Der in Daseburg lebende Amerikaner Andrew Daly macht sich Sorgen
„Das ‚America first‘ hat vielen Hoffnung gegeben“

Warburg-Daseburg -

Die Bilder des Sturms auf das Kapitol in Washington flimmerten in der vergangenen Woche über die Bildschirme. Auch Andrew Daly aus Daseburg hat gesehen, was sich in seinem Geburtsland abspielte – und natürlich eine besondere Sicht der Dinge. WB-Mitarbeiterin Astrid E. Hoffmann hat mit dem gebürtigen Amerikaner über die Vorgänge gesprochen.

Sonntag, 10.01.2021, 22:04 Uhr aktualisiert: 10.01.2021, 22:10 Uhr
Der amerikanische Wahlkampf und der Wechsel im Präsidentenamt hat auch die Warburger nicht kalt gelassen. Der in Daseburg lebende Amerikaner Andrew Daly ordnet die Vorgänge in seiner alten Heimat für das WB ein.
Der amerikanische Wahlkampf und der Wechsel im Präsidentenamt hat auch die Warburger nicht kalt gelassen. Der in Daseburg lebende Amerikaner Andrew Daly ordnet die Vorgänge in seiner alten Heimat für das WB ein. Foto: Astrid E. Hoffmann

Herr Daly, was waren ihre ersten Gedanken, als sie die Bilder sahen?

Andrew Daly: Normalerweise schaue ich, wenn ich von der Arbeit komme, erst einmal Nachrichten im Fernsehen. Diesmal hatte ich aber noch etwas zu erledigen, so dass ich tatsächlich durch meine Mutter auf die Sache aufmerksam gemacht wurde. Meine Eltern leben in Kansas und meine Mutter schrieb mir eine Nachricht: „Mach mal den Fernseher an.“ Ich wurde sofort an die Bilder vor dem Reichstag vor einigen Wochen erinnert. Um die Sicherheit der Menschen hatte ich eigentlich keine Angst, denn in Washington D.C. sind Waffen nicht erlaubt. Ich dachte, die Sicherheitskräfte bekommen das unter Kontrolle. Was dann aber wohl nicht so reibungslos gelang. Ich sehe das Eindringen in das Kapitol als Angriff auf die Demokratie, und das macht mir Sorgen. Es bestätigt mein Gefühl, dass die USA Stück für Stück außer Kontrolle gerät.

Ihre Familie lebt in den USA. Wie sehen ihre Angehörigen diesen Vorfall?

Andrew Daly: Was am Mittwoch geschehen ist, hat alle erschüttert. Sie alle machen sich große Sorgen um die Zukunft des Landes. Meine Familie gehört zu den Demokraten. Es gehört für uns zur Meinungsfreiheit, dass sich jeder für die Partei seiner Wahl entscheiden kann. Es gibt auch Freunde und Bekannte, die Republikaner sind. Ich selbst kenne Trump-Anhänger, auch da muss man differenzieren.

Wie ist ihre Sicht auf die Regierungszeit von Donald Trump?

Andrew Daly: Ich bin kein politischer Mensch. Ich habe diesem Land als Soldat gedient, da war ein anderer Präsident mein „Chef“. Zumindest hat Trump keinen Krieg angefangen. Aber er ist sicher nicht unschuldig an dem, was dort am Mittwoch passiert ist. Ich habe ein großes Problem mit der Person Trump. Als ich noch in Amerika gelebt habe, war der Unternehmer Trump fast ständig im Fernsehen. Schon damals hatte er sich ins Gespräch als Präsident gebracht. Um zu sehen, wie er tickt, verfolge ich etwa seit zwei Jahren seine Nachrichten auf Twitter. Ich kann sein „America first“ verstehen und die Menschen, die sich darin wiederfinden. Viele sind unzufrieden und haben in diesem Motto eine Hoffnung gesehen. Es ist aber auch schwierig für mich, denn ich sehe hier in Deutschland von außen auf mein Land. Die Amerikaner sitzen drinnen – und sehen nur Amerika. Das muss man berücksichtigen. Hier in Deutschland gibt es eine starke Demokratie.

Was erwarten sie sich von dem neuen Präsidenten Joe Biden und der Vizepräsidentin Kamala Harris?

Andrew Daly: Ich wünsche mir, dass sie Ruhe ins Land bringen. Das sie einfach einen guten Job machen. Die Wirtschaft muss wieder angekurbelt werden. Das Gesundheitssystem krankt, da muss etwas getan werden. Jeder, der Hilfe braucht, sollte sie bekommen können. Die Polizeigewalt gegen Schwarze muss aufhören. Demokraten und Republikaner sollten einen respektvollen Umgang miteinander finden und für ihr Land arbeiten. Meine Familie lebt dort und ich hoffe, dass es für alle wieder besser wird, denn wir haben ja auch noch mit einer Pandemie zu kämpfen.

Zur Person: Andrew Daly ist 50 Jahre alt, amerikanischer Staatsbürger und wohnt mit seiner Familie in Daseburg. Anfang der 90er Jahre war er als Soldat in Frankfurt/a.M. stationiert und im Golfkrieg (Desert Storm) eingesetzt. Während seiner Zeit in Deutschland lernte er seine spätere Ehefrau kennen. Ein Jahr nach der Hochzeit in Amerika zog das Paar 1994 nach Daseburg. Der Vater eines Sohnes arbeitet bei der Firma Wentus in Höxter.

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