustadtschule wurde auch die Höhere Töchterschule untergebracht. Spätestens 1925 erwiesen sich die Räumlichkeiten dann als zu eng: 370 Kinder besuchten die Volksschule, 240 Mädchen die Höhere Töchterschule, zwei Schulklassen waren bereits anderweitig untergebracht und für das kommende Schuljahr erwartete man 80 Neueinschulungen. Der Neubau einer Volksschule ließ sich nicht realisieren.

Neubau auf der Hüffert

Der Ausweg: Neu gebaut wurde auf der Hüffert für die Höhere Töchterschule. Am 17. Oktober 1927 konnten die Räume, der heutige Altbau des Hüffertgymnasiums, bezogen werden.

Das Foto zeigt die neue Neustadtschule in einer Aufnahme, die wohl vom Bittkreuz aus gemacht worden sein dürfte. Der Burggraben war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgebaut. Unter dem Mittelteil der Schule ist das turmartige Zugangsgebäude des unterirdisch angelegten Wasserbehälters zu erkennen, erbaut 1893.

Bruchstein aus hellem Muschelkalk

Eckart-Kurt Hachmann, geboren 1943, besuchte die Neustadtschule ab der ersten Klasse und beschreibt die äußere Erscheinung des Baus in seinen Kindheitserinnerungen:

„Der Bruchstein aus hellem Muschelkalk wurde gerahmt und begleitet von rotbraunem Wesersandstein als Eckquader, Tür- und Fensterlaibungen. Der mittlere dreigeschossige Teil der Schule war über hohem Krüppelwalmdach gekrönt von einem zierlichen Glockentürmchen, von wo mir nun die bislang freie Zeit in festgeregelte Einheiten gemäß dem Glockenschlag zerstückelt werden sollte.“

Schülerzahl steigt in 1950ern an

In den 50er-Jahren stieg die Schülerzahl immer weiter an; 1953 waren es 562 Kinder, die von sieben Lehrern und fünf Lehrerinnen unterrichtet wurden. Am 29. April 1959 wurde mit dem Umbau der Schule begonnen, am 7. Oktober 1960 fand die feierliche Neueinweihung statt.

Die Federführung beim Umbau hatte der Warburger Architekt Martin Rose (1903-1979). Die neue Schule verfügte nun über zwölf Klassenzimmer, eine Schulküche, drei Lehrmittelräume, eine Aula, ein Lehrerzimmer, ein Zimmer für den Schulleiter und einen Raum für den Hausmeister – mit Telefonanschluss, wie die Chronik vermerkt.

Zur Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ bietet das WESTFALEN-BLATT die Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen.

Viel Freude beim Lesen!

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