Die Hälfte aller Verstorbenen in Warburg wird eingeäschert und in einer Urne beigesetzt
Bestattungskultur wandelt sich rasant

Warburg/Willebadessen -

Im Rat der Stadt Willebadessen wird am Donnerstag ein Vorschlag der SPD verhandelt. Sie will prüfen lassen, ob auf den Friedhöfen nicht Urnenstelen aufgestellt werden können. Fraktionschef Franz Josef Kusch will auf „stark steigende Zahl“ an Urnenbestattungen reagieren.

Samstag, 21.11.2020, 05:28 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 05:30 Uhr
Der Friedhof in Nörde ist einer von 15 im Warburger Stadtgebiet. Auf den Dörfern gibt es noch viele Erdbestattungen. Doch der Trend geht zum Urnengrab.
Der Friedhof in Nörde ist einer von 15 im Warburger Stadtgebiet. Auf den Dörfern gibt es noch viele Erdbestattungen. Doch der Trend geht zum Urnengrab. Foto: Jürgen Vahle

Eine solch würdige Bestattungsstelle für Urnen ist bereits in Warburg-Dössel in Planung, dort in Form einer Mauer. Es handelt sich um Wände, oder eben Stelen, in denen die sterblichen Überreste Verstorbener in Urnen zur letzten Ruhe aufbewahrt werden. Auch in anderen Städten sehen sich die Friedhofsverwaltungen gezwungen, auf Änderung der Bestattungskultur zu reagieren. Denn: Die Urnenbestattung ist oft die häufigste – auch im Warburger Stadtgebiet.

In der Hansestadt hat es auf den 15 kommunalen Friedhöfen im Jahr 1999 insgesamt 9 Urnenbestattungen und 215 Erdbestattungen gegeben. 2019, 20 Jahre später, zeigt sich ein ganz anderes Bild: 109 Verstorbene sind in einer Urne beigesetzt worden, nur noch 106 in einem Sarg und in einer Erdbestattung. Die Quote der Verstorbenen, die in einer Urne beigesetzt werden, ist binnen 20 Jahren von 4 auf über 50 Prozent gestiegen.

Die Ursachen für diese rasante Änderung der Bestattungskultur sind vielfältig. Natürlich sind Einäscherungen und Bestattungen im Urnengrab nach wie vor etwas günstiger als Erdbestattungen. Für Jürgen Thonemann, Leiter des Warburger Bauhofes und damit zuständig für die 15 kommunalen Friedhöfe, gibt es aber einen weiteren Grund: „Die Grabpflege soll möglichst einfach sein.“ Und das sei bei einem kleinen Urnengrab oder gar in einem Gräberfeld eben eher möglich.

Gerade bei der Pflege der letzten Ruhestätten sehen die Mitarbeiter des Kommunalunternehmens Warburg (KUW) immer wieder Probleme auf den Friedhöfen. Besonders auf den drei großen Gottesäckern der Kernstadt komme es vor, dass Gräber verwildern. Bei regelmäßigen Kontrollgängen werde das festgestellt. Grabsteine bekommen dann einen grünen, gelben oder weißen Aufkleber, je nachdem, wo das Problem liegt. Mal ist der Grabstein nicht mehr standsicher, mal sprießt das Unkraut, mal ist die Ruhezeit abgelaufen und das Grab muss entfernt werden.

Doch die Aufkleber werden nicht immer beachtet, „und dann geht die mühselige Suche nach Angehörigen los, die für das Grab verantwortlich sind“, berichtet Jürgen Thonemann. Oft übrigens erfolglos, weil die Personen nicht mehr auffindbar oder auch schon verstorben sind. „Es gibt seltene Fälle, in denen wir das Grab auch schon einmal vor Ablauf der 20-jährigen Ruhezeit entfernen müssen.“

Und es gibt in diesem Zusammenhang Situationen, da bleibt selbst den hartgesottenen Mitarbeitern des Bauhofs die Spucke weg. Jürgen Thonemann erinnert sich an den Fall einer Warburgerin, die er wegen des ungepflegten Grabs ihrer Mutter angerufen hat. Dort bekam er nur zur Antwort: „Was habe ich mit meiner Mutter zu tun?“

Das Thema Friedhöfe ist eben hochgradig mit Emotionen besetzt. Und daher ist es der Stadt Warburg auch weiter wichtig, dass die Menschen dort beerdigt werden können, wo sie gelebt haben – egal ob in einer Urne oder in einem Sarg.

Bauhofleiter Thonemann verweist darauf, dass es noch in allen Orten, außer in Dalheim, einen eigenen Friedhof gebe – und das seien auf die Einwohnerzahl heruntergebrochen 15-mal mehr als beispielsweise in der Großstadt Köln. Natürlich mit den dazugehörigen Kosten für Grün- und Rasenpflege oder die Instandhaltung der Trauerhallen.

Daher sei der Bauhof dankbar über den Einsatz der vielen Rentner-Gruppen in den Orten, die ein waches Auge auf Sauberkeit und Ordnung hätten. Denn Friedhöfe seien auch soziale Begegnungsstätten oder hätten Parkcharakter. Jedenfalls seien sie sehr viel mehr mehr als reine Begräbnisstätten.

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