Lehrer Mezher Alkaoud absolviert in Hohenwepel Ausbildung und bekommt Festanstellung
Flüchtling wird Anlagenmechaniker

Warburg-Hohenwepel -

Es war kein leichter Weg für Mezher Alkaoud. Im Jahr 2015 kam er als syrischer Flüchtling nach Warburg. Aber der Weg hat sich gelohnt: Mittlerweile hat Alkaoud seinen Gesellenbrief und eine Festanstellung bei der Firma Werner Ludwig in Hohenwepel in der Tasche.

Freitag, 05.03.2021, 22:15 Uhr aktualisiert: 06.03.2021, 12:18 Uhr
Mezher Alkaoud freut sich über den Gesellenbrief. Nach der Ausbildung bekam er einen Festvertrag.
Mezher Alkaoud freut sich über den Gesellenbrief. Nach der Ausbildung bekam er einen Festvertrag. Foto: Zweite Heimat

„Schritt für Schritt ging es weiter: Nach dem Deutschkursus überzeugten ihn Ehrenamtliche aus der Flüchtlingsinitiative, heute der Verein Zweite Heimat Warburg, davon, eine Ausbildung zu machen“, teilt die Zweite Heimat in einer Pressemitteilung mit. „Denn es war klar, dass er in seinem in Syrien ausgeübten Beruf als Lehrer in Deutschland keine Chance haben würde.“

Nach einem Praktikum im Jahr 2017 bei der Firma Ludwig folgte eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker im Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Handwerk, kurz SHK-Handwerk. „Das erste Jahr war hart“, resümiert Mezher Alkaoud: Weiter Deutsch lernen, sich die vielen neuen Fachausdrücke aneignen, den deutschen Führerschein machen und dazu die Sorgen, wie es den Angehörigen zu Hause in Syrien geht.

„Zum Glück konnte inzwischen seine Frau mit ihrem gemeinsamen Sohn nach fast zweijähriger Trennung nach Deutschland einreisen“, schreibt die Zweite Heimat. Auch Alkaouds Kollegen waren über Praktika zu ihrem Beruf gekommen: Peter Brechtken (37) etwa arbeitet seit 21 Jahren im Betrieb, sein zehn Jahre jüngerer Kollege Lars Fricke ist zehn Jahre dabei. Auf die Frage, warum sie geblieben sind, antworteten beide ostwestfälisch trocken: „Warum sollten wir weggehen?“ Die räumliche Nähe spiele eine Rolle, zudem sei die Arbeit in einem kleineren Familienbetrieb abwechslungsreicher als in einer großen Firma.

Für Alkaoud, inzwischen zweifacher Vater, ist noch ein anderer Aspekt von Bedeutung. „Im Betrieb wurde mir schnell etwas zugetraut. Ich konnte schon früh auch selbstständig Aufgaben erledigen und hatte nicht das Gefühl, nur Handlanger zu sein“, wird er in der Pressemitteilung zitiert.

Die anfängliche Sorge von Werner Ludwig, dass mancher Kunde Mezher Alkoud wegen seiner Herkunft vielleicht ablehnen könnte, habe sich nicht bestätigt: „Ich habe eigentlich immer nur eine positive Resonanz von den Kunden bekommen, was mich richtig freut.“

Würde Werner Ludwig wieder einen Geflüchteten ausbilden? „Natürlich. Wenn derjenige in unseren Betrieb passt, ist es mir egal, ob er Deutscher ist oder nicht.“ Es sei aber schwer, Auszubildende zu finden. Doch Ludwig ist optimistisch: „Die Leute merken langsam wieder, dass das Handwerk ein spannender, abwechslungsreicher Beruf sein kann.“

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