Betreiber Warburger Gaststätten lassen ihre Gäste nicht im Regen stehen
Gastronomen werden erfinderisch

Warburg (WB). Besondere Situationen erfordern besondere Ideen. Speziell bei den Corona-gebeutelten Gastronomen. Nach dem Lockdown im Frühjahr waren im Sommer zwar die Café- und Restaurantplätze draußen überwiegend gut belegt. Allerdings haben viele Wirte bereits im Sommer festgestellt, dass die Gäste Innenräume eher scheuen.

Freitag, 23.10.2020, 23:03 Uhr aktualisiert: 23.10.2020, 23:10 Uhr
Alm-Gastwirt Markus Menne freut sich auf die Herbst- und Wintersaison auf seiner Außenterasse. „Im windgeschützten Standkorb, mit Decke, Wärmflasche und Viren-Putzer-Punsch bekommt bestimmt niemand kalte Füße”, ist sich der Gastronom sicher. Foto: Alice Koch
Alm-Gastwirt Markus Menne freut sich auf die Herbst- und Wintersaison auf seiner Außenterasse. „Im windgeschützten Standkorb, mit Decke, Wärmflasche und Viren-Putzer-Punsch bekommt bestimmt niemand kalte Füße”, ist sich der Gastronom sicher. Foto: Alice Koch

Deshalb hat sich Markus Menne, Inhaber des Gasthauses „Zur Alm“, für die dunkle Jahreszeit ein besonderes Konzept überlegt. Die Sommerbestuhlung auf seiner großen Außenterrasse ist abgeräumt, stattdessen zieren nun zwölf Standkörbe den Outdoor-Bereich. Die Originale stammen von einem Freund, der auf Rügen einen Strandkorbverleih betreibt. „Vor drei Wochen wurden die Standkörbe angeliefert, die vorher entsandet wurden und einen neuen Unterbodenschutz bekommen haben“, berichtet Markus Menne. Bis Ende März sorgen sie nun für ein besonderes Flair auf Mennes Strand-Alm.

Standkörbe aus Sylt

„Mich hat es immer schon gestört, dass die Terrasse im Winter leer steht“, sagt Markus Menne, der sich für das Wohl seiner Gäste auch bei kühleren Temperaturen Einiges einfallen lassen hat. Dank der Glasfront und der Hausfassade ist die Terrasse windgeschützt, die Strandkörbe sorgen außerdem für Behaglichkeit – und nebenbei auch für den nötigen Abstand. Für zusätzliche Wärme sorgen Heizstrahler und kuschelige Decken. Große Schirme halten Regen und Schnee ab. „Von Innen wärmt zusätzlich unser selbst kreierter Viren-Putzer-Punsch mit Zitronen-Ingwer-Geschmack“, ist sich der 51-Jährige sicher. Er bringt der dennoch fröstelnden Frauen auf Wunsch auch eine Wärmflasche.

Damit in den Abendstunden eine besondere Lounge-Atmosphäre entsteht, werden die Bäume auf der Terrasse in verschiedenen Farben illuminiert. „Wenn das Konzept gut angenommen wird, möchten wir das im nächsten Jahr wiederholen“, kündigt Markus Menne an, der die Standkörbe nach ihrer Zeit auf der Alm an Interessenten weiterverkaufen möchte.

Gastronomie braucht Unterstützung

Mit seinem neuen Konzept möchte der Wirt seinen Gästen in diesen schwierigen Zeiten ein wenig Auszeit vom Alltag in ungezwungener Atmosphäre bieten und appelliert in diesem Zusammenhang an alle, die Gastronomie zu nutzen. Nach dem Lockdown sei das Geschäft nur schleppend wieder angelaufen, weil die Menschen verunsichert gewesen seien. „Die Saison wurde um einige Wochen verkürzt, der Umsatz ist weggebrochen. Nun braucht die Gastronomie die Unterstützung der Gäste“, betont Markus Menne.

Die Öffnungszeiten im Gasthaus „Zur Alm“ sind mittwochs, donnerstags und freitags ab 16 Uhr. Samstag und Sonntag ist ab 11.30 Uhr geöffnet. „Wann wir abends abschließen, hängt davon ab, ob noch Betrieb ist. Solange Gäste da sind, schließen wir nicht.“

„Gemütliches Außenflair“

Damit sich ihre Gäste auch bei kühleren Temperaturen draußen wohlfühlen, haben sich Nelleke und Richard ten Hoopen, Betreiber des Restaurants Deele/Hotel ten Hoopen in Germete etwas einfallen lassen. Zwei große Zelte sorgen mit Heizpilzen und kuscheligen Fellen für eine heimelige Atmosphäre. „Die Tische und Bänke stehen natürlich auf Abstand, aber mit der passenden Dekoration entsteht ein gemütliches Flair“, ist sich Nelleke ten Hoopen sicher.

Ende November wird dann auch wieder eine urige Glühweinhütte vor dem Landgasthof aufgestellt. „Hier können sich die Gäste aufwärmen, verweilen und zumindest ein bisschen vorweihnachtliche Atmosphäre genießen.“

„Ich möchte, dass sich was bewegt“

Neue Wege gehen auch Marita und Günter Dickgreber von der Gaststätte „Gastlichkeit bei Marita“ in Rimbeck. Sie lassen ihre Außengastronomie weiter geöffnet. Auf der überdachten und windgeschützten Terrasse können die Gäste mit Corona-Abstand am heutigen Samstag ab 20 Uhr eine urige Hüttengaudi mit bayerischer Musik, bayerischem Bier, Leberkäse und Brezeln erleben. Als weiteres Event wird für Samstag, 7. November, ab 13 Uhr ein Reiter- und Babybasar auf dem angrenzenden Reiterhof geplant. „Dazu werden wir Kaffee und Kuchen, heiße Schokolade, Bratwurst und Glühwein anbieten“, sagt Marita Dickgreber. Außerdem soll am 5. Dezember ein Glühweinabend mit Musik stattfinden. Ein „Kölschabend“ soll in Kürze folgen – wenn Corona das alles zulässt.

Hüttengaudi, Reiterbasar, Glühweinabend: Marita und Günter Dickgreber haben in ihrer „Gastlichkeit bei Marita“ viel vor.

Hüttengaudi, Reiterbasar, Glühweinabend: Marita und Günter Dickgreber haben in ihrer „Gastlichkeit bei Marita“ viel vor. Foto: Alice Koch

„Wir sind zwar klein, aber ich bin immer dabei, mir etwas Neues zu überlegen, weil ich möchte, dass sich was bewegt“, betont Marita Dickgreber. Da alle Veranstaltungen sowohl in der Gaststätte als auch im Außenbereich stattfinden, würden sich die Gäste verteilen, so dass die Abstandsregeln eingehalten würden. „Die Zeiten sind schwierig, aber wir planen optimistisch für die Zukunft. Und wenn man was anbietet, dann ist auch was los“, ist sich die Wirtin aus Rimbeck sicher.

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