Evangelische Kirchen sagen Präsenzgottesdienste ab – Erzbistum hält unter verschärften Vorgaben daran fest
www.online-weihnachten.de

Kreis Höxter -

Drei der vier evangelischen Kirchengemeinden im Kreis Höxter haben alle Präsenzgottesdienste bis zum 10. Januar abgesagt. Das betrifft auch die Feierlichkeiten rund um das Weihnachtsfest. Die Gemeinden folgen damit einer Empfehlung der Landeskirche. Die Evangelische Christusgemeinde Emmer-Nethe (Brakel, Steinheim, Nieheim, Lügde) trifft laut Pfarrer Volker Walle eine Entscheidung während einer Presbyteriumssitzung an diesem Donnerstagabend.

Donnerstag, 17.12.2020, 05:27 Uhr aktualisiert: 17.12.2020, 05:30 Uhr
In der Kiliani-Kirche in Höxter wird bis zum 10. Januar kein Präsenzgottesdienst stattfinden. Dafür ist sie täglich zum Gebet geöffnet.
In der Kiliani-Kirche in Höxter wird bis zum 10. Januar kein Präsenzgottesdienst stattfinden. Dafür ist sie täglich zum Gebet geöffnet. Foto: Harald Iding

 

„Es fällt alles aus“, brachte es Pfarrerin Katrin Elhaus am Mittwoch im Gespräch mit dieser Zeitung auf den Punkt. Sie ist eine von zwei Pfarrerinnen in der Kirchengemeinde Bad Driburg. Für die Gläubigen soll es aber Alternativangebote zum Gottesdienst geben, kündigte sie an. Ähnlich läuft es auch im Altkreis Warburg (Warburg, Borgentreich, Herlinghausen, Rimbeck, Peckelsheim) wo die Verantwortlichen derzeit überlegen, ob sie die Kirchen über die Feiertage zum Gebet zu öffnen. Details dazu sollen am Freitag bekannt gegeben werden. Pfarrer Uwe Schröter hat unterdessen die Homepage www.online-weihnachten.de gekauft. Auf dieser Seite soll am Heiligen Abend auch das musikalische Krippenspiel eingestellt werden, das von Borgentreicher Kindern vor dem Lockdown als Video aufgenommen wurde. „Wünschenswert wäre auch, dass wir einen gemeinsamen Gemeindegottesdiens aufnehmen und für Heiligabend ins Netz stellen“, schreibt Schroeter in einer E-Mail an die Mitarbeiter.

Sehr früh am Mittwoch hatte die Weser-Nethe-Gemeinde (Höxter, Beverungen, Amelunxen, Bruchhausen) auf ihrer Internetseite bekannt gegeben, dass sie Gottesdienste bis zum 10. Januar absagt. „Der Heiland kommt trotzdem“, sagte Pfarrerin Astrid Neumann. Die Kirchen der Gemeinde sind ab jetzt täglich von 10 bis 18 Uhr verlässlich geöffnet. Die Gemeinde will eine CD mit Weihnachtsliedern und der Weihnachtsgeschichte produzieren, die in den Kirchen in Endlosschleife läuft. Zudem soll es Heiligabend einen Videogottesdienst aus allen fünf Kirchen und mit allen Pfarrern geben. Dieser wird auch über Facebook und Instagram verbreitet.

 

Der Superintendent des Kirchenkreises Paderborn, Volker Neuhoff, appellierte an die Gemeinden, Präsenzgottesdienste abzusagen. Er rief zu anderen Formen der Verkündigung auf. „Weihnachten wird dieses Jahr anders als wir es kennen, aber die frohe Botschaft von Weihnachten, dass Gott den Menschen nahe kommt, bleibt und wird weitergesagt“, betont Neuhoff.

Katholische Kirche

Das Erzbistum Paderborn hält hingegen an Präsenzgottesdiensten fest. Sprecher Benjamin Krysmann kündigte am Mittwoch an, dass die Messen an Weihnachten noch einmal unter deutlich schärferen Corona-Bedingungen stattfinden würden. Wie diese aussehen, hat Generalvikar Alfons Hardt an alle Priester, Diakone, Gemeindereferenten und Ordensgemeinschaften geschrieben. In dem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, wird die absolute Obergrenze für Gottesdienste in Kirchen mit 250 angegeben – vorausgesetzt, dass alle Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können. Für Gottesdienste im Freien liegt die Grenze bei 500. In Kirchen müssen die Kontaktdaten der Besucher erfasst werden. Für die Gottesdienste, bei denen die räumlichen Kapazitäten nicht ausreichen könnten, also beispielsweise zu Weihnachten, verpflichtet das Erzbistum die Gemeinden zu einem Anmeldeverfahren.

Der Pastoralverbund Brakel hält vor diesem Hintergrund an seinen Planungen fest. Dazu gehört auch ein großes Zelt auf dem Kirchplatz in der Kernstadt. Sabine Grawe vom Pfarrbüro kündigte am Mittwoch an, dass im Pfarrbrief ein Formular abgedruckt werde, in das Gottesdienstbesucher vorab ihre Kontaktdaten eintragen können.

Das Erzbistum weist die Gemeinden darauf hin, dass die örtlichen Behörden bei einem Inzidenzwert von mehr als 200 zusätzliche Schutzmaßnahmen anordnen können. Dazu könnte auch die Beschränkung von Gottesdiensten zählen.

Krysmann betonte, dass es zentrales Ziel der Pfarreien im Bistum sei, die Gesundheit der Menschen zu schützen. „Niemand handelt hier fahrlässig.“ Gottesdienste seien gerade in dieser Zeit ein wichtiges Zeichen der Solidarität, des Trostes, der Hilfe und auch der Geborgenheit.

Kommentar von Marius Thöne

Der Appell von Landeskirche und Superintendent, in Zeiten hoher Corona-Fallzahlen auf Gottesdienste an den Feiertagen zu verzichten, ist vernünftig. Auf der anderen Seite ist der Wunsch nach Seelsorge und einem Stück Normalität gerade an Weihnachten nachvollziehbar. Allerdings muss das eine das andere ja nicht ausschließen. Bereits im ersten Lockdown haben die Kirchen bewiesen, dass sie kreative Angebote außerhalb des Präsenzgottesdienstes machen können. Damit könnten auch Menschen mitgenommen werden, die sich in einem gut besuchten Gottesdienst trotz aller Abstände und Hygieneregeln nicht wohlfühlen würden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7726613?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
Neue bundesweite Einreise-Regeln
Ein Schild mit der Aufschrift "Bundesrepublik Deutschland" steht an der deutsch-tschechischen Grenze.
Nachrichten-Ticker