Kindergarten in Steinheim und König-Wilhelm-Gymnasium Höxter melden Coronafälle
Kinder müssen in Quarantäne

Kreis Höxter -

Wenn in Schulen und Kindertagesstätten ein Coronafall auftritt, informieren die Träger sofort die Öffentlichkeit. Sie setzen auf Transparenz und erläutern die jeweils getroffenen Maßnahmen. Letztere sorgen in Familien allerdings durchaus für Diskussionen. Beispiel: Kitas.

Samstag, 14.11.2020, 05:17 Uhr aktualisiert: 14.11.2020, 05:20 Uhr
Schulbank drücken in Zeiten von Corona – das heißt warm anziehen, denn es wird gelüftet, und Maske tragen (letzteres ab Klasse 5). Im KWG Höxter ist im zehnten Jahrgang ein Coronafall aufgetreten.
Schulbank drücken in Zeiten von Corona – das heißt warm anziehen, denn es wird gelüftet, und Maske tragen (letzteres ab Klasse 5). Im KWG Höxter ist im zehnten Jahrgang ein Coronafall aufgetreten. Foto: dpa

 

In einem Fall im Kreis Höxter fragten sich Eltern, warum bei einem Ausbruch nicht sofort auch alle Kinder aus der Gruppe des Infizierten getestet werden. Sie müssen lediglich in Quarantäne. Ihre Eltern und Geschwister dürfen ganz normal zur Arbeit und zur Schule gehen. Das kann aus Sicht besorgter Bürger gefährlich werden, weil die Spielgefährten des Covid-19-Patienten theoretisch symptomfrei positiv sein können und die Familienmitglieder unbemerkt anstecken.

Dieses Risiko wird im Infektionsschutzgesetz wohl nicht so hoch eingeschätzt, dass alle Kinder der Gruppe des Erkrankten gleich mitgetestet werden und auch ihre Familienangehörigen in Quarantäne müssen. Eltern und Geschwister seien, so der Leiter des Gesundheitsdienstes des Kreises Höxter, Dr. Wilfried Münster, nur „Kontaktpersonen einer Kontaktperson“. Für sie bestehe erst dann ein Infektionsrisiko, wenn die tatsächliche Kontaktperson, also der Spielgefährte des infizierten Kindes, selbst erkranke und infektiös werde.

Was das Gesundheitsamt unternimmt, wenn bei einem Kind in einer Kita das Coronavirus nachgewiesen wird, erläutert der Mediziner auf Anfrage dieser Zeitung: Alle anderen Kinder der Gruppe des Betroffenen werden zu Kontaktpersonen der Kategorie 1. „Es ist davon auszugehen, dass sie engen Kontakt mit dem erkrankten Kind hatten“, so Dr. Münster. Die Kinder der Gruppe werden daher unter eine zweiwöchige häusliche Quarantäne gesetzt. „Eine Testung der Kinder wird nicht durchgeführt, solange diese keine Symptome zeigen.“

„Kontaktpersonen einer Kontaktperson“

Die Eltern und Geschwister dieser Kinder seien nur „Kontaktpersonen einer Kontaktperson“. Für sie gelte keine Quarantänepflicht, weil ein Infektionsrisiko für diese „Kontaktpersonen von Kontaktpersonen“ erst dann entstehe, wenn die tatsächliche Kontaktperson selbst erkrankt und infektiös wird. „Das Infektionsschutzgesetz sieht vor, dass nur für Personen, die ansteckungsverdächtig sind, also unmittelbaren Kontakt zu einem Erkrankten hatten, auch entsprechende Maßnahmen erforderlich sind. Bei allen anderen Personen ist es nicht verhältnismäßig, eine Quarantäne auszusprechen.“ Solange die eigentliche Kontaktperson – also das Kind aus der Gruppe des Infizierten – keinerlei Krankheitssymptome zeigt, dürfen Eltern und Geschwister also zur Arbeit beziehungsweise zur Schule oder in den Kindergarten gehen. „Wir empfehlen allerdings den Familien, auf nicht notwendige Kontakte (zum Beispiel private Treffen, Feste oder ähnliches) während der Quarantänezeit des Kindes nach Möglichkeit zu verzichten“, erläutert der Leiter des Gesundheitsdienstes. Die Behörden setzen hier also auf Einsicht und Besonnenheit. „Zudem sollten die Eltern das Kind in der Quarantäne in Bezug auf Krankheitssymptome beobachten und regelmäßig Fieber messen. Zeigt es Fieber, Husten, Halsschmerzen, eine Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns, sollte umgehend telefonisch der Haus- oder Kinderarzt kontaktiert werden. Ein Abstrich kann dann vorgenommen werden“, sagt Dr. Münster.

Zwei Kita-Gruppen geschlossen

Die von dem Mediziner skizzierten Maßnahmen sind jetzt in der „KiTa St. Marien in Steinheim“ erforderlich geworden. In der Einrichtung wurde eine Person positiv auf das Coronavirus getestet. „In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises Höxter wurden zwei der drei Kita-Gruppen bis zum 26. November geschlossen“, informiert der Gemeindeverband Katholische Kirchengemeinden Hochstift Paderborn. Von der Schließung sind 41 Kinder und acht Mitarbeitende betroffen. Sie wurden unter Quarantäne gestellt. Das örtliche und überörtliche Jugendamt wurden informiert. Die Eltern der Kita-Kinder werden vom Gesundheitsamt über die Quarantäneregeln informiert. In den drei Gruppen betreuen 17 Mitarbeitende insgesamt 55 Kinder.

Nach der Sekundarschule in Höxter und der Grundschule in Albaxen ist in einer weiteren Schule der Stadt Höxter ein Coronafall aufgetreten: In der Schülerschaft des König-Wilhelm-Gymnasiums in Höxter liegt eine bestätige Infektion mit dem Coronavirus vor. Da die betroffene Jahrgangsstufe 10 in der Einführungsphase im Kurssystem unterrichtet wird, wurden am Freitag vorsorglich alle Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs umgehend nach Hause geschickt.

Die Schule ermittelt in Abstimmung mit dem Kreisgesundheitsamt Höxter die engen Kontaktpersonen wie Sitznachbarinnen und Sitznachbarn. Aufgrund der weiteren Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen müssen sich diese direkten Kontaktpersonen vorerst in häusliche Quarantäne begeben. Sie oder ihre Erziehungsberechtigten werden durch das Gesundheitsamt und die Schule kontaktiert. „Alle anderen Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase, die nicht als Kontaktpersonen gelten, können nach den derzeitigen Erkenntnissen ab Montag wieder regulär am Unterricht teilnehmen“, informiert die Stadt Höxter.

Ein Kommentar von Sabine Robrecht

Die Corona-Pandemie bleibt Thema Nummer eins. Das Virus dringt in Schulen und Kindergärten ein – und wirbelt den Alltag vieler Familien gehörig durcheinander. Quarantänen stellen Eltern vor Betreuungsprobleme. Auch erscheinen Regelungen unlogisch. Wenn ein Kindergartenkind Corona-positiv ist, werden die anderen aus der Gruppe zwar in Quarantäne geschickt, aber nicht getestet. Und die Angehörigen dieser Kinder dürfen zur Arbeit und in die Schule. Sie nehmen die Sorge mit, dass ihr Quarantäne-Kind womöglich symptomfrei infiziert ist, die Eltern und Geschwister ansteckt und diese dann ungewollt zu Spreadern werden. Andererseits sind Restaurants zu und Vereinssport untersagt.

Das Unverständnis über Diskrepanzen wie diese ist nachvollziehbar. Und kann nicht gänzlich zerstreut werden, auch wenn das Gesundheitsamt schlüssig darlegt, dass es bei Ausbrüchen etwa in Kitas gemäß den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes handelt.

Tatsache ist aber eines: Das Gesundheitsamt, die Kindergärten, die Schulen und andere Einrichtungen leisten Übermenschliches, um Hygienekonzepte einzuhalten, Kontakte nachzuverfolgen und im Ernstfall Maßnahmen zu ergreifen. Die Verantwortlichen in Schulen und Kitas stehen seit Monaten vor immensen Zusatzaufgaben. Ihrer Besonnenheit und ihrer Belastbarkeit ist es mitzuverdanken, dass Präsenzunterricht auch in der zweiten Welle möglich ist und die Kitas offen bleiben.

Auch den Schülerinnen und Schülern gebührt Anerkennung. Nach dem ersten Lockdown mit dem für sie nie gekannten Homeschooling halten sie sich im Schulalltag an die Regeln, tragen konsequent im Unterricht die Masken (an den weiterführenden Schulen) und nehmen Durchzug im Klassenzimmer in Kauf. Wie sehr würden sich die Jugendlichen im Kreis Höxter auf den Karneval oder andere Events freuen. Stattdessen ist ihre Freizeitgestaltung erneut drastisch ausgebremst. Die meisten halten sich an Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen.

Durchhalten ist die einzige Option

Je mehr Menschen das tun, desto eher gerät das Virus wieder unter Kontrolle – umso schneller kann die Gastronomie öffnen, die wir im übrigen auch jetzt genauso wie den Einzelhandel im Rahmen des Möglichen unterstützen sollten.

Die Schulen sind trotz auftretender Fälle keine Pandemietreiber. Daher ist zu hoffen, dass der Präsenzunterricht bleibt. Digitale Tools können ihn nicht ersetzen. Der Mensch benötigt Gemeinschaft auch beim Lernen. Ansonsten bleibt uns nichts anderes übrig als durchhalten – auch wenn uns Regeln nicht einleuchten und wir vermissen, was uns lieb war. Die Lage ist ernst.

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